| Pressemitteilung vom10. April 2013 |
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Selbert: „Unser Modell der Grauen Wertstofftonne hat Zukunft“ Kreis Kassel. „Unser Modell, statt einer zusätzlichen gelben Tonne die bisherige Restabfalltonne als „Graue Wertstofftonne“ zu nutzen, hat Zukunft“, ist sich Vizelandrätin Susanne Selbert sicher. Ein zusammen mit dem Abfallzweckverband Südniedersachsen, der B+T Umwelt GmbH aus Alsfeld und dem Witzenhausen-Institut durchgeführter Praxisversuch habe ergeben, dass die Graue Wertstofftonne eine funktionierende Alternative für Landkreise und Städte ist, die trockene und sortierfähige Restabfälle besitzen. „Die Erfahrung zeigt, dass die Trennung von Biomüll und Papier vom restlichen anfallenden Abfall funktioniert – weitere Trennungsvorgaben für den Restmüll ergeben allerdings keine verbesserte Recyclingqualität“, so Selbert weiter. Über 30 Prozent der Inhalte des Gelben Sacks seien sogenannte „Fehlwürfe“ und im Restmüll finde sich dauerhaft ein bis zu 50prozentiger Anteil von Verpackungsabfällen. An dieser „Fehlwurfquote“ habe auch die intensive Öffentlichkeitsarbeit zur Getrenntsammlung von Verpackungsmaterial im Gelben Sack in den letzten fast 20 Jahren nichts geändert. Selbert: „Dies zeigt, dass wir nicht noch eine weitere Tonne benötigen, sondern dass es sinnvoller ist, das vorhandene Wertstoffpotenzial durch eine qualitativ gute Restabfallsortierung zu sichern“.
Der Praxisversuch habe jetzt nachgewiesen, dass dieser Weg funktioniert. Das Bundesumweltministerium gehe davon aus, dass 4,9 Kilogramm pro Einwohner pro Jahr Kunststoffe und Metalle durch eine eigenständige zusätzliche gelbe Wertstofftonne als Recyclingquote erreicht werden können.
„Wir erreichen mit der ganz normalen Restabfalltonne bereits heute 6,3 Kilogramm an recyclefähigen Kunststoffen und Metallen und der Abfallzweckverband Südniedersachsen kommt sogar auf 9 Kilogramm“. Die Ziele, die mit der zusätzlichen Wertstofftonne erreicht werden sollen, würden so bereits übererfüllt. Selbert: „Eine weitere Tonne ist daher unnötig“.
Der in der grauen Restmülltonne eingesammelte Abfall aus dem Landkreis Kassel wird bereits heute mechanisch in fünf unterschiedliche Abfallarten getrennt und zu 100 Prozent verwertet. Es sei kein Problem, die bisherigen fünf Abfallarten weiter zu spezifizieren und die eingesammelten Abfälle noch zielgenauer einer stofflichen Verwertung zuzuführen. „Wir haben eine flächendeckende Bioabfalleinsammlung mit Erfassungsraten, die hessenweit an der Spitze liegen“, so die Vizelandrätin. Dadurch sei der Restabfall in den grauen Tonnen ausgesprochen trocken und daher auch einfacher zu sortieren.
Problematisch sei vielmehr die Einführung einer weiteren Abfalltonne. „Für den Landkreis Kassel wie für alle Abfallverantwortlichen in ländlichen Räumen verursacht dies einen erheblichen Mehraufwand“, informiert die Vizelandrätin. Ökologisch und ökonomisch sinnvoller sei, so Selbert, die „Graue Wertstofftonne“ auch für die Aufnahme der sogenannten Leichtfraktion aus dem Gelben Sack vorzusehen, so wie es der Kreistag bereits mit Beschlussfassung im Juni 2011 vorgeschlagen hat.
Auch für die Bürger habe eine weitere Abfalltonne Nachteile. „Ich bin gespannt, wo die Bürger den Platz für eine zusätzliche Tonne hernehmen wollen“, weist Selbert auf das Problem des Stellplatzes für eine zusätzliche Wertstofftonne hin.
Die Ergebnisse des Praxisversuchs werde der Landkreis Kassel zusammen mit seinen Partnern der Arbeitsgemeinschaft „Graue Wertstofftonne“ in die Beratungen zum neuen Wertstoffgesetz auf Bundesebene einbringen. Es gehe bei den neuen gesetzlichen Regelungen nicht um die Farbe der Tonne, sondern um Verwertungsquoten und damit die ökologische Sinnhaltigkeit. „Nur das ist den Bürgern vermittelbar“, so Selbert abschließend.
