Vellmar/Wolfhagen/Nieste/Kreis Kassel.
„Wir erwarten in diesem Jahr die Zuweisung von rund 280 Menschen, die in Deutschland Asyl suchen – das sind fast drei Mal soviel wie im vergangenen Jahr“ stellt Vizelandrätin Susanne Selbert bei der Vorstellung des Unterbringungskonzepts für Asylsuchende im Landkreis Kassel fest. Der Landkreis habe daher zusammen mit den jeweiligen Kommunen Lösungen gefunden, um für die Übergangszeit geeignete Unterbringungsmöglichkeiten anbieten zu können. Selbert: „Wir haben für die Sicherstellung der Wohnraumversorgung zum einen das ehemalige Freizeitheim des Landkreises Rotte Breite bei Nieste für bis zu 40 Menschen hergerichtet“. Außerdem baue der Landkreis bis zum Ende des Jahres 2012 ein ehemaliges Mannschaftsgebäude in der Pommernanlage in Wolfhagen-Gasterfeld so um, dass dort bis zu 60 Menschen untergebracht werden können. „Da die Rotte Breite bereits voll belegt ist, haben wir als weitere Übergangslösung das Hotel Rosengarten in Vellmar angemietet, das zurzeit leer steht“, berichtet die Vizelandrätin weiter. Hier steht Wohnraum für bis zu 40 Menschen zur Verfügung. Diese drei zusätzlichen Unterbringungsmöglichkeiten ergänzen die Fuldatal-Ihringshausen, in der zurzeit 116 Asylsuchende leben.
Zentrales Bestandteil des Unterbringungskonzepts des Landkreises ist eine intensive Betreuung der zugewiesenen Menschen. „Deshalb haben wir uns auch dafür entschieden, eigene Räumlichkeiten zu nutzen und wie in Vellmar eine Unterkunft direkt anzumieten“, erläutert Selbert. Der Landkreis habe einen erfahrenen Mitarbeiter als sozialpädagogischen Betreuer für diese Aufgabe ausgewählt.
„Unser Unterbringungskonzept sieht vor, dass die uns zugewiesenen Asylsuchenden so bald wie möglich eine eigene Wohnung im Landkreis anmieten“, so Selbert weiter. Dies erleichtere die Integration „ganz erheblich“. Deshalb seien zwei der drei neuen Unterbringungsmöglichkeiten „bewusst nicht als Dauerlösung geplant, sondern würden je nach Bedarf auch wieder für andere Nutzungen zur Verfügung stehen“, erläutert die Vizelandrätin. Am Beispiel des Hotels Rosengarten in Vellmar bedeute dies, dass die aktuelle Nutzung für Asylsuchende nicht möglichen städtebaulichen Entwicklungskonzepten der Stadt Vellmar im Wege stehen werde. Selbert: „Hier haben wir im Dialog mit der Stadt Regelungen gefunden, die unsere aktuelle Notlage abmildern und zugleich die Interessen von Vellmar berücksichtigen“. Auch die „Rotte Breite“ solle nur als Übergangslösung genutzt werden, während die Umnutzung des ehemaligen Mannschaftsgebäudes in der Pommernanlage langfristig angelegt ist.
Allerdings, so Selbert weiter, sei der Wohnungsmarkt auch im Landkreis aktuell eher angespannt, so dass es nicht immer einfach sei, schnell eine geeignete Unterkunft zu finden. „Ich appelliere daher an alle Vermieter, die noch freie Wohnungen zur Verfügung haben, sich mit unserem Fachbereich Soziales in Verbindung zu setzen und uns so zu helfen, den hilfesuchenden Menschen, die zurzeit mehrheitlich aus Afghanistan, dem Iran, Irak und aus Somalia stammen, den Einstieg in ein wieder geregeltes Leben in Deutschland zu finden“, hofft Selbert auf weitere Mietangebote. Bei der Unterbringung in Privatwohnungen übernimmt der Landkreis die Unterkunftskosten – die Mietverträge werden mit den Asylsuchenden geschlossen. Gesucht werden insbesondere günstige größere Wohnungen ab Dreizimmer aufwärts.
Der Landkreis rechnet bis zum Ende des Jahres mit der Zuweisung von rund 280 Menschen. „Im letzten Jahr betrug die Zahl der Zuweisung 108, im Jahr 2010 waren es 137 Asylsuchende“, informiert der Leiter des Fachbereiches Soziales des Landkreises Kassel Jörg Roßberg. Aktuell gibt der Landkreis rund 2,25 Millionen Euro für Flüchtlinge und Asylsuchende nach dem Landesaufnahmegesetz aus. Das Land beteiligt sich mit 965.000 Euro an diesen Kosten – den Rest trägt der Landkreis. Für die zusätzlichen zugewiesenen Asylsuchenden in 2012 und die zusätzlichen Übergangsunterkünfte rechne der Landkreis mit Mehrkosten in der Höhe von rund 400.000 Euro allein in diesem Jahr, so Roßberg abschließend.
Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn
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