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Hanau, 06. September 2012
Jury entscheidet sich einstimmig für Hans Traxler
Stadt Hanau verleiht in 2012 erstmals Ludwig-Emil-Grimm-Preis

Hans Traxler wird der erste Preisträger des Ludwig-Emil-Grimm Preises sein. Die Jury, der neben dem Leiter des Caricatura Museums Frankfurt, Achim Frenz, dem ehemaligen Präsident der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, Frank Mußmann auch der letzte Preisträger des Claere Roeder Münch Preises, Martin Konietschke sowie für die Brüder Grimm Stadt Hanau die Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck, der Kulturbeauftragte Klaus Remer und der Kulturmanager Klaus-Dieter Stork angehören, hat einstimmig entschieden, den bekannten Frankfurter Graphiker, Journalisten und Schriftsteller mit dem neugeschaffenen und 2012 erstmals verliehenen Preis auszuzeichnen.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky freut sich über die Entscheidung der Experten. „Wer würde sich besser eigenen, die Reihe der Ludwig-Emil-Grimm-Preisträger zu eröffnen als einer, der mit seiner „Wahrheit über Hänsel und Gretel“ für Furore gesorgt hat.“ Die überaus gekonnte Parodie auf das berühmte Grimmsche Märchen hatte in den 60er Jahren für große Aufregung gesorgt, denn Traxler hatte in seiner Aufarbeitung das Märchen vermeintlich als romantische Verfälschung eines Raubmordes enttarnt. Den Grimm-Preis erhält Traxler jedoch für seingraphisches Lebenswerk mit zahlreichen pointierten Karikaturen.

Die Preisverleihung findet am 17. November in Schloss Philippsruhe statt. Gleichzeitig wird in den Galerieräumen im zweiten Obergeschoss von Schloss Philippsruhe eine Ausstellung mit Werke des Künstlers eröffnet. Die Leihgaben des Frankfurter Museums Caricatura bleiben bis zum 16. Dezember dort zu sehen.

Der neue Künstler-Preis löst den Cläre Roeder-Münch-Preis (1991-2011) ab und will das Andenken an den Maler Ludwig Emil Grimm (1790-1863) ehren. Der dritte der Grimm-Brüder, dessen 222. Geburtstag es in diesem Jahr zu feiern galt, hat unter anderem das berühmte Doppelporträt der beiden Märchensammler geschaffen. Doch auch seine Märchenillustrationen zählen zu den eindrucksvollsten ihrer Art der romantischen Kunst.

Das künstlerische Werk Ludwig Emil Grimms zeichnet sich jedoch vor allem durch Zeichnungen und Radierungen aus .und im geringerem Maße durch die Malerei. Hier steht er ganz in der Tradition der Romantik:  Naturstudien, Landschaften, volkskundliche Darstellung, Porträts sowie zahlreiche Karikaturen. Die Begegnung mit bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit, die durch die Arbeit der Brüder Jakob und Wilhelm zustande kamen, ließen ein umfangreiches Porträtwerk entstehen. Aufgrund der späten Anstellung Ludwigs Emil Grimms an der Kasseler Kunstakademie entstand ein reiches graphische Werk, das in Mappenarbeiten und Buchillustrationen seine Verbreitung findet. Er hinterließ ein graphisches Werk von rund 2.000 Blättern. Das Historische Museum Hanau und der Hanauer Geschichtsverein haben eine Vielzahl seiner Zeichnungen und Radierungen in ihrem Bestand, darunter auch das berühmte Doppelporträt seiner Brüder Jacob und Wilhelm, und sein Selbstporträt.

Um sein Lebenswerk weiter zu würdigen, hat die Brüder-Grimm-Stadt Hanau den Ludwig Emil Grimm-Preis für Bildende Kunst geschaffen. Das Preisgeld beträgt insgesamt 10.000 Euro und ist geteilt in den Ludwig-Emil-Grimm-Preis für Bildende Kunst im Bereich Zeichnung, Karikatur, Illustration und Comic mit einer Dotierung von 7.000 Euro und den Förderpreis Junge Bildende Kunst der Stadt Hanau für Junge Künstler mit einer Dotierung von 3.000 Euro. Die Preisvergabe erfolgt jährlich alternierend, beginnend in diesem Jahr mit dem Ludwig-Emil-Grimm-Preis, der nach der Entscheidung der Jury an Hans Traxler geht.

Hans Traxler ist am21. Mai 1929 geboren, wuchs in einem kleinen Ort in Westböhmen auf. Mit 17 Jahren verkaufte er seine erste Karikatur an eine Münchner Illustrierte und zeichnet seither ohne Unterlass.

Nach fünf Jahren in Regensburg, wo er bei dem ehemals Prager Akademieprofessor Max Geyer seinen ersten Unterricht erhielt, ging er 1951 nach Frankfurt und arbeitete vier Jahre am Städel in der Malklasse von Georg Meistermann. Anfang der sechziger Jahre trafen nach und nach seine Freunde der später so genannten „Neuen Frankfurter Schule“ ein. Zusammen arbeiteten sie am Satiremagazin „Pardon“ und gründeten nach dessen Niedergang 1979 ihre eigene Zeitschrift „Titanic“.

Traxlers literarische Begabung schlug sich 1963 auch in der Wissenschaftsparodie „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ nieder, eine der großen Eulenspiegeleien in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Buch erlebte unzählige Auflagen und wurde mit dem Nouvelle Vague-Star Jean-Pierre Léaud verfilmt.

Gemeinsam mit Peter Knorr machte Traxler Deutschlands Kanzler Helmut Kohl zur „Birne“. Er setze F.W. Bernsteins berühmten Zweizeiler „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“ ins Bild und schuf damit das Maskottchen der Neuen Frankfurter Schule. In den achtziger und neunziger Jahren zeichnete Hans Traxler Cartoons für die Magazine der „ZEIT“, der  „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Süddeutschen Zeitung“, später auch für „Literaturen“ und andere. Mit diesen Arbeiten reifte er zu einem „Cartoonisten der Weltklasse“ (Robert Gernhardt).

Für sein Lebenswerk erhielt er bereits 2006 den Satirepreis „Göttinger Elch“ und 2007 den „Deutschen Karikaturenpreis“.



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