Kreis Kassel.
Ein umfangreiches Programm hat sich der Chef der Hessischen Denkmalpflege Landeskonservator Prof. Dr. Gerd Weiß bei seinem jüngsten Besuch im Landkreis Kassel vorgenommen. Start des Kreisbesuchs war das „Mönchshaus“ im Espenauer Ortsteil Mönchehof. „Das ist vorbildliches bürgerschaftliches Engagement, das der Förderverein hier leistet – die Sanierung des ältesten Gebäudes in Mönchehof wird sicherlich zur Identitätsstiftung im Ort beitragen“, betont Prof. Dr. Weiß, als ihm Vereinsvorsitzender Hans-Dieter Baller durch die Räume führt. Das Landesamt für Denkmalpflege unterstütze dieses Engagement mit 40.000 Euro, weitere 20.000 Euro steuert die Gemeinde Espenau hinzu. „Das ist für eine Gemeinde wie Espenau viel Geld, aber ich nach anfänglicher Skepsis stehen jetzt doch alle Parteien in der Gemeindevertretung hinter dem Projekt“, berichtet der Espenauer Bürgermeister Michael Wielert. Auch der Landkreis Kassel beteiligt sich an der Finanzierung der Sanierungsmaßnahme. „Aus unseren Denkmalschutzmitteln können wir 10.000 Euro zur Verfügung stellen, die allerdings erst nach der Haushaltsgenehmigung durch das Regierungspräsidium Kassel fließen können“, informiert Landrat Uwe Schmidt.
Vereinsvorsitzender Baller, der auch Mitglied des Denkmalbeirats des Landkreises Kassel ist, gab dem Gast aus Wiesbaden einen Überblick über die seit rund vier Wochen laufenden Arbeiten: „Im Vordergrund steht die Sicherung des Daches des aus dem 13. Jahrhundert stammenden Hauses – außerdem haben wir mit den Aufräumarbeiten in den Räumen begonnen“.
Die Vereinsmitglieder hätten bisher rund 100 Stunden ehrenamtlich im Haus gearbeitet. Bei den Sanierungsarbeiten wurde durch die beauftragte Dachdeckerfirma aus Grebenstein ein Feierabendziegel aus dem Jahr 1776 gefunden. So bezeichnete man die letzten Ziegel einer Tagesproduktion in den Zeiten, in denen Ziegel noch handgefertigt wurden. Auf der Rückseite wurden zum Beispiel Jahreszahlen oder Zeichen und Bilder eingeritzt.
Nach dem Termin in Espenau stand ein Besuch des Südportals des Eisenbahntunnels der ehemaligen Kurfürst-Wilhelm-Nordbahn bei Trendelburg-Deisel auf dem Programm von Prof. Dr. Weiß und Landrat Schmidt. Der 202 Meter lange leicht gekrümmte Tunnel wurde 1847 fertiggestellt und gehört damit zu den ältesten erhaltenen Eisenbahntunneln in Deutschland. Seitdem die Strecke 1966 stillgelegt wurde, hatten Wind und Wetter besonders an den beiden Tunnelportalen genagt. „Das Nordportal wird seit dem letzten Jahr saniert für 45.000 Euro saniert – die Kosten tragen sich das Landesamt für Denkmalpflege, der Landesbetrieb HESSEN-FORST, dem der Tunnel gehört und der Landkreis Kassel“, erläutert Peter Reuting aus Hofgeismar, der die Sanierungsarbeiten leitet. Der Landkreis Kassel unterstützt die Sanierungsarbeiten durch Mitarbeiter des Eigenbetriebs Jugend- und Freizeiteinrichtungen aus dem nahe gelegenen Wasserschloss Wülmersen. „Als nächstes wird jetzt das Südportal saniert“, kündigt Landeskonservator Prof. Dr. Weiß an. Damit die Arbeiten beginnen können, stellt die Landesdenkmalpflege 70.000 Euro zur Verfügung. „Das ist eine außergewöhnliche finanzielle Unterstützung für ein außergewöhnliches Denkmal der Industrie- und Mobilitätsgeschichte“, bedankt sich Landrat Schmidt. Mit den Mitteln soll nicht nur die neoromanische Fassade saniert werden. Schmidt: „Wir wollen auch, wie beim Nordportal, die Möglichkeit schaffen, rund 20 Meter in den Tunnel hineingehen zu können“. Einer weitergehenden touristischen Nutzung des Tunnels stehen Naturschutzbelange entgegen. „Direkt hinter dem Südportal beginnt ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet und im Tunnel selbst gibt es Brutstellen einer seltenen Fledermausart“, informiert Klemens Kahle vom zuständigen Forstamt Reinhardshagen.
Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn
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