Pressemitteilung vom29. Mai 2012
Situation an den „Neuen Vollmarshäuser Teichen“ vollkommen in Ordnung – Kreis und Gemeinde weisen Kritik des NABU Kaufungen/Lohfelden zurück

Lohfelden. Aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Kassel erfolgt die Naturschutzentwicklung der sogenannten „Neuen Vollmarshäuser Teiche“ in Lohfelden „nach den von uns gemachten Vorgaben und im Interesse einer nachhaltigen Ansiedlung einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt“, betont Kreispressesprecher Harald Kühlborn. Landkreis und Gemeinde weisen damit die Kritik des NABU Kaufungen/Lohfelden zurück.

„Die von der NABU-Ortsgruppe geäußerte Kritik, die Verwaltung würde die Entwicklung der Vollmarshäuser Teiche verschleppen, geht völlig an der Realität vorbei“, ergänzt der Lohfeldener Bürgermeister Michael Reuter. Reuter erinnert an die Entstehung der „Neuen Vollmarshäuser Teiche“. Die Teiche wurden 2003 im Zuge von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für das Güterverkehrszentrum Fuldabrück/Lohfelden, kurz GVZ, angelegt. Das Gebiet liegt innerhalb des Bebauungsplanes „Wahlebachaue“. „Laut Bebauungsplan soll das Gebiet durch geeignete Maßnahmen, wie das Schließen von Dränagen oder die Umleitung von wasserführenden Gräben in die Fläche wiedervernässt werden“, erläutert der Lohfeldener Bürgermeister. Die Flächen sollten anschließend sich selbst überlassen werden mit dem Ziel, dass sich in den vernässten Bereichen Auwald, ein spezieller Typ Wald, der sich auf periodisch überschwemmte Standorte einstellt, entwickelt und dauerhaft erhalten wird.

 

Aufgrund dieser Vorgeschichte zeichneten sich die „Neuen Vollmarshäuser Teiche“ durch stark schwankende Wasserstände aus. In den Herbst- und Wintermonaten staute sich Wasser an, das im Laufe der Frühlings- und Sommermonate immer mehr zurückging. In sehr niederschlagsarmen Perioden fielen die Flächen auch vollständig trocken. Das Gebiet entwickelte sich rasant zu einer bedeutsamen Fläche für viele Tier- und Pflanzenarten. Da sich auch seltene Wasservogelarten ansiedelten, regten der Arbeitskreis Umwelt- und Naturschutz und der NABU Kaufungen/Lohfelden an, die regelmäßig trocken fallenden Teiche vertiefen zu lassen, um eine dauerhafte Wasserfläche zu erhalten. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass innerhalb der Brutzeiten der Wasservögel ein ausreichend hoher Wasserstand gewährleistet wird.

 

Reuter: „Wir haben einer Vertiefung in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis zugestimmt“. Das Gebiet ist den Vorgaben des Bebauungsplanes gemäß hergerichtet worden, die gesetzlichen Forderungen nach dem Ausgleich von Eingriffen in den Naturhaushalt durch das Güterverkehrszentrum wurden erfüllt. Um eine größtmögliche Transparenz zu gewährleisten, fanden in der Folge mehrere Termine mit den zu beteiligenden Behörden (Untere Naturschutzbehörde und Untere Wasserbehörde beim Landkreis) statt, die von der Gemeinde Lohfelden organisiert und betreut wurden. „Bei diesen Terminen wurde das weitere Vorgehen und die Art und Weise der Umsetzung der Gewässervertiefung ausführlich diskutiert und einvernehmlich abgestimmt“, so Reuter weiter. Die Ergebnisse der Termine wurden in Protokollen festgehalten und allen Beteiligten zur Verfügung gestellt. Es wurde vereinbart, dass eine Fläche von maximal 200 Quadratmetern in einer flachen Mulde ausgehoben wird; die tiefste Stelle liegt höchsten 1,5 Meter unter dem ursprünglichen Niveau. Es wurde außerdem abgestimmt, dass der anfallende Bodenaushub abzufahren ist, da bei einer Lagerung am Rand der Fläche die Gefahr des Eintrags von nährstoffreichem Teichbodenmaterial in das Gewässersystem besteht.

 

Die Untere Naturschutzbehörde, die Untere Wasserbehörde und die Gemeinde sollten rechtzeitig über den Beginn der Arbeiten informiert werden. Angaben über die zu erwartenden Bodenmassen und die Flächen, auf denen der Bodenaushub abgelagert werden soll, sind ebenfalls mitzuteilen.

Zur Durchführung der Arbeiten wurde ein Bauunternehmen von den ehrenamtlichen Naturschützern gefunden, das die Arbeiten zur Vertiefung kostenneutral als Spende durchführen wollte. Die Arbeiten wurden am 2. September 2011 begonnen – allerdings ohne die vorherige Information der Behörden. „Unsere Untere Naturschutzbehörde wurde lediglich telefonisch über den bereits erfolgten Arbeitsbeginn informiert und wir haben sofort darauf hingewiesen, dass mit dem Baubeginn die Schon- und Setzzeiten für Vögel nach Bundesnaturschutzgesetz verletzt werden“, informiert Kreispressesprecher Kühlborn. Die telefonische Information ersetzte auf keinen Fall die notwendige Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde.

