Pressemitteilung vom07. November 2011
Schmidt: „Naturpark-Entscheidung des Landes falsch – Wünsche der Region werden nicht ernst genommen“
Kreis Kassel.

Die Äußerungen des Staatssekretärs im Hessischen Umweltministerium Mark Weinmeister zur Realisierung eines Naturparks Reinhardswald stoßen auf scharfe Kritik von Landrat Uwe Schmidt. „Einen Naturpark im Reinhardswald einfach abzulehnen ist falsch und zeigt erneut, dass die Landesregierung die Wünsche der Menschen in unserer Region nicht ernst nimmt“, zeigt sich Schmidt verärgert über die Haltung des Landes. Die Ablehnung „nach Gutsherrenart am Rande einer Staatsjagd“ zu verkünden, sei „mehr als schlechter Stil“, so der Landrat weiter.

Auf der Basis eines Kreistagsbeschlusses vom Juni 2011 hatte Schmidt im Juli mit Staatssekretär Weinmeister vereinbart, dass auf der Fachebene gemeinsam nach einer Lösung gesucht und in einem abschließenden gemeinsamen Gespräch vereinbart wird. Schmidt: „Die Fachgespräche sind erfolgt, auf ein Gesprächsangebot aus Wiesbaden warte ich trotz ständiger Erinnerung seit Mitte September – das ich jetzt aus der Zeitung erfahre, dass es mit mir Ende November ein Gespräch geben soll und die Entscheidung ansonsten gefallen ist, zeigt, wie die Landesregierung mit direkt gewählten Vertretern der Region umgeht“.

Die Haltung des Landes, dass für die Ausweisung des Reinhardswaldes als Naturpark Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete neu auszuweisen wären, überzeugt Schmidt nicht.

„Wenn man das ausgewiesene FFH-Gebiet Weserhänge mit 4364 Hektar Schutzgebiet mit dazu rechnet, erreichen wir einen Prozentanteil der Schutzgebiete im Reinhardswald von 51 Prozent – damit wäre die für die Ausweisung erforderliche 50-Prozent-Hürde von geschützten Flächen im Reinhardswald genommen, ohne dass damit Einschränkungen für Bürger und Nutzer wie den Landesbetrieb Hessen-Forst verbunden sind“, rechnet der Landrat vor. An anderer Stelle, wie bei der Durchfahrbarkeit des Tunnels Deisel für Radfahrer stelle ein FFH-Gebiet eine unüberwindbare Hürde dar, bei der Ausweisung eines Naturparks spielen FFH-Gebiete jedoch keine Rolle. Schmidt: „Diese verquere Logik des Umweltministeriums versteht kein Mensch“.

Die Argumentation, dass der Reinhardswald schutzwürdig, aber nicht schutzbedürftig ist, führe vollkommen in die Irre. „Wenn man dieses Kriterium anlegt, dann müsste man sämtliche Naturparke in Hessen wieder auflösen, da ja der Schutz durch Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete sowie FFH-Flächen gewährleistet ist“, erläutert Schmidt.

Dass das Umweltministerium keine weiteren Naturparke in Hessen wolle, hängt nicht mit Prozenten und Flächenzahlen zusammen, sondern „schlicht mit Finanzfragen“, vermutet der Landrat. Für einen Naturpark gibt es Fördermittel des Landes und diese müsste das Land zusätzlich für einen Naturpark Reinhardswald aufbringen. Schmidt: „Ich kann mich erinnern, dass das Land Hessen vor nicht allzu langer Zeit 30 Millionen Euro für das Gegenteil von nachhaltigem Tourismus im Reinhardswald zur Verfügung stellen wollte – jetzt scheut man 38.000 Euro für etwas, was die Region wirklich voran bringt“. Naturparke seien eine bundesweit eingeführte Marke, die sowohl für den Tourismus wie auch die Regionalentwicklung positive Effekte erzielen. „Diese Marke zu nutzen ist auf jeden Fall effizienter, als irgendetwas neu zu erfinden“, betont Landrat Schmidt. Von einer Inflation von Naturparken sei auf jeden Fall nichts spürbar. „Das Land Hessen wirbt mit den Märchen der Brüder Grimm und den Naturschönheiten im Land – ein Naturpark Reinhardswald kann diese Strategie nur unterstützen“, ist sich Schmidt sicher.

Landrat Schmidt ist auch weiterhin für Gespräche über die Regionalentwicklung in der Nordspitze des Landes offen.

„Wir sind allerdings keine Befehlsempfänger der Landesregierung und die Landesregierung muss schon deutlich machen, dass es auch wirklich diskutierenswerte Vorschläge gibt“, so Schmidt. Bisher habe das Land immer nur gesagt, was nicht geht. „Wenn Staatssekretär Weinmeister Lösungen für den Reinhardswald gefunden hat, dann sollten die endlich auf den Tisch“, fordert der Kasseler Landrat abschließend.



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn

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