Gemeinsame Initiative gegen häusliche Gewalt
Interreligiöse Vereinbarung als Auftakt zum „Runden Tisch der Religionen“ in Hanau
„Wir lehnen jegliche Form häuslicher Gewalt ab, sei sie physisch oder psychisch, und setzen uns dafür ein, dass häusliche Gewalt geächtet wird.“ Mit diesem Satz schließt die gemeinsame Erklärung, die Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der jüdischen Gemeinde, der DITIB-Moschee und des Muslimischen Arbeitskreises Hanau im Rathaus unterzeichnet haben. Für Oberbürgermeister Claus Kaminsky ist dieser offizielle Akt der erste Schritt, um in der Brüder-Grimm-Stadt in naher Zukunft einen „Runden Tisch der Religionen“ zu etablieren.
„Ich begrüße es außerordentlich“, so der Oberbürgermeister, „dass Sie sich anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen zusammengefunden haben, um mit dieser gemeinsamen Erklärung das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen.“ 300 Anzeigen gegen häusliche Gewalt habe die Polizei im vergangenen Jahr im Main-Kinzig-Kreis registriert, 150 davon in Hanau. Hinter dieser Zahl verberge sich höchstwahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer, denn häusliche Gewalt finden nicht selten im Verborgenen statt und werde aus Scham nicht angezeigt. „Und das gilt für alle Bevölkerungsgruppen, ganz gleich welcher Schicht, Kultur oder Religion sie angehören“, betonte Kaminsky.
„Nach einer Studie der Bundesregierung zu Gewalt in Paarbeziehungen hat jede dritte Frau zwischen 18 und 80 Jahren schon einmal Gewalt erfahren. Tatort ist zumeist die Wohnung, Täter kann der Vater sein, der eigene Mann oder Partner“, heißt es in der Erklärung. „Deshalb befürworten wir jede Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung, die die Opfer von Gewalt darin bestärkt, sich Hilfe zu holen, sich über die eigene Rechte sowie die Unterstützungs- und Interventionsmöglichkeiten zu informieren und die Gewaltbeziehung zu verlassen.“
Abdurrahim Kutlucan vom Muslimischen Arbeitskreis Hanau (MAH) begrüßt wie auch der Imam der DITIB-Moschee, Ismail Kilictas, und Lyudmyla Tarnopolska von der Jüdischen Gemeinde die Initiative der Stadt Hanau, mit der Unterzeichnung der Erklärung „eine Zusammenarbeit zwischen den Religionen in Hanau“ anzustoßen. Der Islam verbiete Gewalt gegen Frauen in jeglicher In Form, „und doch kommt sie leider auch bei uns in den Familien vor“, so Kutlucan. Seine Glaubensgemeinschaft werde sich bemühen, das Thema immer wieder mit in die Freitagsgebete zu nehmen, um dafür zu sensibilisieren.
Die evangelische und die katholische Kirche werden dafür in den nächsten Wochen die Adventsgottesdienste nutzen, wie Dekanin Claudia Brinkmann-Weiß ankündigte. „Kern aller Religionen ist es, Gewalt zu ächten. Dass wir uns alle dafür einsetzen, ist ein gutes Zeichen für die Öffentlichkeit.“ Dechant Andreas Weber mahnte, „den Schwachen den Weg aus dem Verborgenen zu ermöglichen“ und wies darauf hin, dass Diakonie, Caritas und andere Institutionen Beratung nicht nur für von Gewalt betroffene Frauen, sondern auch für die Täter anbieten.
Für Hanaus Frauenbeauftragte Imke Meyer ist die Unterzeichnung der interreligiösen Erklärung ein wichtiger Schritt. „Kirche wie auch die Religionsverbände haben einen großen Einfluss in unserer Gesellschaft“, sagt sie. „Indem sie Gewalt thematisieren tragen sie auch zur Prävention bei. Sie machen deutlich, dass häusliche Gewalt keine Privatangelegenheit und von keiner Religion legalisiert ist.“ Mit Freude vernahm sie die Zusicherung von Oberbürgermeister Claus Kaminsky, dass die Stadt Hanau die Frauenhäuser auch in finanziell schwierigen Zeiten weiterhin unterstützen will.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Andrea Freund, Telefon 06181/295-488
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Die Vertreterinnen und Vertreter der Religionen gemeinsam mit Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Foto: Stadt Hanau
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