Zierenberg/Region Kassel.
Die „Tonale 2011 – Klangkunst am Rande der keltischen Welt“ ist eröffnet: Landrat Uwe Schmidt als Vorsitzender des Zweckverbandes Naturpark Habichtswald gab an Christi Himmelfahrt vor den Toren des Naturparkzentrums am Hohen Dörnberg bei Zierenberg das Startsignal. Genauer gesagt gab der Wind am Dörnberg das entsprechende Signal, in dem er die Habichtswaldsaiten von Renate Hoffleit und Michael Bach Bachtischa zart aber doch vernehmlich zum Klingen brachte.
„Habichtswaldsaiten“ ist eines der fünf von einer Jury ausgewählten Kunstwerke, die am und um den Dörnberg bis 31. August 2011 dazu einladen, auf Klangreise zu gehen. Neben der filigranen Saiteninstallation bringt der am Dörnberg nicht selten stärker blasende Wind das „basaltron“ von Marcus Große und Christoph Bartsch an den Helfensteinen zum eher bassorientierten Tönen. Auch die „Fünf Säulen für den Dörnberg, fünf Töne für den Wind“ von Martin Ketelhut und Frederik Esser, die direkt auf dem Dörnberg installiert sind, arbeiten mit dem Wind. Hier haben die Besucher allerdings die Möglichkeit, selbst einzugreifen und das Kunstwerk interaktiv mit der Natur zu verändern. Livio Cecinis „Vertreiberklangkreis“ kommt ohne die Mithilfe des Windes aus: Das Werk des Schweizer Künstlers setzt darauf, dass in der Mitte eines aus Wühlmausvertreibern gestalteten Klangkreises die Erfahrung wie Natur und Kultur sich gegenseitig bedingen erhörbar wird.
Die Töne der Außenwelt außen vor lässt die „Audiosphaere“ von Mali Theresia Rupp.
In dem aus einem Bild von Hieronymus Bosch gefallen zu sein scheinenden roten Kugelform kann jeder Besucher die seine Klangerfindung mit hinein nehmen, in der Stille überprüfen und dann nach Verlassen der Kapsel erneut einem Praxistest unterziehen.
Der Ausstellungseröffnung war die gemeinsame Idee der Zentrale für aktive Kunst Kassel und ihrer Leiterin Heidi Rühlmann, des Zweckverbands Naturpark Habichtswald und des Landkreises Kassel vorausgegangen, den Hohen Dörnberg und das Dörnberg-Areal zum Klingen zu bringen. „Der Dörnberg ist allein schon durch seine exponierte Lage ein besonderer Ort, der sich aus unserer Sicht hervorragend für Kulturprojekte eignet“, erläutert Landrat Uwe Schmidt, Vorsitzender des Naturparks. Die Idee der Kasseler Künstlerin und Kulturvermittlerin Rühlmann das Dörnberggebiet als Standort für ein internationales Kunstprojekt auszuwählen, fand daher beim Naturpark „sofort offene Ohren“. Auch der Landkreis steht der kulturellen Initiative positiv gegenüber: „Der Dörnberg ist eines der Wahrzeichen des Landkreises, hat eine spannende und zum Teil immer noch nicht vollständig erforschte Geschichte und ist außerdem einer der touristischen Magneten – alles gute Voraussetzungen, um ein besonderes Kulturprojekt zu verwirklichen“, betont Kreispressesprecher Harald Kühlborn, der auch Kulturbeauftragter des Landkreises Kassel ist.
„Wir haben professionelle Künstlerinnen und Künstler mit einem internationalen Wettbewerb dazu aufgerufen, Entwürfe für Klangkunstobjekte einzureichen“, informiert Rühlmann. Da sich das Ausstellungsgebiet inmitten des Naturparks mit hochsensibler Ökostruktur befindet, wurden „natürlich nur Objekte aus umweltverträglichen Materialien berücksichtigt und die Standorte mit der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium und den sonstigen Nutzern des Dörnberggebietes abgestimmt“, so die künstlerische Leiterin der Tonale 2011 weiter. Ausschlaggebend für die Auswahl der Jury war, dass die realisierten Klangkunstobjekte mit den topografischen, geologischen, naturschutzrelevanten und historischen Besonderheiten der jeweiligen Standorte korrespondieren.
