Liebenau/Trendelburg/Kreis Kassel.
Die Zeiten, in denen neue Dammanlagen das „Nonplusultra“ im Hochwasserschutz waren, sind glücklicherweise vorbei. „Heute setzen wir auf die Renaturierung von historischen Flussläufen, um so modernen Hochwasserschutz zu praktizieren“, informiert Rolf Enders, Geschäftsführer des Hessischen Wasserverbandes Diemel. Bei Flüssen, die in einem engen begradigten Bett fließen, führen Hochwasser immer wieder dazu, dass Ortslagen überschwemmt werden, da Retentionsräume, in die das Hochwasser abfließen können, fehlen. Enders: „Gerade die Diemel zwischen Liebenau und Trendelburg ist stark begradigt – der Wasserverband hat daher in den letzten Jahren eine Reihe von Renaturierungsprojekten umgesetzt“.
„Diese Wasserbauvorhaben haben gleichzeitig auch positive Effekte für den Naturschutz“, so Enders weiter. Nachdem seit 2004 bereits an der „Stadtwiese“ und am „Königsberg“ in Liebenau sowie am „Mähnepol“ bei Trendelburg-Sielen insgesamt 18,5 Hektar Fläche renaturiert wurden, finden aktuell Renaturierungsarbeiten im Bereich „Im Boden“ zwischen Lamerden und Eberschütz statt. Hier werden 1,3 Hektar „reaktiviert“, erläutert Hans Schrottmeier vom beauftragten Ingenieurbüro Wenning aus Kassel. Es entsteht ein rund 140 Meter langes und 24 Meter breites Stillgewässer mit einer Flutmulde zur Diemel. Schrottmeier: „Wenn die Diemel zwei Meter über Normalpegel hat, wird die Flutmulde aktiviert“.
Die für die Renaturierung genutzte Fläche hat die Stadt Liebenau aus ihrem Eigentum als Mitglied in den Hessischen Wasserverband Diemel eingebracht. „Für uns ist das ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz und für die Natur im Diemeltal“, betont Bürgermeister Peter Lange.
Neben den positiven Auswirkungen im Hochwasserschutz stehe die Entwicklung eines naturnahen Auenbereichs an der Diemel im Blickpunkt. Insbesondere wasserbewohnende Tier- und Pflanzenarten sollen sich im neuen Altarm ansiedeln. Enders: „Die anderen Gebiete entwickeln sich ausgezeichnet – bedrohte Tier- und Pflanzenarten haben sich wieder angesiedelt und für die Fische bieten die neuen Altarme gute Laichmöglichkeiten“.
Die Kosten für die Renaturierung belaufen sich auf rund 50.000 Euro, die aus der Naturschutzausgleichsabgabe des Landkreises bereit gestellt werden. Die Arbeiten sollen im November abgeschlossen werden.
Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn
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