Ottostadt Magdeburg.
Gleich zweimal waren hochrangig besetzte Delegationen aus Magdeburg in den zurückliegenden Wochen im Ausland unterwegs, um für den Wirtschaftsstandort Magdeburg zu werben und Kontakte zu knüpfen. Ende Mai besuchte Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper als Mitglied der Delegation Sachsen-Anhalts die Landespräsentation auf der EXPO in Shanghai und anschließend die Ersten Magdeburger Unternehmertage in Harbin. Vom 9. bis 11. Juni weilten Magdeburgs Beigeordneter für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit Rainer Nitsche sowie der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, Dr. Dieter Scheidemann mit einer Delegation im französischen Le Havre.
Ende Mai 2010 weilte eine Delegation mit rund 50 Teilnehmern - Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien des Bundeslandes Sachsen-Anhalts – in China, wo sie u.a. die Präsentation des Bundeslandes auf der EXPO 2010 in Shanghai besuchte. Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung des chinesischen Marktes für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt hatten die im Bundesland international tätigen Wirtschaftsfördereinrichtungen sowie die Wirtschaftsdezernate der Landeshauptstadt Magdeburg und der Stadt Halle gemeinsam eine repräsentative Wirtschaftsdelegation zusammengestellt, die die Wirtschaftskraft und Leistungsbereitschaft des Bundeslandes in China vorstellte.
Auf der EXPO in Shanghai hatte die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH einen Sachsen-Anhalt-Tag und eine Investorenkonferenz organisiert. Darüber hinaus fanden individuelle Unternehmensgespräche in Shanghai und Umgebung sowie im südlich von Shanghai gelegenen Jiaxing, der Partnerstadt von Halle statt. Die Magdeburger Delegationsteilnehmer reisten im Anschluss weiter nach Harbin zu den Ersten Magdeburger Unternehmertagen vom 28. bis 31. Mai 2010.
Unternehmertage in Harbin
Während der ersten Magdeburger Unternehmertage trafen sich unter Leitung der beiden Oberbürgermeister von Magdeburg, Dr. Lutz Trümper und Harbin, Zhang, Xiaolian, in Magdeburgs chinesischer Partnerstadt erstmals Magdeburger und Harbiner Unternehmer. Begleitet wurde die Delegation vom Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit Sachsen-Anhalt, Detlef Schubert, vom Vize-Präsidenten der IHK Magdeburg, Rolf Lay und dem Beigeordneten für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit der Landeshauptstadt Magdeburg, Rainer Nitsche.
„Das Wirtschafts- und Außenamt der Stadt Harbin hatte anhand von detaillierten Unternehmensprofilen rund 50 interessierte Firmen und Einrichtungen aus der Region Harbin ausgewählt, die am Aufbau von effektiven und nachhaltigen Geschäftsbeziehungen mit Magdeburger Firmen und Einrichtungen interessiert sind“, so Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper im Rückblick. „Alle beteiligten Magdeburger Unternehmer waren sehr zufrieden mit der Auswahl der Gesprächspartner und sehen durchaus Chancen für die Aufnahme von langfristigen und nachhaltigen Geschäftskontakten.“
Im Ergebnis der Unternehmertage wurden im Beisein von führenden Vertretern beider Stadtregierungen folgende vier Absichtserklärungen über die weitere intensive Zusammenarbeit bei der Realisierung von gemeinsamen Projekten und der Vermarktung von Produkten unterzeichnet:
- Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen dem Büro für Internationale Wirtschaftsförderung Chinas in Harbin und der IHK Magdeburg
- Absichtserklärung über Projekte zur Energieeinsparung und zum Umweltschutz zwischen der Heilongjiang Longyang Konzerngruppe und dem Beratungsunternehmen en+en in Sachsen-Anhalt
- Protokoll über die Zusammenarbeit zwischen Harbin Xiangdu Dienstleistung Gesellschaft und Expert People Management GmbH in Magdeburg
- Memorandum über die Zusammenarbeit zwischen Harbin Join Technology Co., Ltd und EMS GmbH
„Das Wirtschaftsdezernat der Landeshauptstadt Magdeburg und das Außenamt in Harbin verständigten sich darüber hinaus auf Themen und Gegenstände, die zur Fortführung und Vertiefung der Städtepartnerschaft geprüft und weiter bearbeitet werden sollen“, ergänzt Magdeburgs Beigeordneter für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit, Rainer Nitsche. „Dazu gehören z.B. die energieeffiziente Sanierung von Wohnungen, intelligente Lösungen zur städtischen Verkehrsleitung wie sie durch Magdeburger Forschungsinstitute entwickelt wurden oder Technologien zur Abfallbeseitigung und zum Recycling.“ Die zweiten gemeinsamen Unternehmertage wollen beide Städte im ersten Halbjahr 2011 in Magdeburg organisieren.