Begleitend zu den realisierten ersten Preisen des Wettbewerbs stellen zwei zweitplatzierte Künstler, Monika Golla aus Darmstadt sowie Kerstin Lebt aus Eckernförde, ihre Vorschläge im Naturparkzentrum Habichtswald vor.
Finanziert wird der Wettbewerb und die Realisierung der Kunstwerke durch die Unterstützung der Kasseler Sparkasse und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel. „Uns interessiert an der Idee, dass hier ein neuer Blick auf ein Kasseler Naherholungsgebiet geworfen wird, der sicher dazu dienen wird, Interesse für unsere Region zu wecken und so auch einen Impuls für den Tourismus setzen kann“, erläutert Ingo Buchholz, Vorstandsvorsitzender der Kasseler Sparkasse.
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Begleitprogramm umrahmt. Neben Führungen über den tonale-Ausstellungsparcours am 25. und 26. Juni, am 16./17. Juli und am 13./14. August, Beginn jeweils 14.00 Uhr am Naturparkzentrum Habichtswald, findet am 5. Juni ein „Klangvoller Nachmittag für Groß und Klein“ rund um das Naturparkzentrum statt. Am 9. Juni um 18.00 Uhr stellt Katharina von Kurzynski, bis vor kurzem noch Leiterin des Museums KeltenWelt am Glauberg, im Naturparkzentrum die KeltenWelt am Glauberg vor. Vom 2. Juli bis 4. September ist ein weiterer Zweitplatzierter des Wettbewerbs Werner Redeker mit interaktiver Klangkunst „Wohlklang-Missklang“ im Café im Bahnhof Fürstenwald zu Gast (Eröffnung am 2. Juli um 17.00 Uhr). Ebenfalls im Café im Bahnhof Fürstenwald treten am 9. Juli um 19.30 Uhr Ute Kreidler (Sopran), Veronica Kraneis (Konzerflöte) und Johannes Vogt (Theorbe) mit ihrem Programm „Dolce è il tormento“ (Süß ist die Qual) mit sommerlichen italienischen Liebesliedern quer durch die Jahrhunderte auf. „Leise und laute Töne“ lautet der Titel einer Lesung mit Heiko Schimmelpfennig und Marcus Angerbauer am 6. August um 19.30 Uhr im Café im Bahnhof Fürstenwald. Am 13. August beginnt um 10.00 Uhr ein Workshop „Die Welt ist Klang – Der Mensch ist Klang“ mit Andrea Müller-Lares, die in die Welt der Klangschalen einführt. Am Abend des 13. August spielen Martin Speicher (Klarinetten/Saxophone) und Georg Wolf (Kontrabass) ein Konzert mit dem Titel „Die Topographie des Klangs“ im Café im Bahnhof Fürstenwald (Beginn 20.00 Uhr). „Wenn Glocken (g)locken“ – der Handglockenchor Kassel der St. Michaelis Gemeinde spielt Werke für Handglocken in der Evangelischen Kirche in Zierenberg-Oberelsungen am 14. August um 18.00 Uhr. Den Abschluss des Begleitprogramms bilden die „Kuhgeschichten mit MUUhsik“ am 21. August um 15.00 Uhr im Naturparkzentrum Habichtswald: Andrea Appel liest und Annette Piontek und Heiner Wiedenfeld spielen Geschichten und Lieder rund um die Kuh, den Stier, das Kalb.
Aktuelle Informationen über die „tonale 2011“ und das Begleitprogramm gibt es auf der Internetseite des Naturparks Habichtswald www.naturpark-habichtswald.de.
Hintergrund:
Biografische Angaben zu den Künstler der „tonale 2011“
„Habichtswaldsaiten“ von Renate Hoffleit und Michael Bach Bachtischa.
