„Werkstoffinnovationen werden wesentlichen Einfluss
darauf nehmen, wie sich unser Lebensraum und unser
Alltag in den nächsten Jahren entwickeln. Das ist eine
Herausforderung, vor allem aber eine große Chance
gerade für Leverkusen“, erläutert Dr. Frank Obermaier,
Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Leverkusen
GmbH, am Rande der K 2010.
Die Hochschulstandorte, Forschungsinstitute, zahlreiche
international tätige Konzerne wie auch viele
mittelständische Unternehmen machen das Rheinland zu
einem Brennpunkt der Werkstoffinnovation. Dazu tragen
vor allem auch die im CHEMPARK mit seinen Standorten in
Leverkusen, Dormagen und Krefeld ansässigen
Unternehmen bei. „Diese Kompetenz für Werkstoffe weiter
auszubauen, Synergien zu erschließen und die Attraktivität
des Rheinlands als Industrie- und Forschungsstandort
weiter zu steigern, wird unsere Region nachhaltig stärken“,
zeigt sich Wolfgang Paczenski überzeugt. Er ist Sprecher
des im Sommer 2010 gegründeten Netzwerks Innovative
Werkstoffe (IW) mit Sitz in Leverkusen.
Während der K 2010 wirbt Paczenski auf dem
Gemeinschaftsstand der Cologne Bonn Business
Standortmarketing GmbH (Halle 7A, Stand 35D) dafür,
durch Vernetzung und Kooperation innovativen Ideen zum
Durchbruch zu verhelfen und sie rasch und effizient zu
marktfähigen Produkten zu entwickeln. „Wir wollen unseren
Netzwerkpartnern ein Forum für Dialog und Kooperation
bieten, das den Forschern und Entwicklern, Dienstleistern
und Produzenten von Rohstoffen, Halbzeugen und
Endprodukten gleichermaßen zum wirtschaftlichen Erfolg
verhilft“, erklärt Paczenski. Dabei sei es besonders wichtig,
Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom
Wert einer frühzeitigen und intensiven Zusammenarbeit zu
überzeugen, so Paczenski weiter.
Das Netzwerk Innovative Werkstoffe, das auf maßgebliche
Initiative der Wirtschaftsförderung Leverkusen und des
CHEMPARK entstand, kann sich schon heute auf namhafte
institutionelle Partner stützen, um seine Ziele zu realisieren.
Dazu gehören nicht nur die IHK-Initiative Rheinland und der
Landescluster NanoMikro+Werkstoffe, sondern auch viele
regionale Wirtschaftsförderungen, Verbände und Vereine.
Dass das Konzept des Netzwerks tragfähig und seine Ziele
realistisch sind, kann Paczenski durch Beispiele belegen, an
denen er im Rahmen einer Startup-Initiative mitgewirkt hat,
die gewissermaßen eine Vorstufe des heutigen Netzwerks
darstellte. Im Kreise dieser „Ideenwerkstadt W15“ im
CHEMPARK Leverkusen trafen sich im letzten Jahr zum
Beispiel Vertreter der Polymaterials AG und der
neugegründeten Firma Rough Coating Design (RCD) aus
Düsseldorf. Dabei ging es um die Produktion neuartiger
Vernetzer, die unter anderem in umweltfreundlichen
Pulverlacken eingesetzt werden, um die Härtungstemperatur
herabzusetzen (Niedertemperaturpulverlacke) bzw. um in
UV-basierten Pulverlacken einen „Matteffekt“ zu erzeugen.
Daraus entstand ein Projekt, um in Leverkusen aus dem
Laborprozess ein Verfahren für die industrielle Produktion zu
entwickeln. RCD will diese innovativen Lacksysteme schon
bald in technischem Maßstab produzieren.
Ein weiteres Projekt hat das Ziel, die Kompetenz zur
Rezepturentwicklung für neue Materialien mit der eines
Maschinenentwicklers, hier der ENTEX Rust & Mitschke
GmbH, zu kombinieren. „Diese Bündelung von
chemischem und verfahrenstechnischem Know-how
erschließt neue Wege, um Kundenanforderungen schnell
und optimal zu realisieren. So kann die Zeit bis zur
Markteinführung verkürzt werden“, sagt Dr. Jürgen Stebani,
CEO der Polymaterials AG. „Solche Kooperationen belegt
eindrucksvoll, was ein Netzwerk leisten kann. Gerade
Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Arbeitsgebieten
können sich wirkungsvoll ergänzen, sodass selbst
revolutionäre Ideen Wirklichkeit werden“, ergänzt er. Auch
Harald Rust, Geschäftsführer von ENTEX, ist von dem
Konzept überzeugt: „Unser Planetwalzenextruder wird oft
mit einer Doppelschnecke verglichen, aber er kann
wesentlich mehr. Mit der Polymaterials AG haben wir einen
Partner gefunden, der die chemische Expertise beisteuert,
um solche Extruder als ‚chemischen Reaktor’ einzusetzen.“
Erste Versuche sind sehr viel versprechend verlaufen.
Davon können sich die Messebesucher auf der K 2010 am
Stand von ENTEX (Halle 16, Stand A42) selbst
überzeugen. Schon für das nächste Jahr planen die
Unternehmen, in Leverkusen eine entsprechende
Produktionsstätte zu errichten. Damit wird auch für die
Polymaterials AG, einen Leverkusener CHEMPARKPartner,
eine neue Ära anbrechen. Neue, zukunftsträchtige
Arbeitsplätze werden entstehen, neue Betriebe und
Produkte werden dazu beitragen, Kompetenz und
Attraktivität der Region auf dem wichtigen Gebiet
innovativer Werkstoffe sichtbar zu steigern. „Ich bin
überzeugt, dass in den nächsten Jahren viele weitere
Beispiele folgen werden, die der Werkstoffregion Rheinland
Auftrieb geben werden. Dazu wird unser neues Netzwerk
beitragen“, sagt Wolfgang Paczenski.