Braunschweig.
„Die Bauarbeiten schreiten planmäßig voran. Mit der Eröffnung des Städtischen Museums am Löwenwall ist Anfang 2012 zu rechnen“, diese Zwischenbilanz zog Kulturdezernent Wolfgang Laczny zu den laufenden Umbauarbeiten. Die massiven Einbauten der 70er Jahre sind inzwischen entfernt - Voraussetzung dafür, die ursprüngliche Baukonzeption des 1906 errichteten Jugendstilbaus samt seinem eindrucksvollen Lichthof wieder herzustellen. Mit den fortschreitenden Bauarbeiten reift die Konzeption der Inneneinrichtung heran. Sie stammt von der Braunschweiger Agentur Hinz und Kunst, die Erfahrungen mit der Gestaltung von Ausstellungsräumen von der Frühgeschichte bis zur Gegenwart vorweisen kann.
„Wir wollen so viel originale Bausubstanz wie möglich wieder zum Vorschein bringen und aus dem Museum einen attraktiven und lebendigen Begegnungsort für unsere Bürger machen“, hob Laczny hervor, als er den aktuellen Stand der Überlegungen dem Ausschuss für Kultur und Wissenschaft am Freitag, 5. Februar, vorstellte. Hierbei handele es sich um Beispiele, wie Höhepunkte der ständigen Sammlung inszeniert werden könnten.
Ändern soll sich danach bereits der Zugang zum Museum, der künftig von der Straße Steintorwall erfolgt. Obwohl der alte Eingang repräsentativ gestaltet ist, liegt er bisher noch versteckt hinter einer alten Eibe. Zum einen wird er mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn er saniert ist, zum anderen soll künftig ein Info-Gerüst auf dem Kurt-Seelecke-Platz auf Ausstellungen und den neuen Zugang zum Museum hinweisen.
Entsprechend der alten Grundrisse führt der Weg der Besucher durch das Foyer über ein paar Stufen in den großen Lichthof, vorbei an Museumsladen und Informations- und Kassentresen zur linken und dem Museumscafé zur rechten. Dieser zentrale, großzügige Raum von 380 Quadratmetern ist multifunktional nutzbar, bietet bei Vorträgen und Veranstaltungen rund 200 Menschen Platz und kann in Wechselausstellungen einbezogen werden, für die auch in angrenzenden Räumen viel Platz (300 Quadratmeter) zur Verfügung stehen wird. Außerdem wird die reiche ethnographische Abteilung auf dieser Etage untergebracht werden.
Das zweite Obergeschoss wird nach der Planung zum einen für Meisterstücke des Braunschweiger Möbelhandwerks, kostbare Schränke, Tische und Truhen, reserviert. Außerdem werden hier das Braunschweiger Kunsthandwerk (Silber, Fayencen, Porzellan) sowie die umfangreiche Sammlung von Exponaten der Manufaktur Stobwasser gezeigt. Auch ausgewählte Stücke der Formsammlung werden hier präsentiert.
Auf derselben Etage findet ebenfalls die exzellente Musikinstrumentensammlung der Stadt mit dem ersten Tafelklavier von Steinweg, dem Clara-Schumann-Flügel und der Geige Ludwig Spohrs angemessenen Platz.
Das dritte Obergeschoss ist der Gemälde- und Skulpturensammlung vorgehalten. Sie erstreckt sich zeitlich von sakraler Kunst des Mittelalters bis in die Gegenwart mit Werken, die an der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste entstanden. Besondere Schwerpunkte bilden aber die Gemälde und Skulpturen des 19. und 20. Jahrhunderts. Gerade diese Exponate werden neue Wirkung entfalten, denn es ist vorgesehen, die ursprüngliche Farbigkeit der Wände aus dem Eröffnungsjahr 1906 wieder herzustellen, die diese Ausstellungsstücke besonders akzentuieren würde.
Das Städtische Museum am Löwenwall wird seit Mai 2009 für rund 4,7 Millionen Euro umfassend modernisiert. Davon stammen 1,8 Millionen von der Europäischen Union (EFRE). Dabei entsteht auf drei Etagen eine Ausstellungsfläche von 2260 Quadratmetern (mit Lichthof 2640 Quadratmeter).
Völlig unberührt von den Bauarbeiten ist das 2008 neu eingerichtete Galeriegebäude am Steintorwall 15, in dem vorrangig Werke der Klassischen Moderne aus der Sammlung Bönsch ausgestellt werden. Dort beginnt der Ausstellungsbetrieb wieder mit einer neuen Ausstellung im März.