Ottostadt Magdeburg.
Der 2. Oktober 1999 war für Magdeburg ein ganz besonderer Tag. Die Stadt bekam eines ihrer wichtigsten Wahrzeichen und damit ein Stück historisches Erbe zurück – die Johanniskirche. Möglich wurde dies auch durch das engagierte Wirken des Kuratoriums für den Wiederaufbau der Johanniskirche. Am Dienstag feierte das Kuratorium sein 20jähriges Bestehen.
Aus Anlass seines 20-jährigen Bestehens – die Gründung erfolgte bewusst am 16. Januar 1991, dem Tag der Zerstörung Magdeburgs - fand eine feierliche Zusammenkunft des Kuratoriums mit Ehrengästen in der Johanniskirche statt.
Der Vorsitzende des Kuratoriums, Dipl. Ing. Werner Kaleschky, begrüßte zu dieser Zusammenkunft besonders herzlich Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper, den Minister a.D. Dr. Horst Rehberger, die Vorsitzende des Stadtrates Beate Wübbenhorst, Alt-Oberbürgermeister und Ehrenbürger Dr. Willi Polte sowie den ersten Vorsitzenden, das Ehrenmitglied des Kuratoriums Dipl.Ing. Klaus Reipsch.
In seiner Rede würdigte Werner Kaleschky die Johanniskirche neben dem Dom als sehr bedeutendes Bauwerk von Magdeburg. Er stellte fest: „Wenn dieses Jubiläum heute eben in dieser Kirche stattfinden kann, um deren Wiederaufbau dieses Kuratorium gegründet wurde, dann ist dies eigentlich Ausdruck des umfassenden Erfolges der Arbeit dieses Gremiums“
In den weiteren Ausführungen ging Werner Kaleschky auf die geschichtliche Bedeutung der Johanniskirche ein und erläuterte besonders die Arbeitsweise und erreichten Ergebnisse des Kuratoriums in den einzelnen Realisierungsabschnitten und stellte weitere Ziele vor.
Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper würdigte das außerordentliche Engagement des Kuratoriums für den Wiederaufbau der Johanniskirche mit einer kurzen Dankesrede. „Die Johanniskirche war und ist ein Symbol des Durchhaltevermögens und der Schaffenskraft der Magdeburger Bürgerschaft. Dass sie wiederaufgebaut und um viele stadtgeschichtlich bedeutsame Details ergänzt werden konnte, ist ganz wesentlich dem Wirken des Kuratoriums zu danken, das seit seiner Gründung emsig und mit immer neuen Ideen Spendengelder für unsere Bürgerkirche sammelt.“
Magdeburgs Stadtoberhaupt erinnerte an den bitterkalten Januartag 2004, als tausende Magdeburger verfolgten, wie der Südturm seine Turmhaube zurückbekam. Und auch der Reformationstag 2008 wird vielen Bürgerinnen und Bürgern dauerhaft in Erinnerung bleiben: Nach mehr als 50 Jahren erklangen an diesem Tag zum ersten Mal wieder die Glocken der Johanniskirche. Im vergangenen Herbst wurden auf dem Südturm Panoramatafeln eingeweiht, die auf wichtige geografische Punkte und Sehenswürdigkeiten in Magdeburg und Umgebung hinweisen. Alle diese – und weitere Projekte – wären ohne den Elan und die Leidenschaft der Kuratoriumsmitglieder, die unermüdlich für ihre Vorhaben werben – nicht verwirklicht worden. „Daher möchte ich Ihnen allen schlicht von Herzen danken“, so OB Trümper in seiner Laudatio. „Danke für Ihren unermüdlichen Einsatz und Ihr unerschütterliches Vertrauen in die Umsetzung aller Pläne und Ideen, für Ihre Leidenschaft und Ihr Vorstellungsvermögen, für die Weitergabe Ihres wertvollen Fachwissens und den Elan, mit dem Sie die Magdeburgerinnen und Magdeburger immer wieder für Ihr Anliegen begeistern.“
„Der Wiederaufbau der Johanniskirche war in jeder Hinsicht ein großes Glück für unsere Stadt. Er half, die Wunden des Zweiten Weltkrieges zu heilen, und er stand für den Neubeginn und die Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger nach der friedlichen Revolution“, so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. „Mit ihm entstand ein neues Zentrum von Wissen, Kultur und Zeitgeist in der Landeshauptstadt, das Gäste aus aller Welt auf die große und wechselvolle Geschichte der Kirche und damit der Stadt Magdeburg aufmerksam macht.“
Chronik des Wiederaufbaus
Am 13. Dezember 1990
Die Beschlussfassung der Stadtverordnetenversammlung zum Wiederaufbau der Johanniskirche und zur Gründung eines Kuratoriums (mit ausdrücklicher Unterstützung des Oberbürgermeisters Dr. Willi Polte) erfolgt.