 

Der Teichaushub wurde am 3. September 2011 fertig gestellt. Kühlborn: „Die Art und Weise der Ausführung widersprach deutlich den gemeinsam getroffenen Vereinbarungen: Die Vertiefung umfasste eine Fläche von mehr als 600 Quadratmetern“. Statt einer flachen Mulde wurde eine rechteckige Fläche mit steilen Böschungen hergestellt. Der Bodenaushub wurde nicht abgefahren, sondern seitlich des ursprünglichen Gewässers teilweise in der empfindlichen Uferzone abgelagert.

 

Dieter Werner, der Sprecher des Agenda-Arbeitskreises Umwelt  und Naturschutz, wies damals darauf hin, dass eine andere Bauausführung nicht möglich sei, da der Bauunternehmer die Ausführung der Arbeiten sehr kurzfristig angekündigt habe. Die Vertiefungsfläche wurde vergrößert, da eine kleine Fläche schnell verlande.

 

„Wir haben die Absprachen mit dem Ziel vereinbart, einen möglichst geringen Eingriff in das bestehende Ökosystem zuzulassen“, informiert Bürgermeister Reuter. Außerdem sollten nicht nur einseitig für die Wasservögel geeignete Flächen geschaffen werden.

 

Um zukünftig ein koordiniertes Pflegen und Gestalten der Flächen unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten zu gewährleisten, hatten sich alle Beteiligten (Kreis, Vertreter des ehrenamtlichen Naturschutzes, Bauamt der Gemeinde Lohfelden und Bürgermeister Reuter) anlässlich eines Ortstermins am 14. November 2011 darauf geeinigt, dass vorerst keine weiteren Erdbauarbeiten stattfinden.

 

Die abgelagerten Erdmassen und die Vertiefung verbleiben in ihrem jetzigen Zustand. Vereinbart wurde außerdem, dass die Gemeinde Lohfelden einen Pflege- und Entwicklungsplan für das Gebiet durch ein Fachbüro aufstellen lässt. Grundlage des Gutachtens sind neben vegetationskundlichen Untersuchungen auch faunistische Bestandsaufnahmen zu verschiedenen Artengruppen (z. B. Vögel, Libellen, Amphibien). Es werden vorerst keine weiteren Maßnahmen (wie Mahd oder Gehölzschnitt) im Gebiet umgesetzt. Ausgenommen davon waren nur die bereits abgestimmtem Maßnahmen wie die Errichtung eines Beobachtungsstandes und einer Nisthilfe für den Storch. Alle Beteiligten waren sich einig, dass zukünftige Maßnahmen nurwerde auf der Grundlage eines abgestimmten Pflege- und Entwicklungsplans durchgeführt werden.

 

„Meine Mitarbeiter und ich schätzen die ehrenamtlichen Naturschutzeinsätze sehr, da sie uns in unserer Arbeit unterstützen“, betont Bürgermeister Reuter. Es erstaune allerdings schon, dass der NABU Kaufungen/Lohfelden jetzt den Weg über die Medien wähle, obwohl bisher Einvernehmen zwischen allen Beteiligten bestand. Reuter: „Das wir uns an getroffene Absprachen halten ist für uns Normalität und bedeutet keinesfalls Gängelung oder Verhinderung“.

 

Es müsse auch den NABU-Vertretern klar sein, dass die für den Pflege- und Entwicklungsplan notwendigen Untersuchungen mindestens ein Jahr, da die Tier- und Pflanzenarten über eine ganze Vegetationsperiode hinweg erfasst und im Herbst und Winter unter anderem die Zug- und Rastvögel kartiert werden müssen, ergänzt Kreispressesprecher Kühlborn.

 

Zwischenzeitlich hatte der Arbeitskreis gegenüber der Gemeinde Lohfelden den Wunsch geäußert, kurzfristig eine Hecke zwischen Schillerstraße und der Neuen Vollmarshäuser Teiche zu errichten, da Spaziergänger und insbesondere Hunde seit der Ablagerung von Bodenaushub im ehemaligen Röhrichtbereich ungehinderten Zugang zur Teichfläche haben. Das beauftragte Fachbüro lehnte dies mit dem Hinweis auf den noch ausstehenden Pflege- und Entwicklungsplan ab.

 

 

“Mit der Errichtung einer Hecke würde man sich zukünftige Optionen, wie beispielsweise den Rückbau der Ablagerungen im Röhrichtbereich oder die Schaffung eines Walls parallel zur Schillerstraße, um die Teiche als Regenrückhaltebecken zu nutzen, verbauen“, erläutert Kühlborn. Das Fachbüro empfehle daher in Abstimmung mit dem Landkreis, die Ergebnisse der Untersuchungen abzuwarten, bevor man in dieser Richtung tätig wird. „Wir haben uns dieser Empfehlung angeschlossen und die Anlage einer Hecke vorläufig - auch in Übereinstimmung mit den getroffenen Absprachen – zurückgestellt“, bestätigt Bürgermeister Reuter.

 

Die Entwicklung der „Neuen Vollmarshäuser Teiche" kann nicht nur den einseitigen Interessen Weniger, nach dem Schutz bestimmter Vogelarten, unterworfen werden. Mit dem Pflege- und Entwicklungsplan soll gewährleistet werden, dass in dem Gebiet der „Neuen Vollmarshäuser Teiche“ sich langfristig, eine die Besonderheiten des Gebiets berücksichtigende, artenreiche Pflanzen- und Tierwelt entwickeln und dauerhaft bestehen kann.



Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn



Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien anbieten:


Vollmarshäuser Teiche 1
Auf den Fotos sieht man die Vollmarshäuser Teiche.


Vollmarshäuser Teiche 2



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