Weitere Informationen über die „Graue Wertstofftonne“ gibt es auf der Internetseite www.graue-wertstofftonne.de. Hintergrund: Im Rahmen des Praxisversuches wurde der Hausmüll aus dem Landkreis Kassel sowie aus dem Gebiet des Zweckverbandes Südniedersachsen genutzt, der aufgrund hoher Bioabfallerfassungsraten relativ trocken und sortierfähig ist. Der Hausmüll wurde zunächst mit der vorhandenen mechanischen Aufbereitungstechnik in den zwei Abfallbehandlungsanlagen (Anlage der B + T Umwelt GmbH in Weidenhausen, Werra-Meißner-Kreis und MBA-Anlage des AZV Südniedersachsen in Deiderode, Landkreis Göttingen) zu einem Wertstoffkonzentrat aufbereitet. Aus diesem Konzentrat wurden mittels modernster Nahinfrarot-Sortiertechnik (NIR), die auch beim Verpackungsrecycling eingesetzt wird, Wertstoffe, insbesondere Kunststoffe aussortiert. Die Kunststoffe wurden in einem Labor zur Bewertung der Material- und Recyclingeigenschaften begutachtet. Die im Kunststofflabor ermittelten Parameter bestätigen, dass der mittels NIR-Sortierung aus dem Hausmüll gewonnene Kunststoffstrom (PP und PE) materialseitig vergleichbar mit den Fraktionen der Aufbereitung von Leichtstoffverpackungen (LVP) ist. Die Kunststoffqualität der Untersuchten PP- und PE-Kunststoffe lag im erwarteten Qualitätsspektrum und zeigt keine signifikanten Unterschiede zu den Ergebnissen aus der LVP-Erfassung. Aus den untersuchten Probemengen kann die Aussage getroffen werden, dass eine positive Vermarktung möglich ist.
Im Hinblick auf die im aktuellen Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP vorgesehene Zielsetzung, die Verpackungsverordnung zu überarbeiten und weiter zu entwickeln, hat das Bundesumweltministerium am 18. Juli 2012 ein Thesenpapier zum Wertstoffgesetz veröffentlicht. In diesem Dokument werden die Eckpunkte für das zukünftige Regelwerk zur Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungen und stoffgleichen Nichtverpackungen umrissen. Dazu gehört nach Vorstellung des Ministeriums auch die Einführung einer zusätzlichen Wertstofftonne, mit der den Bürgern „ein System der haushaltsnahen Wertstofferfassung mit bundesweit einheitlichem Zuweisungskatalog angeboten werden soll“. „Mit der Wertstofftonne strebt das Bundesumweltministerium ein bürgerfreundliches und komfortables Wertstofferfassungssystem unmittelbar am Haushalt an. Soweit auf Basis anderer Erfassungsstrukturen (z.B. Wertstoffhöfe) nachweislich vergleichbare Sammel- und Verwertungserfolge erreicht werden, können diese auf Wunsch der Kommune beibehalten werden. Maßgeblich ist jeweils die Einhaltung der vorgegebenen ökologischen Anforderungen“ (Zitate Thesenpapier Bundesumweltministerium). Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Graue Wertstofftonne sind: Landkreis Kassel Abfallzweckverband Südniedersachsen B+T Group Alsfeld Abfallzweckverband Hersfeld-Rotenburg Landkreis Fulda Werra-Meißner-Kreis Zweckverband Abfallwirtschaft Werra-Meißner-Kreis Zweckverband Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis Landkreis Göttingen Landkreis NortheimLandkreis Osterode Stadt Göttingen Landkreis Westerwald MBS-Anlage Westerwald Landkreis Limburg-Weilburg Lahn-Dill-Kreis Landkreis Schaumburg Arbeitsgemeinschaft Stoffstromspezifische Abfallbehandlung (ASA) e.V. Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien anbieten: grauewertstofftonne Auf den angehängten Fotos sieht man von links nach rechts Uwe Pietsch (Leiter des Eigenbetriebs Abfallentsorgung), Vizelandrätin Susanne Selbert und Dr. Michael Kern (Geschäftsführer des Witzenhausen-Instituts), die der Meinung sind, dass drei Tonnen ausreichen. Außerdem sind Bilder der Sortieranlagen in Deiderode (Landkreis Göttingen) und Weidenhausen (Werra-Meißner-Kreis) sowie drei Schaubilder über den Praxisversuch beigefügt.
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