Lohfelden.
„Beim Neubau der Grundschule Vollmarshausen kommt neueste Spitzentechnologie zum Einsatz“, stellt Uwe Schenk vom Fachbereich Schulen und Bauwesen des Landkreises Kassel fest. Anlass dieser Feststellung ist der Einbau einer Cobiaxdecke für das neue Schulgebäude. Schenk: „Zum Konzept der Grundschule gehört, dass die Klassenräume größer sind als normal – die Unterrichtsräume werden bis zu 85 Quadratmeter groß“. Dies bedeutet, dass klassische Ortbetondecken die erforderliche Spannweite nur mit sehr hohen Deckenstärken erreichen können. „Dies hätte eine überproportionale Vergrößerung des Gewichts zur Folge und das hätte eine Reihe von statischen Problemen aufgeworfen“, erläutert Schenk.
Deshalb habe man sich auf Vorschlag der beteiligten Ingenieure und des beauftragten Architekturbüros dafür entschieden, eine Cobiaxdecke einzubauen. „Das Konzept der Cobiaxdecke beinhaltet, dass möglichst viel Beton in einer Flachdecke weggelassen werden kann“, informiert Dr. Michael Eisfeld von Eisfeld Ingenieure AG in Kassel. Diese spezielle Flachdecke sei so konstruiert, dass zwischen der unteren und oberen Bewehrung Hohlkörper platziert sind. Die dadurch erzielte Gewichtseinsparung von bis zu 35 Prozent wirkt sich positiv auf die ganze Tragwerksstruktur aus und ermöglicht Materialeinsparungen. Dr. Eisfeld: „Die Cobiax-Technologie hat sich bereits vielfach in der Praxis bewährt und wird zum Beispiel gerade auch beim Bau des Airrail-Centers am Frankfurter Flughafen genutzt“. Das in der Schweiz entwickelte Konzept orientiere sich am Vorbild der Natur. „Ein Vogel kann nur fliegen, weil seine Knochen aus einer harten Schale mit Hohlräumen und Verstrebungen bestehen – die Knochen sind gewichtsoptimiert und gleichzeitig stabil“, so Dr. Eisfeld weiter.
Aus Sicht des Landkreises spricht für die neue Technologie besonders der Nachhaltigkeitseffekt. „Durch die geringeren Deckenstärken ergibt sich ein günstigeres Verhältnis zwischen umbautem Raum und Baukörperoberfläche, was gleichzeitig Heizkosten spart“, betont Kreismitarbeiter Schenk. Statik und Wärmeschutz gingen hier Hand in Hand. „Ein weiterer Nachhaltigkeitseffekt entstehe dadurch, dass durch ein geringeres Betonvolumen CO²-Emissionen eingespart werden und für die Cobiaxdecke Recyclingmaterialien genutzt werden“, ergänzt Dr. Eiselfeld.
Rund 2 Millionen Euro aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm des Bundes fließen seit Februar in den zweigeschossigen Neubau für die Vollmarshäuser Grundschule, in dem drei 80 bis 85 Quadratmeter großen Klassenräume und zwei Fachräume untergebracht sind. „Wir liegen mit den Bauarbeiten trotz des langen Winters im Zeitplan – die Firma Ullrich Bau aus Niestetal-Heiligenrode hat hier tolle Arbeit geleistet“, lobt Schenk das ausführende Bauunternehmen aus der Region.
Hintergrund:
Bereits 2007 war eine Machbarkeitsstudie erstellt worden, um die Gesamtentwicklung der Vollmarshäuser Grundschule zu einer Ganztagsschule mit Modellcharakter zu ermöglichen. Nach der Zusage der Landesregierung, die erforderlichen zusätzlichen Lehrerstellen für die Umwandlung in eine Ganztagsschule bereitzustellen, stellt der Kreis als Schulträger die baulichen Weichen für die Zukunft der Grundschule.
Der Altbau der Grundschule Vollmarshausen stammt aus dem Jahr 1893 und wurde 1936 in seine jetzigen Form umgebaut. Der Verbindungsbau und die beiden weiteren Schulgebäude stammen aus den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die neuen pädagogischen Anforderungen im Zusammenhang mit dem von der Schule verfolgten Konzept einer gebundenen Ganztagsschule lassen sich mit dem Raumzuschnitt des Altbaus nicht in Einklang bringen.
Außerdem hatte es in den Kellerräumen in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit Schimmelbefall gegeben. Durch den vom Kasseler Architekturbüro Schultze und Schulze entworfenen Neubau wird dieser Zustand beendet. Die „neue Schule“ wird nach dem Vorbild des Herforder Modells gebaut. Das bedeutet, dass es größere Lernräume gibt, die so ergänzende Funktionen wie gemeinsames Mittagessen und Kleingruppenarbeit ermöglichen. Baulich achtet der Landkreis darauf, dass sich der Neubau durch besondere energetische Fähigkeiten auszeichnet.
Nach der geltenden Energieeinsparverordnung darf ein Primärenergiebedarf von 342,1 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr haben – der Kreis geht davon aus, dass nach Fertigstellung des Neubaus ein Primärenergiebedarf von 75,9 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr entsteht. Möglich wird dieser Wert durch eine intelligente Verbindung von Dämmmaßnahmen, flexiblen Lüftungsanlagen und Wärmerückgewinnung direkt in den Klassenräumen.
Die Baumaßnahmen sollen einschließlich der neugestalteten Außenanlagen bis Juli 2011 abgeschlossen sein, so dass die Schule die neuen Räume nach den Sommerferien nutzen kann.
Die Grundschule Vollmarshausen ist mit aktuell 233 Schülern und 10 Klassen die zweitgrößte Grundschule in Lohfelden. Seit dem Schuljahr 2000/01 ist an der Schule ein Betreuungsangebot eingerichtet. Zukünftig soll die Schule als gebundene Ganztagsschule konzipiert werden. Dies bedeutet, dass alle Kinder zwischen 8.30 Uhr und 14.30 Uhr in drei Zeitblöcken unterrichtet werden. Die Schule wird dann ab 7.30 Uhr geöffnet sein und bis 16.30 Uhr eine qualifizierte Betreuung anbieten. Der Einzugsbereich der Grundschule umfasst den Lohfeldener Ortsteil Vollmarshausen. In den nächsten sechs Jahren wird die Schülerzahl der Schule schrittweise auf rund 120 Schüler sinken. Schulleiterin ist Brigitte Bergmann.
Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn
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