Hamm, 13. Juni 2013

KlassikSommer huldigt Johannes Brahms

Beethovens Nachfolger ist Johannes Brahms. Was im Leben so war, ist auch im KlassikSommer so.

Ach, Brahms! Keiner litt so wie er unter dem scheinbar unerreichbaren Vorbild, das eine Epoche überschattete. Keiner war sich so bewusst, dass mit Beethoven der Geist einer ganzen Epoche unwiederbringlich erloschen war. Und doch wurde er der Begründer des sinfonischen Zeitalters, das bis heute anhält, sind seine vier Sinfonien heute noch die Hauptwerke im Repertoire jedes Dirigenten. Wurde er zu dem Komponisten, der zu Lebzeiten Triumphe gefeiert hat wie keiner vor oder nach ihm. Robert Schumann feierte ihn als „Berufenen“, der den höchsten Ausdruck seiner Zeit musikalisch verwirklichte.

Deshalb ist es schlüssig, dass Frank Beermann im KlassikSommer 2013 – nach dem furiosen Beethoven-Zyklus im vergangenen Jahr – Brahms präsentiert: Mit vier wunderbaren Sinfonien, gekoppelt mit zwei Klavierkonzerten, dem Violinkonzert, das noch heute neben Beethovens Vorgängerwerk das meistgespielte Werk im Repertoire der großen Geiger ist und wohl auch das meisterhafteste dieser Gattung, und dem Doppelkonzert für Cello, Violine und Orchester.

Herbert Schuch spielt zum Eröffnungskonzert am 22. Juni um 20 Uhr in der Alfred-Fischer Halle das 1. Klavierkonzert, die Nordwestdeutsche Philharmonie ergänzt die 1. Sinfonie, um die Brahms sein halbes Leben lang rang. Erste Anläufe zur ersten Sinfonie hatte Brahms trotz allem schon mit Mitte Zwanzig unternommen: Er schrieb einen ersten Satz in d-Moll, den er später im 1. Klavierkonzert verarbeitete. Erst 1874, zwölf Jahre danach, ermutigte ihn der Erfolg seiner Haydn-Variationen zur weiteren Arbeit. Im Sommer 1876 gelang dem mehr als selbstkritischen Brahms der Durchbruch: Ende September spielte er Clara Schumann zwei Sätze vor. Die Reaktionen auf die Uraufführung am 4. November 1876 waren größtenteils enthusiastisch, die gespannte Erwartung der musikalischen Welt wurde erfüllt. Bei aller Nähe zu Beethoven, dem Brahms auch durch Zitate aus „Freude schöner Götterfunken“ und aus dessen 5. Sinfonie huldigte, rechnete man Brahms die gelungene Erneuerung der Sinfonie hoch an.

Dass der Grundstein zum Klavierkonzert Nr. 1 Brahms´ vermeintlich verunglückte Versuche zu einer Sinfonie war, ist zu hören: 90 Orchestertakte Einleitung, ein Hauptthema, das dem Orchester vorbehalten bleibt – das Konzert klingt beinahe wie eine Sinfonie, das Klavier beinahe wie eine Orchesterstimme. Herbert Schuch verzichtet auf die traditionelle Divenrolle des Solopianisten und gliedert sich beim Eröffnungskonzert ins Orchester ein, tritt in Dialog mit den Instrumentalkollegen.

Herbert Schuch wurde in Rumänien geboren, zog als Kind schon nach Deutschland und studierte u. a. bei Karl-Heinz Kämmerling in Salzburg. Alfred Brendel betreute ihn künstlerisch. Internationales Aufsehen erregte er, als er innerhalb eines Jahres drei bedeutende Wettbewerbe in Folge gewann, den Casagrande-Wettbewerb, den London International Piano Competition, und den Internationalen Beethovenwettbewerb Wien.

Seither arbeitete Herbert Schuch u.a. mit Orchestern wie dem London Philharmonic Orchestra, den London Mozart Players, den Bamberger Symphonikern, der Camerata Salzburg, dem RSO Wien, dem Orchestre National de Lille, der Dresdner Philharmonie, dem Konzerthausorchester Berlin, den Bamberger Symphonikern, den Rundfunkorchestern.

Frank Beermann leitet die künstlerischen Geschicke des KlassikSommers Hamm im dreizehnten Jahr. Er ist in diesen Jahren mit internationalen Gastdirigaten und als Leiter von Oper und Konzerthaus in Chemnitz zu einem der angesehensten deutschen Dirigenten der jüngeren Generation geworden. Immer wieder entdeckte er vergessene Werke für die Opern- und Konzertbühne neu, sorgte soeben mit Produktionen wie Giacomo Meyerbeers „Vasco da Gama“ und Richard Strauss´ „Die schweigsame Frau“ für Begeisterung bei einer internationalen Besucherschaft und den Feuilletons großer deutscher Zeitungen. Zu Jahresbeginn stellte er sich mit Dirigaten des Helsinki Philharmonic Orchestras in der finnischen Hauptstadt vor. Auf einer Spanientournee begeisterte er mit seiner Robert-Schumann-Philharmonie mit fünf Konzerten in sechs Tagen die Besucher großer Festivals und ließ sein Orchester neben den großen spanischen Klangkörpern brillieren, die unter Maestros wie Claudio Abbado oder Neville Marriner spielten.

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Herbert Schuch
Herbert Schuch spielt zum Eröffnungskonzert am 22. Juni um 20 Uhr in der Alfred-Fischer Halle (Coyright Broede)

Frank Beermann
Frank Beermann leitet die künstlerischen Geschicke des KlassikSommers Hamm

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