Wolfhagen/Kreis Kassel.
Die Anrufe häufen sich jedes Jahr im Winter im Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Kassel in Wolfhagen. „Besonderes bei starkem Frost und Schnee sorgen sich viele Bürgerinnen und Bürger um Tiere, die im Freien gehalten werden“, berichtet Fachbereichsleiterin Dr. Sabine Kneißl. Dabei werden Missstände wie fehlende Unterstände oder unzureichende Futter- und Wasserversorgung angezeigt. Dr. Kneißl: „Viele Anrufe haben aber auch einfach nur Angst, dass es den Tieren draußen zu kalt sein könnte“.
Hier kann die Amtstierärztin beruhigen: „Unter strikter Einhaltung bestimmter Vorraussetzungen und Anforderungen ist die ganzjährige Freilandhaltung von Rindern, Schafen, Ziegen oder Pferden art- und tierschutzgerechter als die Stallhaltung“.
Insbesondere Pferde haben als ehemalige Steppentiere einen hohen Licht– und Frischluftbedarf. Sie bewegen sich unter natürlichen Bedingungen im Sozialverband bis zu 16 Stunden täglich. Dabei handelt es sich normalerweise um eine langsame Bewegung im Schritt verbunden mit Futteraufnahme. „In Ställen ist die Bewegung der Tiere stark eingeschränkt“, so Dr. Kneißl. Sie haben so wenig Möglichkeiten ihr Herdenverhalten auszuleben. Die Pferde sind außerdem Schadgasen, Staub- und Keimgehalt aus Futter und Einstreu viel stärker ausgesetzt.
Dr. Kneißl: „Auf einer Weide oder in einem gut durchdachten Offenstall mit Auslauf können die Tiere ihre Grundbedürfnisse nach Bewegung, Licht, Luft und Sozialkontakt besser befriedigen als im Stall und bleiben gesünder“.
Unabhängig von der Rasse verfügen Pferde über hervorragende Mechanismen, um sich der Umgebungstemperatur anzupassen. Die Wohlfühltemperatur des Pferdes liegt wesentlich niedriger als die des Menschen. Bei entsprechender Gewöhnung vertragen Pferde, ebenso wie Schafe und Rinder ohne Probleme Hitze und Kälte sowie große Temperaturschwankungen. Problematisch ist dagegen eine windige, nasskalte oder feuchtwarme Witterung, so die Amtstierärztin weiter.
Deshalb suchen Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen bei ungünstigen Wetterbedingungen wie zum Beispiel anhaltendem Niederschlag, niedrigen Temperaturen mit starkem Wind, intensiver Sonneneinstrahlung bei hohen Temperaturen oder hohem Aufkommen von Stechinsekten „arttypischerweise einen Witterungsschutz auf“, informiert Dr. Kneißl. Dieser muss so groß sein, dass dort alle Tiere, unabhängig von der Rangordnung gleichzeitig Schutz und ausreichend Platz zum Ruhen finden können. Der Boden des Witterungsschutzes muss trocken, sauber und zum Beispiel durch Einstreu verformbar sein. Dr. Kneißl: „Der Witterungsschutz muss so angelegt sein, dass von ihm aus die Umgebung gut überblickt werden kann, da Fluchttiere wie Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen ihn sonst nicht nutzen“.
Für eine tierschutzgerechte ganzjährige oder saisonale Freilandhaltung sind somit nach den Vorgaben des Veterinäramtes mindestens folgende Anforderungen einzuhalten:
- Witterungsschutz mit trockener und verformbarer Liegefläche in ausreichender Größe für jedes Tier
- Futter und Wasser in ausreichender Menge und hochwertiger Qualität (Frostsichere Tränken oder mehrmals täglich mit Frischwasser tränken)
- Morastbildung muss in Bereichen, in denen sich die Tiere häufig aufhalten (zum Beispiel Futter- und Wasserstellen) durch geeignete Maßnahmen verhindert werden
- Kranke Tiere gehören in den Stall
- Wenn Schafe im Winter trächtig sind, muss ein dreiseitig geschlossener, überdachter, sauberer, trockener und eingestreuter Unterstand für die Tiere zur Verfügung stehen.
- Die Tiere müssen mindestens einmal täglich durch Inaugenscheinnahme auf ihren Gesundheitszustand kontrolliert werden. Sind sie trächtig, dann auch mehrmals täglich.
Zusätzliche Informationen für Tierhalter stellt der Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Kassel gern unter der Info-Telefonnummer 05692 987-3306.
Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn
Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgendes Medium anbieten: