24. Dezember 2012.
Der Landkreis Leer hat die Betreuung von Kleinkindern zu einem seiner Schwerpunkte gemacht. Er sieht deshalb dem 1. August 2013 gelassen entgegen, wenn Kinder zwischen einem und drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz haben. Ein Bundesgesetz geht davon aus, dass mindestens ein knappes Drittel der Anspruchsberechtigten einen Krippenplatz beansprucht.
„Dieses Ziel erreichen wir“, sagt Landrat Bernhard Bramlage in einem Ausblick auf das kommende Jahr. Er verweist auf diese Zahlen: Am 1. August gibt es 615 Krippenplätze, von denen 105 gegenwärtig noch im Bau sind, aber rechtzeitig fertig sein sollen. Hinzu kommen 53 Plätze in so genannten Großtagespflegestellen wie dem „Kinnerhus“ beim Klinikum Leer und 172 anerkannte Plätze in Privat-Haushalten.
Der Landrat hält das Angebot für „bedarfsgerecht“, weil der Landkreis ländlich geprägt und demnach nicht mit einer so starken Nachfrage wie in größeren Städten zu rechnen sei. Offen bleibe vorerst die Frage, wie sich das umstrittene Betreuungsgeld auswirke. Eltern können dieses Geld kassieren, wenn sie ihre ein- bis dreijährigen Kinder nicht in eine Krippe geben, sondern zu Hause behalten.
An den Berufsbildenden Schulen geht Anfang 2013 ein bemerkenswertes Krippen-Projekt mit zehn Plätzen an den Start. Darin werden Kleinkinder neben Fachkräften auch von Schülerinnen der Berufsbildenden Schulen betreut, während sich ihre Mütter auf einen Schulabschluss vorbereiten. Nebenbei schlägt der Landkreis mit der Schulkrippe zwei Fliegen mit einer Klappe: Junge Mütter beenden ihre Ausbildung trotz Kind, während Schülerinnen aus Pflegeklassen einen Praktikumsplatz unter dem selben Dach vorfinden. Dieses Dach schützt übrigens ein Passivenergiehaus, das der Landkreis für die Krippe gebaut hat.
Der Landkreis hat in den jüngsten Jahren mächtig aufgeholt mit Krippen. Vor zwei Jahren trug er noch die Rote Laterne bei Krippenplätzen in Deutschland. Mittlerweile wird er von den Statistischen Ämtern in Bund und Land in gehobener Position notiert. Das kommt nicht von ungefähr: Rund neun Millionen Euro haben Gemeinden und Landkreis mit Hilfe von Bundes- und Landeszuschüssen in den Krippenbau investiert.
Vorbildlich ist der so genannte Betreuungsschlüssel. Der Leeraner Kreistag hält den vom Land Niedersachsen geförderten Betreuungsschlüssel von einem Betreuer auf 7,5 Kinder für zu hoch. Im Landkreis betreut eine Person lediglich fünf Kinder, entsprechend tiefer greift der Landkreis in die Tasche. Mit den Gemeinden teilt er sich als freiwillige Leistung die Personalkosten für eine dritte Betreuungskraft in der Krippe. Bramlage: „Das ist weit und breit einmalig“. Das Land hält sich bei der Bezahlung einer dritten Kraft zurück.
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