Pressemitteilung vom15. November 2010
Für Engagement mit Landespreis ausgezeichnet: Sinning Holz- und Palettenbau in Baunatal
Integration Behinderter mit Herz und Verstand in die Tat umsetzen

Baunatal/Guntershausen.

Wenn Ralf Sinning und seine Schwester Vera Wollrath über ihre Auszeichnung mit dem Landespreis für beispielhafte Beschäftigung sprechen, wird schnell deutlich, dass in dem Baunataler Unternehmen für Holz- und Palettenbau noch Teamgeist herrscht. „Als wir von der Auszeichnung erfahren haben, haben wir das unseren Beschäftigten sofort mitgeteilt, denn letztlich ist es nicht unser Verdienst diesen Preis zu erhalten“, unterstreicht das Geschwisterpaar. Sicher: Die beiden waren es schließlich, die möglich gemacht haben, dass der geistig behinderte Michael Gipper und der schwerhörige Michael Schumacher angestellt wurden. „Aber die tägliche Zusammenarbeit, das alles klappt – das wiederum liegt in der Hand von allen“, so Wollrath.

Wer sie für den mit 3.000 Euro dotierten Preis für beispielhafte Beschäftigung und Integration behinderter Menschen vorgeschlagen hat, wissen Sinning und Wollrath nicht. „Aber wir wissen schon, was wir mit dem Preisgeld machen werden – neue Sozialräume schaffen“, sagt Juniorchef Sinning, der nun in der vierten Generation im Unternehmen tätig ist. Denn seit im Jahr 2003 das ehemalige Sägewerk durch ein Feuer zerstört wurde, musste viel umstrukturiert und auch umgebaut werden. „Da haben wir nur provisorisch Räume bezogen, das wird sich jetzt ändern.“ Das Feuer war es auch, das die bereits 1907 gegründete Zimmerei in ein Unternehmen zur industriellen Herstellung von Holverpackungen „verwandelte“. Spezialverpackungen für regionale Betriebe sind es heute, die 20 Mitarbeitern Beschäftigung bieten. „Dabei ist noch viel Handarbeit gefordert, es sind abwechslungsreiche Tätigkeiten. Hierin liegt sicher auch einer der Gründe für die gelungene Integration“, schildert Seniorchef Herbert Sinning seine Sicht. „Es sind keine monotonen, aber dennoch einfache und immer wiederkehrende Arbeiten, die zu erledigen sind“. Besonders bei der Entwicklung des geistig-behinderten Michael Gipper habe sich gezeigt, wie förderlich es für ihn sei, im „normalen“ Arbeitsleben zu stehen. „Er kam 2007 über die Baunataler Diakonie zu uns, hatte zuvor in den Werkstätten gearbeitet und wollte gerne etwas Neues ausprobieren“, erinnert sich Wollrath.

Seine Fortschritte seit dieser Zeit sind enorm. „Uns hatte man erzählt, dass er kaum lesen und schreiben könne – nun saß er in den Pausen bei uns und löste Kreuzworträtsel.“ Mittlerweile hat Gipper eine eigene Wohnung bezogen, plant ein Zusammenleben mit seiner Freundin und wirkt sehr ausgeglichen. „Wenn es mal Probleme gibt, merkt man das Michael sofort an“, sagt Sinning. Dann erscheine er schwermütig und bedrückt. „Meistens steht er dann schnell vor mir und sagt: Wir haben ein Problem – wir müssen eine E-Mail schreiben.“ Dann vermitteln die Geschwister beispielsweise zwischen Vormund und den jeweils zuständigen Behörden. „Wir sind für ihn da, bekommen eben auch mit, wenn ihm Kleidung fehlt, verschlissen ist oder dergleichen“.

Der gelernte Schreiner Michael Schumacher dagegen ist bereits seit 2003 bei den Sinnings. Schnell habe sich das Team daran gewöhnt, von Angesicht zu Angesicht mit ihm zu sprechen. Durch seine Höreinschränkung sei es für Schumacher wichtig, die Worte von den Lippen ablesen zu können. „Auch bei Kunden ist dies mittlerweile bekannt, so gibt es keine Probleme.“ Zwar sind sich Vera Wollrath und ihr Bruder einig, dass die finanziellen Fördermöglichkeiten für ein integrationsbereites Unternehmen einen erheblichen Verwaltungsaufwand mit sich bringen, aber es ist zu spüren, dass die Familie hinter der Entscheidung steht. „Manche Bewilligung war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben kompetente Ratgeber – und auch einfach irre viel Spaß“, meint Sinning mit einem Augenzwinkern. Denn eines gilt es zu bedenken: Aufgrund seiner Betriebsgröße besteht bei dem traditionsbewusstem Unternehmen keine Beschäftigungspflicht für Menschen mit Einschränkungen.

 

Hintergrund:

Das Hessische Sozialministerium hat am 12. November in Dillenburg drei Unternehmen für ihr vorbildliches Engagement bei der Beschäftigung und Integration schwerbehinderter Menschen ausgezeichnet. Der Landespreis wird zum fünften Mal vergeben und soll „im Bewusstsein der Unternehmerschaft in Hessen ein deutliches Signal dafür setzen, dass Menschen mit Handicaps ihre Leistungen und Fähigkeiten auch im ersten Arbeitsmarkt voll entfalten können“ (Zitat aus der Pressemitteilung des Hessischen Sozialministeriums vom 12. November 2010, www.hsm.hessen.de). Die Auswahl der Preisträger übernehmen Mitglieder des Beratenden Ausschusses beim Landeswohlfahrtsverband Hessen.

Zum Unternehmen: Die Firma Sinning Holzverpackungen und Paletten ist ein mittelständisches Unternehmen und seit über 25 Jahren im Bereich der Herstellung, Handel und Verkauf von Paletten und Holzverpackungen tätig. Standort ist in Guntershausen bei Kassel im nordhessischen Baunatal. Seit vier Generationen liefert Sinning Holz und Palettenbau Holzprodukte, Holzbauten und Holzverpackungen. Im Jahr 1907 von Hermann Sinning gegründet und von Herbert Sinning in dritter Generation geführt, beschäftigt das Unternehmen 20 Mitarbeiter. Zu den Kunden zählen Auftraggeber wie die Audi AG, Continental, Creform Technik GmbH, Hübner Gummi- und Kunststoff GmbH, SMA Technologie AG, THIMM Schertler Verpackungssysteme sowie die Volkswagen AG.

Auf den Fotos sieht man die Familie Sinning sowie die beiden behinderten Mitarbeiter.



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn



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Michael Schumacher und Ralf Sinning


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Michael Gipper


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von links nach rechts: Herbert Sinning, Vera Wollrath und Ralf Sinning


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