Lohfelden.
„Wir holen heute etwas nach, was wir ursprünglich bereits im Sommer des letzten Jahres machen wollten“, geht Landrat Uwe Schmidt bei der offiziellen Einweihung des neuen Klassenhauses der Grundschule in Lohfelden-Vollmarshausen auf die wechselhafte Baugeschichte des Gebäudes ein. Bei öffentlichen Bauvorhaben sei es üblich, dass bis zur Vollendung „viel Wasser die Fulda oder hier in Vollmarshausen den Fahrenbach hinunterfließt“, so Schmidt weiter. Beim neuen Klassenhaus sei dies leider „sehr wörtlich“ genommen worden: „Wir hatten alles fertig und auch die Einladungen für das Einweihungsfest waren bereits verschickt, da kam es zu einem Wasserschaden, der alle Planungen hinweggeschwemmt hat“, erinnert der Landrat an den 30. August 2011. In der Nacht waren an diesem Tag rund 20.000 Liter Wasser aus einer geborstenen Zuleitung in den Neubau gelaufen.
Schmidt: „Das war eine böse Überraschung – aber Schüler und Lehrer haben die Übergangszeit im Altbau geduldig und mit Fassung ertragen“. Die Gesamtkosten für die Beseitigung der Wasserschäden beliefen sich auf etwas mehr als 56.000 Euro. „Das ist dann zu den rund zwei Millionen Euro aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm des Bundes für das neue Klassenhaus noch hinzugekommen“, berichtet Schmidt.
Begonnen hatten die Baumaßnahmen für den Neubau, in dem drei 80 bis 85 Quadratmeter großen Klassenräume und zwei Fachräume untergebracht sind, im Februar 2010.
Bereits 2007 allerdings war eine Machbarkeitsstudie erstellt worden, um die Gesamtentwicklung der Vollmarshäuser Grundschule zu einer Ganztagsschule mit Modellcharakter zu ermöglichen. Nach der Zusage der Landesregierung, die erforderlichen zusätzlichen Lehrerstellen für die Umwandlung in eine Ganztagsschule bereitzustellen, stellte der Kreis als Schulträger die baulichen Weichen für die Zukunft der Grundschule.
Der Altbau der Grundschule Vollmarshausen stammt aus dem Jahr 1893 und wurde 1936 in seine jetzigen Form umgebaut. Der Verbindungsbau und die beiden weiteren Schulgebäude stammen aus den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die neuen pädagogischen Anforderungen im Zusammenhang mit dem von der Schule verfolgtem Konzept einer gebundenen Ganztagsschule ließen sich mit dem Raumzuschnitt des Altbaus nicht in Einklang bringen. Außerdem hatte es in den Kellerräumen in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit Schimmelbefall gegeben.
Durch den vom Kasseler Architekturbüro Schultze und Schulze entworfenen Neubau ist dieser Zustand beendet. Die „neue Schule“ wurde nach dem Vorbild des Herforder Modells gebaut. „Das bedeutet, dass es größere Lernräume gibt, die so ergänzende Funktionen wie gemeinsames Mittagessen und Kleingruppenarbeit ermöglichen“, informiert Landrat Schmidt. Baulich habe der Landkreis darauf geachtet, dass sich der Neubau durch besondere energetische Fähigkeiten auszeichnet. Nach der geltenden Energieeinsparverordnung darf ein Schulbau einen Primärenergiebedarf von 342,1 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr haben – der Kreis geht davon aus, dass der Neubau nur einen Primärenergiebedarf von 75,9 Kilowattstunden pro Quadratmeter aufweisen wird. Möglich werde dieser Wert durch eine intelligente Verbindung von Dämmmaßnahmen, flexiblen Lüftungsanlagen und Wärmerückgewinnung direkt in den Klassenräumen.
Die Grundschule Vollmarshausen ist mit aktuell 227 Schülern und 10 Klassen die zweitgrößte Grundschule in Lohfelden. Seit dem Schuljahr 2000/01 ist an der Schule ein Betreuungsangebot eingerichtet. Zukünftig soll die Schule als gebundene Ganztagsschule konzipiert werden. Dies bedeutet, dass alle Kinder zwischen 8.30 Uhr und 14.30 Uhr in drei Zeitblöcken unterrichtet werden. Die Schule wird dann ab 7.30 Uhr geöffnet sein und bis 16.30 Uhr eine qualifizierte Betreuung anbieten.
Der Einzugsbereich der Grundschule umfasst den Lohfeldener Ortsteil Vollmarshausen. In den nächsten sechs Jahren wird die Schülerzahl der Schule schrittweise auf rund 120 Schüler sinken. Schulleiterin ist Brigitte Bergmann.
Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn
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