Ottostadt Magdeburg.
Am kommenden Sonntag jährt sich zum 66. Mal der Tag, an dem Magdeburg 1945 – wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges – in Schutt und Asche fiel. Der 16. Januar ist deshalb bis heute für die Magdeburgerinnen und Magdeburger ein Tag der Trauer und des Andenkens an die Opfer von Krieg und Gewalt. Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper ruft die Bürgerinnen und Bürger der Stadt auf, sich am kommenden Sonntag um 11.00 Uhr auf dem Westfriedhof dem Gedenken an die Zerstörung der Stadt anzuschließen.
„Alljährlich erinnern wir uns an den Gräbern der Männer, Frauen und Kinder auf dem Magdeburger Westfriedhof an die Zerstörung unserer Stadt und an das Leid, das den Überlebenden zugefügt wurde“, erklärt dazu Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper.
„Nie werden wir vergessen, was Krieg und Gewalt den Menschen zufügen können. Der 16. Januar ist uns deshalb auch in diesem Jahr Anlass, für ein Miteinander aller Menschen in Frieden und gegenseitiger Achtung zu werben. Im Gedenken an die Toten dürfen wir nicht vergessen, dass der Zweite Weltkrieg von deutschem Boden ausging. Der Krieg kam nach Deutschland zurück, Magdeburg teilt das Schicksal vieler Städte, die schwer zerstört wurden, in denen Tausende Menschen ihr Leben verloren.
Daran wollen wir uns gemeinsam bei der zentralen Gedenkfeier für die Opfer der Zerstörung unserer Stadt am 16. Januar 1945 erinnern. Ich lade alle Magdeburgerinnen und Magdeburger ein, mit ihrer Teilnahme an dieser Gedenkfeier am kommenden Sonntag um 11.00 Uhr auf dem Westfriedhof die Erinnerung an das unermessliche Leid und die schweren Verluste, die unsere Stadt vor 66 Jahren hinnehmen musste, wach zu halten.
Unser Erinnern soll zugleich getragen sein von dem Willen, die Erhaltung des Friedens überall auf der Welt zu unterstützen sowie Demokratie und Menschenrechte zu stärken, damit Hass und Gewalt keine Chance haben. Ich bitte Sie, dieses Anliegen zu unterstützen und Gesicht zu zeigen – mit Ihrer Teilnahme an der Gedenkveranstaltung auf dem Westfriedhof und mit Ihrem Besuch der „Meile der Demokratie“ am kommenden Samstag von 12.00 bis 18.00 Uhr auf dem Breiten Weg im Herzen unserer Stadt. Dort erwartet Sie ein buntes Programm mit Musik, Theater, Sport und Spiel für die ganze Familie sowie Diskussionen und Talks auf drei Bühnen und an zahlreichen Aktionsständen.“
Gedenkveranstaltung zum 65. Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs
16. Januar 2011, 11:00 Uhr, Gedenkstätte Westfriedhof
Ort: Gedenkstätte für die Opfer des Luftangriffes vom 16.Januar 1945 –
Westfriedhof
Treffpunkt: Kapelle
Uhrzeit: 11:00 Uhr
Ablauf:
11:00 Uhr gemeinsamer Gang aller Teilnehmer in Richtung Gedenkstätte für die Opfer des Luftangriffes vom 16. Januar 1945
Am Rondell am Kastanienweg vor den Soldatengräbern des 2. Weltkrieges
werden die Kränze aufgenommen.
Danach erfolgt der Schweigemarsch zur Gedenkstätte.
ca. 11:10 Uhr Ablegen der Kränze
Ansprache
Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper
Totengedenken
Landtagspräsident Dieter Steinecke MdL
Vorsitzender des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. Landesverband Sachsen Anhalt
Schweigeminute
Gebet
Pfarrer Sebastian Neuss
danach Bläserstück
gegen 11:45 Uhr Ende der Veranstaltung
Gedenkveranstaltungen am Abend
Am Abend des 16. Januar finden traditionell zahlreiche Veranstaltungen zum Gedenken an die Zerstörung Magdeburgs am Ende des Zweiten Weltkrieges statt.
Gedenkkonzert im Kloster Unser Lieben Frauen
Am Sonntag um 20.15 Uhr findet in der Konzerthalle „Georg Philipp Telemann“ das schon traditionelle Gedenkkonzert anlässlich der Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahre 1945 statt. Auch in diesem Jahr wird es wieder der Titularorganist des Klosters Unser Lieben Frauen Prof. Arvid Gast aus Lübeck gestalten.
Das Konzert mit Werken von Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, August Gottfried Ritter und Franz Liszt (Variationen über "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen") wird genau um 21.28 Uhr durch das einsetzende Läuten aller Magdeburger Glocken beendet und erinnert so an den fürchterlichen Bombenangriff vor nunmehr 66 Jahren.
Kartennachfragen für Reservierungen zur Abendkasse werden unter Tel. 0175-55 384 57 sowie unter www.gesellschaftshaus-magdeburg.de entgegen genommen.
Gedenkkonzert im Opernhaus
Im traditionellen Gedenkkonzert zum 16. Jan. erklingt auch in diesem Jahr unter dem Motto »Für eine friedliche Welt« Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9-d-Moll (mit dem Schlusschor nach Schillers »Ode an die Freude«).
Die Solisten des Abends sind Noa Danon (Sopran), Susanne Drexl (Alt), Ilja Werger (Tenor), Martin-Jan Nijhof (Bass). Es musizieren der Opernchor, die Magdeburger Singakademie, der Magdeburger Kantatenchor und die Magdeburgische Philharmonie unter der Leitung von Michael Lloyd. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr, ist aber bereits ausverkauft.
Forum Gestaltung, Brandenburger Straße
„Ein wahres Elend, der verdammte Krieg“
Gedenkkonzert anlässlich der Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar 1945.
Mit Warnfried Altmann, Hermann Naehring und originalen Filmdokumenten und dokumentarischen Texten
20.00 Uhr im Forum Gestaltung.
Emotionalität und Intensität beherrschen die Improvisationen von Warnfried Altmann und Hermann Naehring: Klangwelten schaffend aus Betroffenheit und Entsetzen, ohne letztlich den Optimismus zu verlieren, trotz historischer Erfahrungen und ganz gegenwärtiger Zumutungen.
„Magdeburg lebt!“ war das Motto der Wiederaufbau-Ausstellung 1947. Eine Hoffnung noch, die klingt den Zeitgenossen fast wie eine trotzige Behauptung nach solch großer Zerstörung, doch schnell ist sie zur Gewissheit geworden durch harte Aufbauarbeit der Menschen hier. Wilhelm Deffke übrigens, bis 1933 und noch einmal kurz nach 1945 Direktor der damaligen Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg, schuf das Plakat zur Ausstellung: einen Phönix, der aus der Asche aufsteigt. Kein schlechter Grund für ein Konzert an eben diesem Ort, dessen Innenhof nach dem Konzert zum stillen Gedenken einlädt – beim Hören der Magdeburger Kirchenglocken, die um 21.28 Uhr an den Beginn des Bombardements an jenem Wintertag des Jahres 45 erinnern.