13. Januar 2010. Mit Befremden hat Landrat Bernhard Bramlage die Kritik zum Alkoholverbot in kreiseigenen Sporthallen zur Kenntnis genommen. „Es ist bedauerlich, dass das seit vielen Jahren bestehende Alkoholverbot in Sporthallen den Aussagen des Verantwortlichen des TV Bunde zufolge bislang ignoriert wurde“, so Bramlage in einer Pressemitteilung. Erst der nun vom Landkreis ausgesprochene Hinweis auf die künftige strikte Durchsetzung des Verbotes veranlasste die Organisatoren von Fußball-Hallenturnieren zum Alkoholverzicht in den Hallen.
Verwunderung herrscht im Kreishaus gerade angesichts des Wandels der Einstellung des TV Bunde, der von einer „Kollektivstrafe“ spricht, sich bisher aber durch die gute Zusammenarbeit im Rahmen des Alkohol-Präventionsprojektes „AlkoFlopp“ ausgezeichnet und sich einem Alkoholverzicht im Jugendsport verschrieben hat. Der TV Bunde war einer der ersten Vereine, der sich an der Trikotaktion „Alkohol im Sport? – Mein Verein sagt Nein!“ beteiligte und zwei Trikotsätze für die C-Junioren-Fußballer und einen Satz Trikots für die Basketballjugend erhielt. Die Präventionskräfte der Gemeinde Bunde, Anne Miksiunas und Werner Hoffmann, machten im Rahmen eines Vereinsinformationsabends die Teilnehmenden auf ihre Funktion als Identifikationsfigur für Jugendliche aufmerksam und sensibilisierten die Vereinsmitglieder hinsichtlich ihrer Vorbildfunktion im Umgang mit Alkohol.
Die unter anderem von Gerold van Hoorn, Pressewart und Jugendobmann beim TV Bunde, zugesagte Mitarbeit am Präventionsprojekt „AlkoFlopp“ scheint hinsichtlich des Wunsches, künftig wieder Alkohol bei den Hallenkreismeisterschaften ausgeben zu dürfen, lediglich ein Lippenbekenntnis zu sein. Vielleicht hat er aber auch übersehen, dass zahlreiche Kinder und Jugendliche unter den Zuschauern waren, fragt sich Karin Frieling, Jugendbeauftragte des Landkreises Leer. Die Präventionskräfte Miksuinas und Hoffmann werden in Kürze das Gespräch suchen. In diesem kann der Verein sich positionieren.
Positionieren müssen sich hinsichtlich ihrer Vorbildfunktion alle Erwachsenen – gerade mit Blick auf die Durchsetzung des Jugendschutzes. Dabei sollte sich jeder ehrlich die Frage beantworten, ob Alkohol und Sport wirklich untrennbar zusammen gehören und ob über den Alkoholverkauf gemachte Umsätze im sportlichen Bereich gerechtfertigt sind, so Bramlage. Klar Stellung bezogen haben zum Thema Alkoholausschank in Sporthallen bereits die Eltern, die dem Landkreis Verstöße gegen das Verbot gemeldet und Bedenken geäußert hatten.
Ausdrücklich unterstützt wird der Landkreis Leer in dieser Sache vom Vorsitzenden des Kreissportbundes, Bernd Lüning.
Hintergrundinformationen:
Seit einigen Jahren ist der Landkreis bemüht, den übermäßigen Alkoholkonsum von Jugendlichen durch Präventionsprojekte einzudämmen. Neben der Unterstützung des in Bunde konzipierten Projektes „AlkoFlopp“, initiierte der Landkreis zwei Theaterstücke mit dem Titel „Voll zu - Voll cool?“, die in den Schulen aufgeführt wurden. Ein weiteres Projekt ist die überregionale Kampagne „Zuviel Alk“, die in Kooperation mit dem Landkreis Aurich, der Stadt Emden und den Polizeiinspektionen Leer-Emden und Aurich durchgeführt wird. Hierbei handelt es sich um eine Plakat- und Internetaktion. Die Plakate werden flächendeckend im gesamten Ems-Jade-Gebiet durch den Verkehrsverbund Ems Jade (VEJ) in allen Bussen (mehr als 500 Busse) sowie in öffentlichen Gebäuden ausgehängt. Allein durch die Bus-Aktion wurden bisher circa 42.000 Jugendliche erreicht.
Weiterhin werden sogenannte „Testkäufe“ im Landkreis Leer durchgeführt. Die Polizei Leer/Emden, das Ordnungsamt und das Jugendamt des Landkreises Leer kontrollieren in regelmäßigen Abständen mit Hilfe minderjähriger Polizeioberschüler Gewerbetreibende aus den Bereichen Lebensmittelmärkte, Kioske und Tankstellen im gesamten Kreisgebiet.
Informationen zum Projekt AlkoFlopp:
Die Präventionsfachkräfte der Gemeinde Bunde entwickelten das Konzept „AlkoFlopp – Eine Initiative für mehr Verantwortung im Umgang mit Alkohol“, das darauf abzielt, die Erwachsenen in ihre Verantwortungsrolle zurück zu holen. Das AlkoFlopp-Konzept wird in verschiedenen Phasen zusammen mit Eltern, Sportvereinen, Verbänden, Handel, Gastronomie, Schulen sowie den Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Im Vordergrund steht dabei die Information.
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