Helsa/Nieste. Mit der interkommunalen Dorferneuerung in Helsa und Nieste beschreiten das Land Hessen und der Landkreis Kassel Neuland. „Wir freuen uns, dass wir als Pilotregion für die erste gemeinsame Dorferneuerung in zwei benachbarten Gemeinden in Hessen ausgewählt wurden“, betont Vizelandrätin Susanne Selbert beim offiziellen Startschuss des Dorferneuerungsprozesses in den beiden Söhre-Gemeinden. Der Landkreis sei im Bereich der Dorferneuerung und der Regionalentwicklung bereits häufiger Vorreiter und setze nun diese Tradition fort. „Es ist ein positives Signal, dass sich zwei Gemeinden gemeinsam auf den Weg machen“, ergänzt der hessische Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch, der die Anerkennungsurkunde für die beiden Orte an die beiden Bürgermeister übergibt.
„Helsa und Nieste haben in den vergangenen Jahren positive Erfahrungen bei der Nutzung von Dorferneuerungsprogrammen oder in der ländlichen Regionalentwicklung gemacht“, informiert Vizelandrätin Selbert. Daher habe der Landkreis dem gemeinsamen Antrag auf Aufnahme in die Dorferneuerung befürwortet. In Helsa hatte es in den letzten zwanzig Jahren bereits Dorferneuerungsprozesse in den Ortsteilen Wickenrode, Helsa, Eiterhagen und St. Ottilien gegeben – die Gemeinde Nieste hatte ihre Dorfmitte im Rahmen der Regionalentwicklung neu gestaltet. „Nachdem St. Ottilien seine Dorferneuerung abgeschlossen hatte, gab es immer wieder Überlegungen entweder Wickenrode oder Helsa selbst für die Aufnahme in das Dorferneuerungsprogramm zu beantragen“, informiert der Helsaer Bürgermeister Tilo Küthe.
Da Wickenrode bereits im Stadtumbau berücksichtigt wird und in Helsa der Druck durch Sanierungsstau und Leerstand im Fachwerkbereich gewachsen ist und sich hier auch eine örtliche Bürgergruppe mit diesem Thema auseinandersetzt, gab es konkrete Nachfragen und Überlegungen, die Dorferneuerung auf Helsa zu konzentrieren.
„Da die Probleme im Kernort Helsa aber auch in allen Ortsteilen existieren, haben wir die neue Ausrichtung der Hessischen Dorfentwicklung, ganze Gemeinden zu berücksichtigen, von Anfang an für Helsa sehr begrüßt“, erläutert Selbert. Frühzeitig gab es Gespräche mit dem Landkreis, die Gesamtgemeinde Helsa möglichst zügig in dieses neue Verfahren zu nehmen.
Die Nachbargemeinde Nieste ist mit nur einem Ortsteil die kleinste Gemeinde Hessens. Selbert: „Hier gibt es enorme Aktivitäten, gerade im Bereich Tourismus und im Bereich Wohnattraktivität und damit für junge Familien attraktiv zu werden – gleichzeitig steht aber auch Nieste vor großen Problemen im historischen Dorfkern“.
„Da wir bereits verschiedenen Bereichen miteinander kooperieren und dies auch noch ausbauen wollen, haben wir uns entschieden, eine interkommunale Dorferneuerung Helsa - Nieste zu beantragen“, berichtet der Niester Bürgermeister Edgar Paul.
Die Auswirkungen des demografischen Wandels seien bereits in beiden Gemeinden deutlich zu spüren und „sie werden perspektivisch noch stärker zum Tragen kommen“, so Paul weiter. Die Gestaltungsmöglichkeiten, wie sie das Dorfentwicklungsprogramm biete, seien daher in beiden Kommunen als wirksame Maßnahmen zum Umgang mit dem demografischen Wandel „sehr hilfreich“.
„Aus unserer Sicht ist der gemeinsame Antrag der beiden Kommunen und die vorgeschaltete Bürgerbeteiligung beispielhaft“, lobt Vizelandrätin Selbert. So habe es bereits im Herbst 2009 eine gut besuchte Informationsveranstaltung zum Thema demografischer Wandel in Helsa gegeben, bei denen die Möglichkeiten zur Aufnahme in die Dorferneuerung diskutiert wurden. In der Folge stellte sich heraus, dass das Interesse der Bevölkerung an einer Aufnahme in die Dorferneuerung in allen Ortsteilen hoch war.
Bürgermeister Küthe: „Auch deshalb hatte die Gemeinde Helsa beschlossen, einen Aufnahmeantrag in die Dorferneuerung für alle Ortsteile zu stellen“.
Auch mit der Gemeinde Nieste sei der Landkreis kontinuierlich im Gespräch und begleite die weitere Entwicklung des Ortes, erläutert Vizelandrätin Selbert. So wurde die „Neue Mitte Nieste“ als vorbildliches Innenentwicklungsprojekt genauso unterstützt, wie die touristischen Maßnahmen der Gemeinde. „Nachdem ganze Gemeinden in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen werden konnte, haben wir uns über die Möglichkeit der interkommunalen Dorferneuerung Helsa mit Nieste informiert“, berichtet Bürgermeister Paul. Diese Nachfrage stieß beim Landkreis Kassel auf offene Ohren und wurde auch bei der hessischen Förderbank WI-Bank und dem zuständigen Wirtschaftsministerium positiv gesehen.
In der Folge fand dann das notwendige Auswahlverfahren zur Aufnahme neuer Förderschwerpunkte in enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand des Regionalvereins Region Kassel-Land e.V. statt. „Anhand von Auswahlkriterien wird die Rangfolge durch Beschluss des Gesamtvorstandes Region Kassel-Land e.V. festgelegt“, informiert Peter Nissen, Leiter der Abteilung Dorferneuerung und Regionalentwicklung im Amt für den ländlichen Raum des Landkreises. Für die neue Förderperiode konnte aufgrund der Begrenzung der Gesamtzahl der geförderten Kommunen im Landkreis nur ein neuer Förderschwerpunkt angemeldet werden - der gemeinsame Antrag von Helsa und Nieste machte das Rennen.
Damit die beiden Kommunen auch gleich loslegen können, hatte Vizelandrätin Selbert bereits die ersten beiden Förderbescheide für die Erarbeitung des integrierten kommunalen Entwicklungskonzepts sowie die städtebauliche Fachberatung mit im Gepäck.
Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn
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