09. Juni 2009.
Den Fall der Mauer vor 20 Jahren nehmen Kasseler Bürger zum Anlass, den Preis DAS GLAS DER VERNUNFT am 4. Oktober an Dr. Joachim Gauck zu verleihen. Dr. Gauck war Mitglied des Neuen Forums und Pastor in Rostock, wo er vor dem Fall der Mauer die wöchentlichen Gottesdienste leitete, und den anschließenden Großdemonstrationen voranging. Als Abgeordneter des Neuen Forums war er Mitglied der letzten Volkskammer der DDR. Mit dem Tag der Wiedervereinigung wurde er für zehn Jahre Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.
Mit dem Anspruch, die Opfer zu schonen, Täter zu benennen aber auch die Akten als „Apotheke gegen die Nostalgie“ zu nutzen, führte er diese Bundesbehörde, um deren Zukunft angesichts der Enthüllungen über die Tötung von Benno Ohnesorg durch einen Agenten der Staatsicherheit neuerlich eine Diskussion entbrannt ist. Dr. Joachim Gauck wurde für die Jahre nach der Wende in dem wiedervereinigten Deutschland eine der großen gestaltenden Persönlichkeiten, was sich auch daran ablesen lässt, dass die Behörde im allgemeinen Sprachgebrauch nur Gauck-Behörde genannt wird.
Die Bedeutung für die jüngste deutsche Geschichte von Dr. Joachim Gauck wird Wolfgang Tiefensee würdigen, der in Leipzig als Vertreter der Bewegung Demokratie Jetzt den Prozess der Wende begleitete, und sich von Anfang an verantwortlich in die Verwaltung der Stadt in die Pflicht nehmen ließ. Schließlich stand er in den Jahren 1998 bis 2005 Leipzig als Oberbürgermeister vor. Von dort wechselte er in das Amt des Bundesministers für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.
Bei der Festveranstaltung für Dr. Joachim Gauck wird Susanne Schädlich aus ihrem Buch "IMMER WIEDER DEZEMBER – Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich" lesen.
Die Familie des Schriftstellers Hans Joachim Schädlich musste nach der Wende aus den Akten der Gauck-Behörde erfahren, dass der Bruder die Familie und ihr gesamtes gesellschaftliches Umfeld aus freien Stücken bespitzelt hat. Damit lagen der Staatssicherheit sämtliche internen Vorgänge der literarischen Opposition offen zu Tage.
Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns unterschrieb Dr. Hans Joachim Schädlich eine Protestresolution, die dazu führte, dass er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern 1977 die DDR verlassen musste. Susanne Schädlichs Buch folgt den Akten, aus denen sie zitiert, sie konfrontiert sie mit ihren Erinnerungen und macht dabei die Traumatisierung deutlich, die eine Diktatur weit über die Zeit ihres Untergangs hinaus an Menschen zu bewirken vermag.
Bislang wurden mit dem Kasseler Bürgerpreis geehrt:
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