Pressemitteilung vom17. März 2011
Gemeinsame Fachstelle Adoptionen und Pflegekinder von Stadt und Landkreis Kassel
Region Kassel.

„Mit der Einrichtung einer gemeinsamen Fachstelle Adoptionen und Pflegekinder von Stadt und Landkreis Kassel haben wir den richtigen Weg beschritten“, ziehen die Kasseler Stadträtin Anne Janz und Vizelandrätin Susanne Selbert eine Bilanz der seit zehn Jahren bestehenden Kooperation. Der Vorteil der gemeinsamen Fachstelle zeige sich besonders deutlich bei der Vermittlung von Pflegekindern. „Hier steht durch das größere Einzugsgebiet eine größere Auswahl zur Verfügung“, so Janz und Selbert weiter. Dadurch könne der Bedarf der zu vermittelnden Kinder besser abgedeckt werden.

In Stadt und Landkreis Kassel leben zurzeit über 300 Pflegekinder in rund 200 Pflegefamilien. „Geeignete Pflegefamilien werden durch ein bewährtes Vorbereitungsprogramm gewonnen und qualifiziert“, berichtet der Leiter der Fachstelle Thomas Strecker. Zu Beginn stehe ein Informationsabend, bei dem die Rahmenbedingungen für die Vermittlung eines Pflegekindes vorgestellt werden. Strecker: „Wir suchen immer wieder neue Pflegefamilien – der nächste Informationsabend findet am 24. März um 19.00 Uhr im Kreishaus in der Wilhelmshöher Allee 19-21 statt“.

Zur weiteren Vorbereitung der künftigen Pflegeeltern erfolgen dann Hausbesuche durch die Mitarbeiter der Fachstelle und weiterführende Gespräche.

Bedingung für die Aufnahme eines Pflegekindes ist die Teilnahme an einem zweitägigen Vorbereitungsseminar, bei dem die zukünftigen Pflegeeltern auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. „Dieser Vorlauf ist im Interesse der zu vermittelnden Kinder aber auch für die Pflegeeltern unbedingt notwendig“, betonen Janz und Selbert. Nach der Vermittlung werden die Pflegefamilien durch den Allgemeinen Sozialen Dienst des jeweils zuständigen Jugendamtes betreut.

In den letzten zehn Jahren wurden fast 300 Kinder in Stadt und Landkreis in geeignete Pflegefamilien vermittelt. „Bei den meisten Vermittlungen gelingt dabei die Gestaltung einer nachhaltigen und langfristigen Perspektive für das betroffene Kind – oft bis zur Volljährigkeit“, berichtet Fachstellenleiter Strecker. In den letzten Jahren habe der Anteil der zur Vermittlung anstehenden Kinder mit gravierenden Entwicklungsbeeinträchtigungen zugenommen. Dies zeige sich an der Zunahme der Betreuungen für Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf. Strecker: „Die Zahl dieser Betreuungsfälle ist mittlerweile auf über 70 angewachsen“.

Ein wichtiger Aufgabenbereich der Fachstelle sei die Fort- und Weiterbildung von Pflegeeltern. Bewährt haben sich hier der monatliche Erfahrungsaustausch und Angebote zur Gruppenberatung in rechtlichen und pädagogischen Themen aus dem Pflegefamilienalltag. Einmal jährlich findet ein Wochenendseminar für Pflegefamilien statt.

 

Im Bereich der Adoptionen sei die Zahl der Vermittlungen in den letzten Jahren stetig zurückgegangen, so Stadträtin Janz und Vizelandrätin Selbert: „2002 waren es noch bis zu 15 Adoptionen im Jahr – mittlerweile schwankt diese Zahl zwischen fünf und sieben pro Jahr“. Ein Schwerpunkt der Arbeit der Fachstelle im Bereich Adoption ist die Beratung der Eltern, die eine Freigabe ihres Kindes zur Adoption überlegen. „In manchen Fällen können wir hier andere Lösungen finden und Hilfen für die Eltern vermitteln“, informiert Strecker. Die Fachstelle habe sich auf die Bedarfssituation eingerichtet und ihren Pool von Paaren oder Familien, die Bewerbungs- und Qualifizierungsverfahren durchlaufen haben angepasst.

Strecker: „Es macht keinen Sinn, an einer Adoption Interessierte die Verfahren durchlaufen zu lassen, wenn klar ist, dass kein Kind zur Adoption zur Verfügung steht“.

Bei Auslandsadaptionen übernimmt die Fachstelle die Erstberatung. Danach erfolgt eine Weitervermittlung an die zuständigen zwischenstaatlichen Adoptionsvermittlungsstellen in Deutschland. Auch nach einer erfolgten Adoption werden die Beteiligten auf Wunsch beraten und unterstützt. „Dies gilt besonders bei der sogenannten Wurzelsuche und bei Informations- und Kontaktwünschen adoptierter Kinder, Geschwister und Herkunftseltern“, teilt Strecker mit. Gerade in diesem Bereich sei der Bedarf in den letzten Jahren gestiegen.

Auch auf der organisatorischen Ebene habe die gemeinsame Fachstelle positive Entwicklungen befördert. „Die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen in beiden Jugendämtern hat zu einer Angleichung von Verwaltungs- und Verfahrensabläufen wie zum Beispiel bei der Zahlung von Beihilfen geführt“, berichten Janz und Selbert. Schwierigkeiten bereiteten allerdings immer noch eine gesetzliche Regelung, die vorsieht, dass nach zwei Jahren ein Zuständigkeitswechsel zu dem Jugendamt erfolgen muss, in dessen Zuständigkeitsbereich die Pflegefamilie wohnt. Dies bringt trotz der gemeinsamen Fachstelle immer noch Betreuungswechsel für die betroffenen Kinder sowie die Herkunfts- und Pflegefamilie mit sich. „Das Ziel, möglichst hohe Kontinuität für alle Beteiligten zu schaffen, ist so nicht immer erreichbar“, kritisieren Jugenddezernentin und Vizelandrätin.

 

Hintergrund:

Die gemeinsame Fachstelle Adoptionen und Pflegekinder hat ihren Sitz im Kreishaus Kassel in der Wilhelmshöher Allee 19-21. Zwischen Stadt und Kreis wurde per Vereinbarung geregelt, wie die Dienst- und Fachaufsicht organisiert wird und wie die Personal- und Sachkosten aufgeteilt werden. Zurzeit arbeiten sechs Mitarbeiter in der gemeinsamen Fachstelle, vier davon im Bereich Pflegekinder und zwei im Bereich Adoptionen. Erreichbar ist die Fachstelle unter den Telefonnummern 0561/1003-1497 (Thomas Strecker), 0561/1003-1570 und – 1559 (Adoptionen) sowie 0561/1003-1571, - 1428 und –1443 (Pflegekinder).



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn

LANDKREIS KASSEL
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Harald Kühlborn
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