Zusätzlich zum Ausbau ihrer wirtschaftlichen Beziehungen wollen beide Partnerstädte ihre Zusammenarbeit auch in den Bereichen Kultur und Tourismus vertiefen. Dazu vereinbarten die beiden Oberbürgermeister den Aufbau von Schulpartnerschaften mit dem Ziel eines regelmäßigen Schüler- und Lehreraustausches sowie den Aufbau von Kooperationen auf dem Gebiet des Sports und zwischen Studenten. Vorgesehen sind Kooperationen der Konservatorien in Magdeburg und Harbin mit dem Ziel gemeinsamer Konzerte, der Austausch von Fotoausstellungen über die Entwicklung der jeweiligen Städte und Regionen und Kooperationen zwischen den Museen mit dem Ziel des Austauschs von Exponaten bzw. gemeinsamer Ausstellungen. Außerdem will Magdeburg seine Präsentation in der Harbiner Ausstellungshalle der Partnerstädte (Sister Cities Museum) neu gestalten.
„Im Bereich Tourismus können wir uns die gemeinsame Entwicklung von Angeboten für die Bürger beider Städte vorstellen“, ergänzt der Magdeburger Wirtschaftsbeigeordnete. „Denkbar wären etwa zehntägige Rundreisen in die jeweiligen Städte und ihre Umgebung. Auch die Durchführung eines kleinen Eisskulpturen-Festivals in Magdeburg wollen wir prüfen.“ Das Eisskulpturen-Fest gehört zu den größten touristischen Attraktionen im winterlichen Harbin.
Besuch in Le Havre vom 9. bis 11. Juni 2010
Vom 9. bis 11. Juni weilte die erste offizielle Magdeburger Delegation in der französischen Hafenstadt. Sie bestand aus dem Beigeordneten für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, Dr. Dieter Scheidemann, dem Beigeordneten für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit, Rainer Nitsche, dem Vertreter der Unternehmensleitung des Magdeburger Hafens, Leonhard A. Hochheimer und dem ehemaligen Stadtrat Thomas Veil.
„Dabei standen insbesondere Gespräche mit hochrangigen Vertretern der Stadt, der Hafengesellschaft, der Industrie- und Handelskammer und aus dem Bereich von Wissenschaft und Forschung im Mittelpunkt“, berichtet Magdeburgs Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche. „Als Zeichen des echten Bemühens aus Le Havre, mit Magdeburg partnerschaftliche Beziehungen aufzubauen, kann ein Empfang gewertet werden, der für die Magdeburger im bekanntesten Museum der Stadt, dem Musée Malraux, gegeben wurde. Der Oberbürgermeister hatte dabei nicht nur Repräsentanten von Stadt, Wirtschaft und Hochschulen, sondern auch Vertreter allgemein bildender Schulen und kultureller Einrichtungen eingeladen.“
Die Gespräche im Zusammenhang zwischen Le Havre und Magdeburg zielten zunächst auf konkrete Kooperationen in folgenden Bereichen:
Austausch von Schülern und kulturelle Projekte
Es gab direkte Anfragen zum Austausch von Schülern und zur Zusammenarbeit von Schulen, auch mit einer privaten Sprachschule, an der Praktikumsplätze vermittelt werden könnten. Die beiden Konservatorien könnten ebenfalls einen Austausch organisieren bis hin zu gemeinsamen Konzerten. Denkbar ist ebenso der Austausch von Kunstwerken für Ausstellungen.
Zusammenarbeit der Universitäten
Vor allem in den Bereichen Sprachen und Logistik wurde von Seiten der Stadt Le Havre lebhaftes Interesse signalisiert an einem Austausch von Studenten und der Ermöglichung gegenseitiger Praktika. Die Universität Le Havre bildet insbesondere im Bereich Logistik für Überseetransporte aus. Hier könnte komplementär eine Ausbildung für den Binnenbereich durch die Universität Magdeburg erfolgen.
Zusammenarbeit im logistischen Sektor
Le Havre hat hohes Interesse, mit dem Magdeburger Hafen im Logistikbereich zusammen zu arbeiten. Dies resultiert nicht zuletzt aus einer aktuellen Studie, in der Le Havre als Überseehafen von Paris mit entsprechenden Verkehrsströmen dargestellt wird. Basierend auf dieser Studie ist die Hinterlandverbindung zum Hafen Magdeburg und von dort aus Richtung Osten von besonderem Interesse.
Über diese konkreten Punkte hinaus ist ein städtebaulicher Erfahrungsaustausch nicht nur historisch interessant, er könnte auch für die Stadtgestaltung der Zukunft in mehrfacher Weise von Bedeutung sein. Dies betrifft beispielsweise die Nachnutzung ehemaliger Hafeneinrichtungen, die Schaffung von Straßenbahntrassen für die Vorstädte oder die Sanierung von Vorstädten.
„Wir werden die Zusammenarbeit mit Le Havre auf jeden Fall intensivieren“, erklärt Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper nach den positiven Ergebnissen der ersten Kontakte zwischen beiden Städten. „Der Stadtrat hatte bereits 2003 beschlossen, dass Magdeburg auch mit einer französischen Stadt eine Städtepartnerschaft eingehen soll. Sofern den ersten Kontakte jetzt gemeinsame Projekte und Kooperationen folgen, kann daraus perspektivisch eine Städtepartnerschaft erwachsen.“
Weitere Informationen zur Städtepartnerschaft zwischen Magdeburg und der chinesischen Stadt Harbin finden Sie unter www.magdeburg.de.