Renate Hoffleit wurde 1950 in Stuttgart geboren und arbeitet dort als Bildhauerin und Künstlerin. Nach dem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart begann sie 1979 mit bildhauerischen Arbeiten mit Marmor und Licht. Seit 1987 realisiert Hoffleit Kunstwerke für den öffentlichen Raum. Zusammen mit Michael Bach Bachtischa arbeitet sie seit 1994 an Saiteninstallationen. Ihre Werke sind u.a. in der Württembergischen Staatsgalerie Stuttgart, in den Städtischen Kunsthallen von Mannheim, Heilbronn und Recklinghausen sowie in der Villa Massimo in Rom zu sehen. Ihre Arbeiten wurden u.a. mit Preisen und Stipendien der Djerassi Foundation (USA) und dem Utsukushi-ga-hara Museum Award (Japan) ausgezeichnet.
Michael Bach Bachtischa wurde 1958 in Worms geboren und arbeitet als Cellist, Komponist und bildender Künstler. Als Cellist trat er u.a. bei den Donaueschinger Musiktagen sowie in der Carnegie Hall in New York auf. Er entwickelte ab 1990 einen Rundbogen (BACH.Bogen) für Cello, Violine und Viola, der durch seine Wölbung das gleichzeitige Streichen mehrerer Saiten erlaubt. Der BACH.Bogen wurde 2001 in Paris von Mstislaw Rostropowitsch vorgestellt. U.a. John Cage und Hans Zehnder haben für den BACH.Bogen komponiert. Michael Bach’s Kompositionen werden auf internationalen Festivals für Neue Musik präsentiert.
„Basaltron“ von Marcus Große und Christoph Bartsch.
Marcus Große wurde 1977 in Dresden geboren und lebt heute in Potsdam, wo er Kommunikationsdesign an der FH Potsdam studiert. Bereits mit 16 Jahren realisierte Große erste künstlerische Arbeiten. Seit 2004 arbeitet er verstärkt an Installationen im öffentlichen Raum. So nahm er zwei mal mit Licht-Klang-Installationen an der „transNATURALE“ am Bärwalder See bei Weißwasser teil.
Christoph Bartsch wurde 1976 in Pirna geboren und studiert Medienkunst an der Hochschule für Graphik und Buchkunst Leipzig. Neben gemeinsamen Klanginstallationen mit Marcus Große nimmt er regelmäßig an Ausstellungen mit Fotokunst teil.
„Audiosphaere“ von Mali Theresa Ruppe.
Mali Theresia Ruppe wurde 1977 in Ebsdorfergrund geboren und lebt heute in Berchtesgaden. Nach dem Studium der Kunstwissenschaften an der Universität Kassel und einem Rechtswissenschaftsstudium in Göttingen, Wien und Salzburg arbeitet sie hauptsächlich im Bereich künstlerische Raumkonzepte.
„Fünf Säulen für den Dörnberg, fünf Töne für den Wind“ von Martin Ketelhut und Frederik Esser
Der 1985 geborene Martin Ketelhut ist als Pianist aktiv und absolviert seinen Masterstudiengang „Hörspiel und Regie“ am Lehrstuhl für Experimentelles Radio der Bauhaus-Universität Weimar. Seit 2005 realisiert er Klanginstallationen.
Der 1980 geborene Frederik Esser ist ebenfalls Musiker (klassische Geige, Schlagzeug und Perkussion sowie Flöte) und studiert Mediengestaltung mit dem Schwerpunkt Klangkunst und Performance an der Bauhaus-Universität Weimar. Seit 2004 realisiert Klanginstallationen und Performances, zuletzt „Leaving The Cage“ am Nationaltheater Weimar.
„Vertreiberklangkreis“ von Livio Cecini
Livio Cecini wurde 1976 in Winterthur (Schweiz) geboren und lebt heute in St. Gallen. Er absolvierte ein Schauspielstudium in Zürich und Köln und arbeitete u.a. am Schauspiel Köln, am Staatstheater Karlsruhe und am Stadttheater St. Gallen. Zuletzt war Cecini u.a. auch bei den Bad Hersfelder Festspielen zu Gast. Mit dem „Vertreiberklangkreis“ realisiert Cecini seine erste Klanginstallation.
Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn
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