Magdeburg.
Am kommenden Samstag (21. März) jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag eines Mannes, dessen Schaffen über Jahrzehnte dem Wohl Magdeburgs galt: Carl Gustav Friedrich Hasselbach. Bürgermeister Dr. Rüdiger Koch wird zum Andenken an den Wegbereiter für eine moderne Großstadt am Samstag um 11.00 Uhr auf dem Südfriedhof ein Blumengebinde niederlegen. Interessierte Magdeburgerinnen und Magdeburger sind dazu herzlich eingeladen.
Geboren wird Carl Gustav Friedrich Hasselbach in Stettin als Sohn eines Königlich Preußischen Justizrates und Syndikus der Seehandlung. Er besucht das Gymnasium in Stettin, studiert Rechts- und Kameralwissenschaften an den Universitäten Göttingen und Berlin. Dann geht er in den preußischen Staatsdienst. Nach Tätigkeiten in verschiedenen Orten, u. a. in Stettin, Halberstadt, Magdeburg, Gumbinnen/Ostpreußen und Erfurt, wird Hasselbach 1845 Oberregierungsrat bei der Regierung in Minden/Westfalen.
Im Revolutionsjahr 1848 scheidet derweil in Magdeburg der verdiente Oberbürgermeister August Wilhelm Francke (1785-1851) aus dem Amt. Die vom liberalen Bürgertum beherrschte Magdeburger Stadtverordnetenversammlung wünscht den Regierungs- und Baurat Hans Victor von Unruh (1806 - 1886) als dessen Nachfolger. Doch der preußische König Friedrich Wilhelm IV. gibt seine Zustimmung nicht. Drei Jahre lang bleibt Magdeburg ohne Oberbürgermeister. Erst 1851 akzeptiert die Stadtverordnetenversammlung den von der Regierung favorisierten königstreuen Carl Gustav Friedrich Hasselbach als Ersten Oberbürgermeister. Die Wahl findet am 20. August 1851 statt. Am 25. November trifft Hasselbach mit seiner Ehefrau Auguste geb. Crémat und den fünf Kindern in Magdeburg ein. Drei Tage später findet im Rathaus die feierliche Amtseinführung statt.
Von den einzelnen politischen Gruppierungen argwöhnisch beobachtet, gelingt es Hasselbach, durch eine kluge Politik des Ausgleichs den tiefen Spalt zwischen dem liberalen Bürgertum und den Staatsbehörden zu überwinden. Erstmals seit der Revolution besucht der König am 23. Oktober 1853 wieder die Stadt. Drei Tage später verleiht er Hasselbach den Titel „Ober-Bürgermeister“. Dieser erweist sich als fähig, die dringendsten Aufgaben der Kommunalverwaltung zu erkennen und erfolgreich in Angriff zu nehmen.
Schon 1852 hatte er sich der Gasversorgung gewidmet, so dass ab 10. Februar 1853 die Stadt im Gaslicht erstrahlt.1855 setzt er das Regulativ zur Neupflasterung der Straßen durch und beginnt mit der umfassenden Stadtkanalisation. Über 25 Jahre wird dieses gewaltige Unterfangen dauern!
1859 wird am Wolfswerder ein modernes Wasserwerk eröffnet, drei Jahre später die Strombrücke eingeweiht und 1867 Sudenburg nach Magdeburg eingemeindet. Viele Aktivitäten und Ereignisse aus jenen Jahren ließen sich aufzählen. Das Hauptverdienst Hasselbachs aber ist die Stadterweiterung Magdeburgs, die zur existenziellen Frage der weiteren Entwicklung der Stadt geworden war. Es galt, den einschnürenden Festungsgürtel, der das Haupthindernis für das Wachstum der Stadt bildete, zu lösen und Gelände für neue Wohn- und Zweckbauten, für Eisenbahnanlagen usw. zu erwerben.
Die Einwohnerzahl Magdeburgs hatte sich von 1818 bis 1864 auf über 70.000 Menschen verdoppelt. Sie bewohnten eine Fläche, die sich seit dem Mittelalter nicht mehr vergrößert hatte. Nach vielen Hindernissen wird nun – nicht zuletzt durch eine kluge Finanzpolitik Hasselbachs – am 12. November 1870 der Vertrag zwischen Stadt und Fiskus zum Kauf von 54 Hektar Stadterweiterungsgelände unterzeichnet. 1871 erwirbt die Stadt das Südwestfrontgelände. Noch im gleichen Jahr beginnt sie mit dem Grundstücksverkauf zwecks Bebauung des Geländes. Hasselbach selbst, den die Stadtverordneten 1875 einstimmig zum Oberbürgermeister auf Lebenszeit wählen, lässt sich 1877 ein Wohnhaus in der Kaiserstraße 28 (heute Otto-von-Guericke-Straße) errichten. Er wohnt aber bis zum Ende seiner Amtszeit im Alten Rathaus, im 2. Stock des 1866 neu erbauten Rathaus-Südflügels.
1881 bittet Hasselbach darum, ihn aus Altersgründen zum Jahresende aus dem städtischen Dienst zu entlassen. Am 28. November 1881 erhält er das Ehrenbürgerrecht. Am 21. April 1882 stirbt er in seinem Haus Kaiserstraße 28. Seine letzte Ruhestätte findet er auf dem Südfriedhof, wo 1904 auch seine Witwe beigesetzt wird.
Dem Andenken an Carl Gustav Friedrich Hasselbach ist auch Band 1 einer neuen Schriftenreihe zur Stadtgeschichte – den „Magdeburger Schriften“ - gewidmet, die vom Kulturhistorischen Museum, dem Stadtarchiv sowie der Stadtbibliothek herausgegeben wird. Er trägt den Titel „Carl Gustav Friedrich Hasselbach (1809-1882) – konservativer Oberbürgermeister einer dynamischen Stadt“ und ist im Buchhandel zum Preis von 19.80 € erhältlich.