Kreis Unna - Presse und Kommunikation

02. Juni 2010

Kreis setzt auf Vorbeugung

Hilfen zur Erziehung stark nachgefragt

Kreis Unna. (PK) Die Erziehungsprobleme in der Gesellschaft nehmen zu. Deshalb wird auch der Fachbereich Familie und Jugend mit seinen vielschichtigen Hilfen zur Erziehung zunehmend gefordert. Der wachsende Beratungsbedarf von Eltern und Kindern, die Unterstützung benötigen, hat Konsequenzen. „Seit Jahren steigen die Fallzahlen. Parallel dazu haben wir die Präventionsarbeit verstärkt, um dieser Entwicklung gegen zu steuern. Das heißt konkret, dass die Arbeitsbelastung gestiegen ist und gleichzeitig die Wartezeiten in einigen Bereichen länger geworden sind“, so Dipl.-Pädagoge Gerd Steiner.

 

Der stellvertretende Fachbereichsleiter, zuständig für Hilfen zur Erziehung, berichtete im Jugendhilfeausschuss unter Vorsitz von Theodor Rieke (SPD) über die aktuelle Entwicklung. Besonders nachgefragt ist der Allgemeine Sozialdienst (ASD). Während 2008 noch 88 Familien aus Bönen, Fröndenberg und Holzwickede in schwierigen Lagen ambulant beraten und unterstützt wurden, stieg diese Zahl 2009 auf 120 Fälle. „Wir arbeiten nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“, helfen bei der Erarbeitung von Erziehungsstrategien, unterstützen und begleiten die Familie vor Ort“, erläuterte Steiner. Doch das reicht nicht immer. „Wenn Hilfen in der Familie nicht mehr ausreichend greifen, kann auch die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in einer Pflegefamilie oder Einrichtung notwendig werden“, machte der Fachmann deutlich. Dies war 2009 45mal der Fall (2008: 37).

 

Ebenfalls gestiegen ist die Zahl der Fälle, in denen Kinder wegen akuter Gefährdung sofort aus der Familie genommen werden mussten. 2009 erfolgte die Inobhutnahme in 33 Fällen (2008: 22). „In diesem sensiblen Bereich arbeitet wir eng mit Kooperationspartnern wie den Kindertageseinrichtungen und Schulen zusammen“, unterstrich Steiner. Das Zusammenspiel sei eine wichtige Voraussetzung für gezieltes und angemessenes Handeln.

 

Auch bei der psychologischen Beratungsstelle des Kreises, die Eltern Beratung und Therapie bei Problemen in der Erziehung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen anbietet, stieg die Zahl der Beratung von 440 (2008) auf 503 (2009). Weiter auf unverändert hohem Niveau bzw. mit Tendenz nach oben sind die Fallzahlen bei der Jugendhilfe im Strafverfahren und beim Pflegekinderdienst.

 

Gründe für diese Entwicklung liegen laut Steiner in sich verändernden Familienstrukturen. „Eltern und Kinder haben heute weniger Kontakt und in einer multimedialen Welt auch weniger Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten.“ Als Folge fühlten sich Eltern mit der Erziehung oft überfordert und Kinder nicht verstanden.

 

„Die in den letzten Jahren entwickelten präventiven Angebote werden erst langfristig Wirkung zeigen“, zeigte sich Steiner im Ausschuss überzeugt, dass die Fallzahlen entsprechend des bundesweiten Trends auch im Kreis noch steigen werden. Als Gegengewicht setzt er u.a. auf die Kontakte mit anderen, in der Jugendhilfe tätigen Einrichtungen. „Diese Kooperation und Vernetzung ist für unsere Arbeit von immenser Bedeutung.“ Weiter machte Steiner deutlich, dass man bei allen Maßnahmen im Bereich Hilfen zur Erziehung neben der Wirksamkeit auch immer die Kosten im Blick habe.

 

In diesem Zusammenhang kündigte Jugenddezernent Norbert Hahn an, dass im Rahmen der extern begleiteten Überprüfung der Leistungs- und Kostenstruktur der Kreisverwaltung auch der Bereich der Hilfen zur Erziehung untersucht werde.




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