Ottostadt Magdeburg.
Bereits zum zehnten Mal werden in Magdeburg Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus gesetzt. Verlegen wird sie der Arbeitskreis "Stolpersteine für Magdeburg" gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig am 21. und 22. Oktober. Erwartet werden hierzu auch Angehörige der Opfer sowie Spender dieser Erinnerungsmale. Gemeinsam mit interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburgern wollen sie der Opfer gedenken.
"Mit den neuen Stolpersteinen erinnern wir an das individuelle Schicksal von 33 jüdischen Magdeburgerinnen und Magdeburgern, die während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden", so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. "Wir gedenken damit ehemaliger Mitbürger und setzen ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen der Nazidiktatur in unserer Stadt."
Die Steine werden am Donnerstag ab 13.00 Uhr und am Freitag ab 9.00 Uhr in folgender Reihenfolge verlegt:
Am Donnerstag für die Familie Louis, Mathilde und Franz Dessauer (13.00 Uhr, Universitätscampus, Nähe Rektoratsgebäude), für Dr. Martin Cohn, seine Frau Gertrud und Sohn Max Rudolf (13.20 Uhr, Gareisstraße 3), für Lydia Hamlet (13.45 Uhr, Denhardtstraße 5), für das Ehepaar Dan und Chaja Schächter (14.15 Uhr, Neustädter Straße 11), für die Eheleute Marie und Moses Horowitz (14.40 Uhr, Peterstraße 22), für Siegmund Kastner und seine Frau Rosa (15.00 Uhr, Weitlingstraße / Ecke Peterstraße) und für das Ehepaar Kathriel und Anna Lindemann (15.20 Uhr, Margarethenstraße, Nähe Haus der Lehrer).
Am Freitag für die Familie Jakob, Adele, Dora, Marianne und Klara Kern (9.00 Uhr, Nähe Breiter Weg 27), für Familie Salomon, Ester, Senta und Margot Weissmann (9.30 Uhr, gegenüber Weitlingstrraße 11), für die Eheleute Benzion und Sara Juran und ihre Töchter Frieda und Rosa (10.00 Uhr, City-Carre vor der Deutschen Bank), für das Ehepaar Fritz und Alexandra Rogazinski (10.20 Uhr Bahnhofstraße /Ecke Am Alten Theater) und für das Ehepaar Leopold und Rosel Jucke und Sohn Harald (10.45 Uhr Liebigstraße 1).
Mit der Verlegung der neuen Stolpersteine steigt die Gesamtzahl der Erinnerungstafeln im Stadtgebiet auf 205. Verlegt werden alle Stolpersteine von dem Kölner Künstler Gunter Demnig. In die Messingoberfläche sind die Namen und biografischen Daten der Opfer, der Zeitpunkt ihrer Deportation und der Deportationsort eingraviert. Seit 1997 setzt der Bildhauer die zehn mal zehn Zentimeter großen Betonquader mit eingelassener Messingplatte in den Boden. Orte für diese besondere Form des Gedenkens sind meist die Fußwege vor den ehemaligen Wohnhäusern und Wirkungsstätten der Menschen.
Finanziert werden diese Zeichen der Erinnerung ausschließlich durch Spenden. "Die Bereitschaft, mit Spenden die Patenschaft für die Stolpersteine zu übernehmen, verdient Dank und Anerkennung. Je mehr Menschen dieses Projekt mit einer Spende unterstützen, umso mehr Steine können weiterhin verlegt werden", wirbt Dr. Lutz Trümper auch für die künftige Unterstützung in der Bürgerschaft.
Ein Stein kostet 95,- Euro. Hinzu kommen 25 Euro für die Pflege sowie für die Dokumentation in einem "Magdeburger Gedenkbuch", das möglichst viele Angaben über Leben und Schicksal der ermordeten Menschen aufnimmt. Das Buch wird zusammengetragen von Vereinen, Initiativen, Schulklassen und Einzelpersonen. Es widmet sich der Spurensuche nach dem Lebensweg der Ermordeten. Die einzelnen Gedenkblätter werden von dem Magdeburger Designer Ernst Fiedler gestaltet. Nach dem 22. Oktober werden auch die neuen Blätter im Gedenkbuch zu sehen sein. Aufbewahrt wird das Buch im Eike-von-Repgow-Saal des Alten Rathauses.
Spenden für die Verlegung weiterer Stolpersteine können auf das Konto 140 00 101 bei der Stadtsparkasse Magdeburg, BLZ: 81053272 überwiesen bzw. eingezahlt werden. Als Verwendungszweck muss dabei unbedingt die Ziffernfolge 0.54100.050014.3 angegeben werden.
Für Fragen und weitere Informationen zu den Stolpersteinen stehen die Mitarbeiter des Kulturbüros der Stadtverwaltung unter der Rufnummer
0391/ 5 40 21 34 zur Verfügung.
Unter http://www.magdeburg.de/media/custom/698_9280_1.PDF findet man einen regelmäßig aktualisierten Stadtplan mit den Verlegeorten der Stolpersteine.
Hintergrundinformationen
Der Magdeburger Stadtrat hat 2005 auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen beschlossen, sich der Möglichkeit des Erinnerns und Gedenkens durch so genannte Stolpersteine vor Hauseingängen und auf Gehwegen anzuschließen.
Eine Arbeitsgruppe, der neben der Stadtverwaltung und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auch die Vereine "Miteinander e.V." und "Förderverein Neue Synagoge Magdeburg e.V." sowie das Ökumenische Domgymnasium angehören, haben Informationen über die Personen zusammengetragen, denen die neuen Stolpersteine gewidmet sind.
Weitere Informationen über die Stolpersteine in der Landeshauptstadt Magdeburg sind im Internet unter http://www.magdeburg.de zu finden.