Am 16. Januar 1991
Das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche zu Magdeburg nimmt seine Arbeit auf. Als erster Vorsitzender wird Diplom- Ing. Klaus Reipsch gewählt.
1992 und 1993
Der Minister für Wirtschaft und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Horst Rehberger, übergibt Bescheide über Fördermittel in Höhe von 80% der Gesamtkosten des Wiederaufbaues an den Bauherren, die Landeshauptstadt Magdeburg. Der Wiederaufbau kostete 20,2 Mio. DM
9. Juni 1994
Die Stadtverordnetenversammlung bestätigt das erste Nutzungskonzept, das gemeinsam von Stadt und Kuratorium erarbeitet wurde.
1997
Die Stadt Magdeburg erarbeitet das grundlegende Nutzungskonzept unter Teilnahme des Kuratoriums.
1997
Spendenmittel ermöglichen die Planung der Wiedererrichtung des Südturmes und die Sanierung des Glockenstuhles sowie des Geläutes.
1999
Mit Spenden werden Sitzbänke im Außenbereich installiert und die Vorhallenfenster erneuert.
2. Oktober 1999
Festakt zur Einweihung der wieder aufgebauten Kirche. Sie wird als Veranstaltungszentrum an die Bürger der Stadt übergeben.
27. März 2002
Dipl.-Ing. Werner Kaleschky wird zum Vorsitzenden des Kuratoriums und Dipl.-Ing. Klaus Reipsch zum Ehrenmitglied gewählt.
Mai 2004:
Der eingeweihte Südturm der Johanniskirche vollendet den 1998 begonnenen
6-jährigen Wiederaufbau des Magdeburger Symbols.
September 2008:
Die Restaurierung der kleineren Glocke der Johanniskirche ist beendet. Am 2. September 2008 wird die Glocke mit einem Schwerlastkran in die Glockenstube gehoben.
31. Oktober 2008:
Inbetriebnahme des neuen Glockenstuhls und der sanierten Glocken der Johanniskirche
Oktober 2009:
Die größere der beiden Glocken – die Festtagsglocke – wird künftig als Tonsignal für einen Uhrschlag genutzt. Mit der dauerhaften Nutzung dieser Einrichtung ab dem Reformationstag 2009 wird das Glockengeläut der Johanniskirche wieder täglich in das Gedächtnis der Magdeburger zurückgebracht.
April 2010:
An eine kurze, aber wichtige Episode in der ereignisreichen Geschichte der Kirche St. Johannis erinnert nun eine Informationstafel am Anbau. Von 1832 bis 1850 befand sich am Ostende des Daches die Station 14 der Königlich-Preußischen Telegrafenlinie.
Oktober 2010:
Das Kuratorium hat auf der Aussichtsplattform Panoramatafeln installieren lassen, die in alle Himmelsrichtungen auf Sehenswürdigkeiten Magdeburgs und markante Punkte des Umlandes hinweisen. Finanziert wurden die Tafeln aus Spenden.
Nov. 2010:
Die von der Firma Schuster aus der Kirchenruine geborgenen Sand- und Kalksteinplatten kommen in die Kirche zurück
- Epitaph: Benedikt David Carpzow, Theologe aus Leipzig (1637 - 1682); Südwand
- Epitaph: Name unbekannt, um 1674; Westwand
- Epitaph: Gottlieb Leberecht Immermann, Königlicher Preußischer Kriegs- und Domainenrat (1794 - 1814); Westwand
- eine Kalksteinplatte mit Ritzzeichnung, die aus einem Pfeiler der Kirche stammt, stellt die gekrönte Maria dar;