Pressemitteilung vom28. Dezember 2009
Halbzeit für das Projekt „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ des Jugendamtes des Landkreises Kassel
Kreis Kassel.

Das Projekt „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ des Jugendamtes des Landkreises Kassel hat Halbzeit. Seit Januar 2007, dem Start des Projekts, konnten bereits 56 Kinder und Jugendliche, die sich von der Schule losgesagt hatten, in das Projekt aufgenommen werden. „Mit der 2. Chance wollen wir möglichst frühzeitig Kinder und Jugendliche erreichen, die entweder nicht mehr oder nur noch sporadisch in die Schule gehen oder noch in die Schule gehen, aber im Unterricht nur noch „körperlich“ anwesend sind“, erläutert die pädagogische Koordinatorin des Projekts Tanja Sobirey.

 

„Vielen unserer Teilnehmern fehlt die Kraft und die Motivation zum Lernen“, so Sobirey weiter. Die Verweigerungshaltung zeige sich als Symptom, dem aber oft andere Ursachen zugrunde liegen. Die Kinder und Jugendlichen sind mit schwierigen Situationen innerhalb der Familie wie Trennung oder Scheidung der Eltern, plötzliche Arbeitslosigkeit eines Elternteils oder einer lebensbedrohlichen Erkrankung eines Familienmitglieds konfrontiert. Sobirey: „Andere sind den Anforderungen, die der Unterricht in der Regelschule stellt, nicht gewachsen und haben sich zurückgezogen.“

 

Die Koordinierungsstelle „Die 2. Chance“ begegnet der Verweigerungshaltung mit einem sehr individuellen Ansatz. Ziel ist es, jeden Jugendlichen so zu stärken und zu ermutigen, dass er wieder ein tragfähiges Selbstbewusstsein in die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten aufbauen kann. Für jeden Projektteilnehmer wird eine geeignete pädagogische Fachkraft ausgewählt, die sich ein oder zweimal die Woche mit dem Jugendlichen trifft.

Dieser persönlicher Coach lernt mit dem Jugendlichen für die Schule, es werden aber auch gemeinsam Freizeitaktivitäten wie Theater- und Museumsbesuche, Kino und Eislaufen unternommen. „Es ist uns wichtig, dass unsere Teilnehmer neugierig ihre eigenen Interessen entdecken und Möglichkeiten für eine aktive Freizeitgestaltung kennen lernen“, sagt Projektkoordinatorin Sobirey.

 

Zusätzlich schmiedet die Koordinierungsstelle „Die 2. Chance“ für jeden Teilnehmer ein gemeinsames Arbeitsbündnis, in dem Schule, Eltern und der Jugendliche gemeinsam Ziele festlegen und feste Absprachen treffen. Sobireys Kollege Stephan Lüders zieht nach drei Projektjahren ein erstes Resümee: „65 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die an unserem Projekt teilnahmen, haben unser Unterstützungsangebot sehr gut angenommen“. Die Jugendlichen fingen wieder an, Freude am Lernen zu entwickeln und in der Schule aktiv mit zu arbeiten. So konnten viele den Schulabschluss noch „5 vor 12 schaffen und damit haben sich wieder neue Zukunftschancen für diese Jugendlichen eröffnet“, betont Lüders.

 

Das Projekt, in dem 22 Kinder und Jugendliche zur gleichen Zeit betreut werden können, arbeitet zurzeit mit sieben Gesamtschulen im Landkreis Kassel zusammen. Die Kinder und Jugendlichen werden auf die „2. Chance“ in der Regel durch die Schulsozialarbeit aufmerksam gemacht. Die Entscheidung einer Teilnahme im Projekt wird gemeinsam mit dem Jugendlichen und den Eltern getroffen. Lüders: „Ganz besonders wichtig ist es, dass wir, bevor wir die Kinder und Jugendlichen in unser Projekt aufnehmen, genau hinschauen, was die Schulverweigerung ausgelöst hat“. Einige der Jugendlichen haben psychische Auffälligkeiten, die auf Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen hindeuten. Bevor hier unterstützt und aktiviert werden kann, werden diese Kinder und Jugendlichen in therapeutische Angebote vermittelt. „Eine genaue Diagnostik ist hier sehr wichtig, damit die Jugendlichen die richtige Hilfe erhalten“, erläutert Lüders.

 

Eine Aufnahme in das Projekt „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ kann ab 12 Jahren erfolgen. Die Teilnehmer können 12 Monate lang unterstützt werden. Unterstützt wird das Hilfeangebot durch den Europäischen Sozialfonds und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Nähere Informationen: Koordinierungsstelle „Schulverweigerung – Die 2. Chance“, Tel. 0561 / 1003-1545.



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn



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Plakat 2. Chance



Tanja Sobirey



Stephan Lueders



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