Die Schiefertafel hat ausgedient
Brüder-Grimm-Schule erprobt seit fünf Monaten digitale Medien im Unterricht
Nach den Sommerferien beginnt für die rund 240 Mädchen und Jungen und die 27 Lehrerinnen der Brüder-Grimm-Schule eine neue Ära. Sie gehen als Referenzschule an den Start, in der Grundschule, Hort, Kinder- und Jugendarbeit und Erziehungshilfe eng verzahnt sein werden. „Wir erproben zwei Jahre lang unser Konzept einer Grundschule, die nicht nur Bildungseinrichtung, sondern Entwicklungsraum für Kinder sein soll“, betont Sozial- und Schuldezernent Axel Weiss-Thiel. Seit Jahresanfang werden die ersten Bausteine in der Praxis erprobt. Einer davon ist der Einsatz neuer Medien in allen Klassenstufen.
Beim Blick in die Klassenräume fällt eines sofort auf. Die Schiefertafel gibt es nicht mehr. Sie ist durch ein „Smartboard“ ersetzt worden, eine multifunktionale elektronische Tafel. An der lösen zwei Jungs gerade ein Buchstabenrätsel, das ihnen Lehrerin Silke Siekemeyer von ihrem Laptop aufgespielt hat. Peter Härtlings Buch „Ben liebt Anna“ ist Deutschlektüre in den Klassen 3a und 3b und Silke Siekemeyer und ihre Kollegin Carla Bonfilio-Gärtner haben dazu 14 Lernstationen in den zwei nebeneinander liegenden Klassenräume aufgebaut. An einigen Tischen werden die Aufgaben an Laptops gelöst, an anderen schreiben die Drittklässler mit Füller oder Bleistift.
„Na klar sind die Schüler-Laptops am beliebtesten“, schmunzelt Uwe Triebel, der Leiter des Fachbereichs Bildung, Soziale Dienste und Integration, der die Federführung in dem Projekt Referenzschule hat. Die Brüder-Grimm-Schule wurde als Pilotschule ausgesucht, weil sie „eine ganz normale Grundschule in der Innenstadt mit einer bunten Mischung vielerlei Nationen und keine Vorzeigeschule ist“, so Axel Weiss-Thiel. Hinzu kommt, dass sie durch die Nähe zum Rathaus gut an die städtische IT-Infrastruktur angebunden werden konnte.
Schon Grundschulkinder wachsen mit der neuen Technik auf und nutzen sie mit Begeisterung. „Und jetzt auch noch in der Schule, das ist cool“, meint ein Mädchen, das gerade am Laptop geschrieben hat, was ihr an Peter Härtlings Geschichte am besten gefällt. Sie hat den Text unter ihrer persönlichen Emailadresse im pädagogischen Netz der Brüder-Grimm-Schule abgespeichert. Ihre Lehrerin kann zentral auf diesen Text und alle anderen Dokumente der Schülerinnen und Schüler zugreifen und eingreifen, wenn sie merkt, dass ein Kind Unterstützung braucht. Das kann der Hinweis sein, sich einer bestimmten Aufgabe in der virtuellen Lernwerkstatt anzunehmen oder ein zusätzliches Arbeitsblatt auszugeben, um beispielsweise eine grammatikalische Regel zu üben.
Die Lehrerschaft der Brüder-Grimm-Schule kann sich an drei Wagen mit je 24 Schüler-Laptops bedienen. „Die Unterrichtsvorbereitung ist in der Anfangsphase bislang noch intensiver und zeitaufwändiger als früher“, erzählt Silke Siekemeyer. Doch das spiele sich ein. „Das Kollegium steht voll hinter dem Konzept“, betont Schulleiterin Haide Nolte. Die Begeisterung für das Einbeziehen der neuen Medien in den Unterricht an der Grundschule teilen die jungen wie die älteren Kolleginnen. In der erste Klasse wird nur wenig am Laptop gearbeitet. Die Kleinen müssen erst mal die Strukturen eines Schulalltags lernen - still sitzen und zuhören, lesen, mit dem Stift schreiben, rechnen. Medienkompetenz steht auch bei ihnen auf dem Programm. Am Ende erhalten sie das Internet-Seepferdchen.
In Informationsabenden sind die Eltern auf die Veränderungen im Schulalltag vorbereitet worden. Nach den Sommerferien bietet die Schule eine ganztägige Betreuung an fünf Tagen von 7.30 bis 15 Uhr an, bisher gab es die an drei Tagen. „Wir gehen davon aus“, so Haide Nolte, „dass dieses Angebot statt bisher 60 künftig 80 Kinder aus unserer Schule wahrnehmen.“ Die Eltern zahlen lediglich wie bisher das Mittagessen. Die künftige Zusammenarbeit zwischen Grundschule und Hort gießen beide Institutionen derzeit in ein pädagogisches Konzept für einen gemeinsamen Tagesablauf. Es wird frei wählbare und „gelenkte“ Angebote geben, die auch auf die individuellen Förderpläne der Kinder abgestimmt werden können. Die Netzwerkpartner der Referenzschule – Hort, Schule, Jugendarbeit und Volkshochschule – steuern zum Nachmittagprogramm Angebote wie Werken, Boxen, Musik, Selbstverteidigung, Forscher-AG, Chor, Yoga, Gewaltprävention, Theater, Sprach- und Leseförderung bei. „Für die gemeinsame Betreuung bis 15 Uhr steht ein multiprofessionelles Team zur Verfügung“, so der Schuldezernent, „zu dem Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter ebenso gehören wie Küchenkräfte und Objektbetreuer“. Die Mütter und Väter sollen durch ein Elterncafé, Näh- und Kochkurse und eine Garten-Gruppe noch näher an die Schule gebunden werden. „Der Lernort Schule wird durch die Ganztagsbetreuung zu einem Lebensort“, so Weiss-Thiel, „an dem mehr Zeit für Kommunikation ist, sei es zwischen den Professionen, aber auch zwischen Eltern und Kinder und den Eltern untereinander.“
Pressekontakt: Stadt Hanau, Andrea Freund, Telefon 06181/295-488
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Schuldezernent Axel Weiss-Thiel und die Lehrerinnen Silke Siekemeyer und Carla Bonfilio-Gärtner am Smartboard der Klasse 3a. Foto: Stadt Hanau
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