Kaufungen/Wolfhagen.
Der in Kaufungen wohnende und im Wolfhager Stadtteil Bründersen geborene Hans-Norbert Schwedes erhält die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. „Herr Schwedes ist ein würdiger Träger der Verdienstmedaille, da er sich seit 40 Jahren ehrenamtlich als phänologischer Beobachter für den Deutschen Wetterdienst engagiert“, würdigt Landrat Uwe Schmidt den Geehrten bei der Aushändigung des Verdienstordens.
Schwedes hat während seiner Berufstätigkeit als kaufmännischer Angestellter wie auch aktuell als Rentner in der Umgebung seines Geburtsortes Bründersen und seines Wohnortes Niederkaufungen seit 1969 die jahreszeitliche Entwicklung von Pflanzen beobachtet. Schmidt: „Damit ist er ein Bestandteil des phänologischen Beobachtungsnetzes des Deutschen Wetterdienstes, das aus rund 1.300 ehrenamtlichen Beobachtern bundesweit besteht“. Zusammen mit den hauptamtlichen Stationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wird durch dieses Netz vor allem die wetterdienstliche Beratung der Landwirtschaft sichergestellt.
Die Phänologie im Deutschen Wetterdienst befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen der Pflanzen. Es werden die Eintrittszeiten charakteristischer Vegetationsstadien (Phasen) beobachtet und festgehalten. Sie stehen in enger Beziehung zur Witterung und zum Klima und eignen sich daher für die verschiedensten Anwendungsgebiete und für vielseitige wissenschaftliche Untersuchungen.
Zum Aufgabengebiet eines phänologischen Beobachters gehört die Erfassung der Pflanzenentwicklung bestimmter Indikatorpflanzen. „Das Phänologische Jahr wird in zehn Jahreszeiten eingeteilt, denen einzelne Pflanzen zugeordnet sind“, erläutert Schwedes. Den Beginn des Vorfrühlings zeigt zum Beispiel das Blühen von Schneeglöckchen an, der Hochsommer ist phänologisch dann, wenn die Johannisbeeren reif sind, der Frühherbst beginnt mit der Reife der Holunderbeeren und der Winter beginnt, wenn die Stiel-Eiche ihre Blätter verliert.
Schwedes: „Es zeichnet sich ab, dass phänologische Daten in Zukunft verstärkt für Trendanalysen zur Klimadiagnostik herangezogen werden, da sich die Eintrittsdaten vieler phänologischer Phasen sehr gut in Beziehung zu Temperatur-Trends setzen lassen“.
Hier sieht auch Landrat Schmidt neben dem Nutzen für die Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag der Arbeit von Hans-Norbert Schwedes für das Erkennen der Folgen des Klimawandels in unserer Region. „In Nordhessen läuft das Gemeinschaftsprojekt KLIMZUG der Universität Kassel mit den nordhessischen Gebietskörperschaften zu den Folgen des Klimawandels und dabei können phänologische Beobachtungen wie die von Herrn Schwedes sehr hilfreich sein“, betont Schmidt abschließend.
Hintergrund:
Das Wort Phänologie ist dem Griechischen entlehnt und bedeutet in wörtlicher Übersetzung Lehre von den Erscheinungen.
Um die bis zu 147 phänologischen Phasen an 45 Pflanzenarten vom Frühling bis in den Herbst zu beobachten und zu erfassen, ist ein hohes Maß an Disziplin erforderlich. Die während der Vegetationsperiode zwei- bis siebenmal wöchentlich bei jedem Wetter durchzuführenden Beobachtungsgänge erfordern einen erheblichen Zeitaufwand. Durchschnittlich legt ein Beobachter jährlich mindestens 400 Kilometer zurück.
Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn
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