Erinnerung an die Unterdrückung durch NS-Diktatur
- Überarbeitete Hinweistafel am früheren Standort des Gewerkschaftshauses
Rechtzeitig zum Maifeiertag erinnert seit heute eine überarbeitete Tafel am AOK-Gebäude in der Mühlstraße 2a an das Gewerkschaftshaus, das hier einst stand. Nationalsozialisten überfielen und beschlagnahmten das Gebäude am 2. Mai 1933. Nach Zerschlagung der Gewerkschaften und Gründung der Deutschen Arbeitsfront wurde das Gebäude in „Jakob-Sprenger-Haus“ (nach dem NS-Gauleiter Hessen-Nassau) umbenannt. Funktionäre und Vertrauensleute der Arbeiterbewegung wurden verfolgt, in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Am 19.3.1945 wurde das Haus wie die gesamte Innenstadt durch einen Bombenangriff der alliierten Luftstreitkräfte zerstört.
Auf Initiative von Walter Kargl, dessen Vater Hans Kargl als Stadtverordneter und Magistratsmitglied der SPD von NS-Schergen verfolgt, inhaftiert und im Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen gequält wurde, ließ die Stadt Hanau die 1978 angebrachte Texttafel überarbeiten und ergänzen und nun neu in der Mühlstraße anbringen.
Sie erinnert an die Geschichte des Gewerkschaftshauses, das in mehreren Bauabschnitten errichtet wurde (Saalbau 1894, Turnhalle 1895, Neubauten und Seitengebäude 1912, Kino und Wirtschaftsräume 1929). Es war das Zentrum der Hanauer Arbeiterbewegung. Bei Veranstaltungen zum 1. Mai sprachen dort unter anderem August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Toni Sender und Karl Frohme.
Im Vorfeld der Montage durch Mitarbeiter des städtischen Bauhofs trafen sich Kargl, sein Neffe, Vertreter des DGB und der Leiter der AOK-Hanau bei Oberbürgermeister Claus Kaminsky, um die Tafel zu besichtigen. „Angesichts der aktuellen Ereignisse in Hanau ist es besonders wichtig, dass wir bei jeder sich bietenden Gelegenheit entschieden für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität werben und für diese Werte auch eintreten“, sagte Oberbürgermeister Claus Kaminsky im Hinblick auf den spontanen Aufmarsch der NPD-Anhänger in Hanau am 1. Mai. Es sei wichtig nicht wegzuschauen, wenn Unrecht geschehe, sich gegen Intoleranz zu wenden und gegen Totalitarismus und Unterdrückung zu kämpfen. „Wir müssen mutig und konsequent eintreten, wenn es darum geht sich für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung einzusetzen“, sagte Kaminsky. „Auch daran soll uns diese Tafel und das Schicksal der damaligen Arbeitervertreter erinnern.“
Pressekontakt: Stadt Hanau, Ute Wolf, Telefon 06181/295-664
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Tafel Gewerkschaftshaus
Foto von links: Klaus Ditzel, Vorsitzender DGB Main-Kinzig, Alexandre da Silva, Regionalgeschäftsführer DGB Südosthessen, Walter Kargl, Holger Schmidt, Geschäftsstellenleiter der AOK Hanau, Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Reiner Kargl (Neffe)
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