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Hanau, 24. Januar 2013
„Wir brauchen die Erinnerung und das Gedenken“
Hanau gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

„Keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft, auch kein Staat kann ohne Gedächtnis und ohne Erinnerung leben. Ohne Erinnerung zu leben bedeutet, ohne Identität und damit ohne Orientierung zu leben.“ Den bevorstehenden „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar und das Datum der „Machtergreifung“ Hitlers am 30. Januar nehmen Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck zum Anlass, auch auf die Bedeutung des gemeinsamen Erinnerns hinzuweisen. „Dies geschieht um der Opfer willen, aber auch um unserer selbst willen.“

In jüngster Zeit würden leider immer wieder Debatten darüber geführt, so Kaminsky, ob es nicht genug sei damit, ob „Gedenktage“ nicht längst inhaltsleer geworden seien. Dem wolle er ganz entschieden widersprechen. Die Stadtverordnentevorsteherin ergänzt, dass gerade jetzt, da die Generationen, die das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt haben, in die Verantwortung gerückt seien, Erinnerung und Gedenken weitergegeben werden müssten.

Am 27. Januar 1945, vor 68 Jahren, befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Bundespräsident Roman Herzog rief 1996 den „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ aus, der 2006 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen offiziell zum internationalen Holocaustgedenktag erklärt wurde und heute außer in Deutschland auch in Israel, Großbritannien und Italien offiziell begangen wird.

Am 30. Januar jährt sich zum 80. Mal die „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten oder besser die Machtübertragung. Denn der Begriff Machtübertragung bezeichnet den Prozess der Übernahme der Regierungsverantwortung durch die NSDAP im Deutschen Reich und die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur eindeutiger. Da die Nationalsozialisten den 30. Januar 1933 selbst als Tag der „Machtergreifung“ bezeichneten, wird der Begriff von Historikerinnen und Historikern wegen der darin enthaltenen Propaganda seit langem vermieden. Zudem verschleiert er die Rolle konservativer Kreise, die eine von Hitler geführte Regierung befürworteten und personell unterstützten; denken wir an Reichspräsident Hindenburg, der Hitler mit der Bildung einer Regierung beauftragte und ihn als Reichskanzler vereidigte.

Das Datum 30. Januar 1933 gilt als Synonym für den Beginn von Tod und Zerstörung, Völkermord, Elend und Vertreibung. „Er ist Merkpunkt in der Geschichte unseres Gemeinwesens wie ständige Mahnung,“ unterstreicht Hanaus OB die Bedeutung dieses Tages.

 Auch in Hanau erinnere man sich in diesen Tagen an die Opfer des verbrecherischen NS-Regimes während der Jahre 1933 bis 1945. „Wir gedenken der Abermillionen geknechteten, gedemütigten, entrechteten, verfolgten und ermordeten Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Männer und Frauen des Widerstands, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene, Deserteure, Zwangsarbeiter/innen und Gefallene,“ so Kaminsky und Funck. Die Listen der gequälten und getöteten Menschen seien erschreckend lang und beschämen auch heute zutiefst. „Sie waren und sind Schläge in das Gesicht von Humanität, Zivilisation und Anstand.“

Zum Jahrestag der Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager vom Hanauer Hauptbahnhof 1942 sind im Mai 2010 an der ehemaligen  Ghettomauer am Freiheitsplatz eine Gedenkstätte für die in Hanau geborenen, lebenden und ermordeten Juden eingeweiht worden. Die 240 aus Hanau deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden, jung und alt, Frauen und Kinder, erhielten durch die Nennung auf individuellen Namenstäfelchen ein Stück der ihnen genommenen Würde zurück. In Steinheim wurden und werden Stolpersteine verlegt und an der Nordstraße gegenüber des Standorts der ehemaligen Synagoge wie auch am Hauptbahnhof erinnern seit geraumer Zeit großformatige Bild- und Texttafeln an die jüdische Gemeinde Hanaus, die 2005 eine Neugründung erfahren hat.

OB und Stadtverordnetenvorsteherin sehen darin würdige Beispiele für eine aktive Erinnerungskultur in der Stadt, die ganz entscheidend durch vielfältiges bürgerschaftliches Engagement getragen wird. Hanaus OB Kaminsky mahnt: „Für jeden von uns erwächst aus diesem Begreifen der Geschichte die Erkenntnis, sich ständig und immer für Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Frieden, Verständigung, Toleranz und Versöhnung einzusetzen.“



Pressekontakt: Stadt Hanau, Güzin Langner, Telefon 06181/295-929


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