Pressemitteilung vom20. März 2012
Prävention bei Alkoholmissbrauch von Jugendlichen – Auftaktveranstaltung HaLT - Beratungsgespräche erster Ansatz
Kreis Kassel.

Seit dem Frühsommer 2011 beteiligt sich der Landkreis Kassel an der Kampagne „HaLt – Hart am Limit“, die sich mit zwei, einander bedingenden und ergänzenden Bausteinen gegen verantwortungslosen und selbstgefährdenden Alkoholkonsum durch Kinder und Jugendliche richtet.

„Im reaktiven Baustein von HaLT arbeiten wir mit der Drogenhilfe Nordhessen e.V. und dem Klinikum Kassel zusammen“, berichtet Vizelandrätin Susanne Selbert. Seit dieser Zeit werden alkoholvergiftete junge Menschen im Krankenhaus von Sozialpädagogen der Drogenhilfe Nordhessen beraten. Diese Beratungen sollen verhindern, dass sich eine Einlieferung mit Alkoholvergiftung wiederholt.

Selbert: „In 2011 wurden 38 Kinder und Jugendliche von 13 bis 17 Jahren aus dem Landkreis mit Alkoholvergiftung im Klinikum Kassel behandelt – alle wurden intensiv beraten“. In 29 Fällen wurden neben den Gesprächen mit den Jugendlichen auch deren Eltern beraten.

Durch die Kontakte liegen jetzt belastbare Daten über den Umgang von Jugendlichen aus dem Landkreis Kassel mit Alkohol vor. „Natürlich bildet die Zahl von 38 Fällen noch keine Basis für umfassende Erklärungsmuster“, gibt die Vizelandrätin zu Bedenken. Allerdings seien einige Zahlen doch sehr aufschlussreich. Die größte Altersgruppe mit akuter Intoxikation sei die der 16jährigen, wobei Alkoholvergiftungen ungefähr gleich häufig bei Jungen und Mädchen vorkommen. 20 der 38 Jugendlichen wiesen Werte von 1,1 bis 2,0 Promille Alkohol im Blut auf, bei 15 lag der Wert zwischen 2,1 und 3,0 Promille.

Bei den konsumierten Getränken liegen Spirituosen mit 15 Nennungen und Mixgetränke mit 12 an der Spitze – Alkopops spielen augenscheinlich keine Rolle mehr. „Feststellbar ist auch, dass Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen ein Gruppenphänomen ist“, so Selbert weiter. Fast alle Betroffenen konsumierten Alkohol zusammen mit Freunden – entweder in der Wohnung der Freunde oder unterwegs. Auch bei den Gründen für den Alkoholkonsum ist das Agieren in der Gruppe relevant. Hier wurden am häufigsten „Rauscherwartung“ und „Gruppendynamik“ genannt. Selbert: „Bemerkenswert ist auch, dass Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen im Landkreis ein Thema für Deutsche ist – Migrationshintergründe sind hier zu vernachlässigen“.

Neben der beschriebenen Frühintervention als reaktivem Baustein stellt der Landkreis Kassel im proaktiven Baustein des Projektes „HaLT die „klassische Prävention“ in den Mittelpunkt, so Selbert weiter. Der Landkreis wird zusammen mit den kreisangehörigen Kommunen, den Krankenhäusern, den medizinischen Hilfsdiensten und der Feuerwehr sowie der Polizei und den Schulen „den Schulterschluss realisieren, um so aktiv Haltung gegen selbstschädigendes Trinkverhalten zu zeigen“, umschreibt die Vizelandrätin die neue Aufgabenstellung.

Selbert: „Wir wollen erreichen, dass man pragmatisch an das Problem übermäßigen Alkoholkonsums herangeht“. Ziel müsse es sein, den selbstverantwortlichen Umgang mit Alkohol zu vermitteln und nicht mit erhobenem Zeigefinger zu arbeiten. „Lieber mit Spaß bremsen, als Spaßbremse zu spielen“, verweist Selbert auf das Motto der „HaLt-Auftaktveranstaltung“.

Die Implementierung des proaktiven Bausteins von „HaLt“ wird im Landkreis Kassel in ausgewählten „Leuchtturmkommunen“ durchgeführt. Selbert: „Wir haben uns dafür entschieden in den Städten Hofgeismar und Wolfhagen, in Lohfelden und Kaufungen sowie im Ordnungsbehördenbezirk Habichtswald mit Zierenberg, Naumburg, Breuna und Bad Emstal zu beginnen“. Diese Auswahl resultiert aus den örtlich zur Verfügung stehenden Ressourcen. „In diesen Gemeinden sind hier bereits lokale Präventionsinitiativen vorhanden, die mit hervorragenden Präventionsprojekten bereits über Erfahrung und Ressourcen verfügen, auf die auch für das Projekt HaLT zurückgegriffen werden kann“, stellt die Vizelandrätin abschließend klar.

Bedeutsam ist dabei, dass sich mit Hilfe von gesellschaftlich relevanten Akteuren vor Ort in der Vielfalt von Aktionen und Maßnahmen die Haltung zum Umgang mit Alkohol in Richtung eines selbst bestimmten, verantwortungsbewussten limitierenden Umgangs entwickeln möge.

 

Hintergrund:

Der aktuelle Bericht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zur Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011 vom Februar 2012 hat ergeben, dass 42 Prozent aller 12- bis 17jährigen, die Alkohol trinken, 14,2 Prozent davon mindestens einmal in der Woche. 15,2 Prozent der 12- bis 17jährigen haben bereits einmal mehr als fünf Gläser Alkohol hintereinander getrunken und 3,7 Prozent tun dies viermal oder öfter. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass die Zahl der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren mit regelmäßigem Alkoholkonsum vom Höchstwert aus dem Jahr 1986 mit 28,5 Prozent auf 14,2 Prozent im Jahr 2011 zurückgegangen ist. 2010 lag der Wert mit 12,9 Prozent am geringsten seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1979.

Die Zahl der häufigen Rauschtrinker in dieser Altersgruppe war 2011 mit 3,7 Prozent geringer als 2004, als diese Zahl erstmals erhoben wurde. Allerdings trinkt aktuell jeder fünfundzwanzigste Jugendliche an mindestens vier Tagen im Monat bei einer Gelegenheit fünf alkoholische Getränke und mehr.



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn



Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgendes Medium anbieten:


HaLT Logo



LANDKREIS KASSEL
Pressesprecher
Harald Kühlborn
Wilhelmshöher Allee 19 - 21
34117 Kassel
Tel.: 0561/1003-1506
Fax: 0561/1003-1530
Handy: 0173/4663794
E-Mail: pressestelle@landkreiskassel.de
http://www.landkreiskassel.de

presse-service.de Die Pressestelle Pressestelle LANDKREIS KASSEL ist Mitglied bei www.presse-service.de. Dort können Sie Mitteilungen weiterer Pressestellen recherchieren und per E-Mail abonnieren.