Mit einem großen Familienfest feiern die Ottostadt Magdeburg und die Region die Wiederinbetriebnahme des 2006 stillgelegten Schiffshebewerks in Magdeburg-Rothensee. Am 24. August ab 11.00 Uhr sind groß und klein herzlich eingeladen, die „Wiederkehr einer Legende“ zu feiern.
Seit der 2006 erfolgten Stilllegung des einzigartigen technischen Denkmals engagiert sich die Landeshauptstadt Magdeburg gemeinsam mit der Region, dem Land Sachsen-Anhalt, dem Förderverein Technische Denkmale Sachsen-Anhalt e.V. und tausenden Bürgern der Region für einen saisonalen touristischen Weiterbetrieb der Anlage.
Auf der Grundlage eines im Juni 2012 zwischen der Stadt Magdeburg und dem Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Magdeburg abgeschlossenen Nutzungsvertrages wurden inzwischen umfangreiche Instandsetzungsarbeiten durchgeführt, um die Anlage wieder in einen funktionsfähigen Zustand zu versetzen.
Unter dem Motto „Wiederkehr einer Legende“ wird am 24. August von 11.00 bis 17.00 Uhr die Wiederinbetriebnahme Schiffshebewerks mit einem großen Familienfest gefeiert. Alle Freunde und Unterstützer des Schiffshebewerkes sind dazu herzlich eingeladen.
Nach der offiziellen Wiedereröffnung des technischen Denkmals durch Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper wird ein abwechslungsreiches, vielfältiges Programm für alle Altersgruppen geboten. Programmhöhepunkte sind u.a. die Auftritte des Sax‘n Anhalt Orchesters, des Stargastes Anna-Carina Woitschack mit Präsentation ihres neuen Albums „Einzigartig“ sowie des Shanty-Chors Magdeburg. Moderiert wird das bunte Programm von Frank Wiedemann.
Die kleinen Besucher kommen in der bunten Kinderwelt voll auf ihre Kosten. Neben Hüpf- und Kletterburgen, Bastel- und Schminkstationen wird es Eis und andere süße Leckereien geben. Zahlreiche Vereine und Organisationen sind mit Ständen vertreten und informieren zum Rad- und Wassertourismus sowie über das Schiffshebewerk. Der Förderverein Technische Denkmale in Sachsen-Anhalt e.V. stellt seine aktuelle Spendenaktion zugunsten des technischen Denkmals vor.
Auch für das leibliche Wohl der Gäste ist gesorgt.
Zur Eröffnung des Schiffshebewerks startet das Fahrgastschiff „Sachsen-Anhalt“ um 13:00 Uhr ab Petriförder zu einer Sonderfahrt mit Aufenthalt am Schiffshebewerk. Von ca. 14:15 bis 16:00 Uhr besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an der Eröffnungsveranstaltung. Auch wird in diesem Zeitraum eine Schleusungsfahrt durch das Schiffshebewerk zum Preis von 4,00 € angeboten. Die Rückfahrt zum Petriförder erfolgt um 16:00 Uhr. Der Fahrpreis pro Person beträgt 18,00 €. Reservierungen für diese Schifffahrt sowie die Bezahlung der Karten erfolgt über die Agentur ESPRIT in Magdeburg - Telefon 0391-543 56 85.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club bietet eine Radtour von der Innenstadt zum Veranstaltungsort an. Treffpunkt ist am Goldenen Reiter auf dem Alten Markt. Abfahrt ist um 9:00 Uhr, Eintreffen gegen 11:00 Uhr am Schiffshebewerk.
Die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) haben als besonderen Service einen Bus-Zubringer eingerichtet in Verlängerung des Schienenersatzverkehrs ab Haltestelle Pettenkoferstraße bis zum Schiffshebewerk.
Besucher der Veranstaltung, die mit dem PKW kommen, nutzen bitte den Besucherparkplatz ca. 100 m südlich der Sparschleuse. Hier stehen mehr als 210 Einstellplätze zur Verfügung.
Hintergrund
Seit der 2006 per Erlass des Bundesverkehrsministeriums verfügten Stilllegung des Schiffshebewerks in Magdeburg-Rothensee wurde seitens der Landeshauptstadt Magdeburg gemeinsam mit der Region, dem Land Sachsen-Anhalt, dem Förderverein Technische Denkmale Sachsen-Anhalt e.V. und weiteren Akteuren an tragfähigen Lösungen für einen saisonalen touristischenWeiterbetrieb dieser einzigartigen denkmalgeschützten Anlage gearbeitet.
Getragen wurden diese Bemühungen von Beginn an von den Bürgerinnen und Bürgern der Region, für die das Schiffshebewerk eine große identitätsstiftende Bedeutung hat. Sichtbaren Ausdruck fand dies in den 56.000 Protestunterschriften, die nach Bekanntwerden der Stilllegungspläne in kurzer Zeit zusammenkamen und die am 7. Juli 2006 von Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper in Berlin dem Bundesverkehrsministerium übergeben wurden.
Nach jahrelangen Bemühungen gelang schließlich Mitte 2011 in den Gesprächen mit dem Bundesverkehrsministerium der Durchbruch, und es wurde eine konsensfähige Lösung für eine Wiederinbetriebnahme gefunden. Demnach verpachtet der Bund das Schiffshebewerk unentgeltlich an die Stadt Magdeburg. Der Bund bleibt Eigentümer des Schiffshebewerks, die Stadt Magdeburg betreibt die Anlage. Ein entsprechender, die rechtlichen Einzelheiten regelnder Nutzungsvertrag wurde am 15. Juni 2012 zwischen der Landeshauptstadt Magdeburg und dem Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg unterzeichnet. Ziel ist ein saisonaler Betrieb des Schiffshebewerks für touristische Zwecke. Nutzer der Anlage werden hauptsächlich die Fahrgastschifffahrt, Motorsportboote sowie muskelbetriebene Kleinfahrzeuge sein.
Vor einer Wiederaufnahme des laufenden Betriebs waren aufgrund der mehr als sechsjährigen Stilllegung umfangreiche und kostenintensive Instandsetzungsarbeiten erforderlich, um die Anlage wieder in einen funktionsfähigen Zustand zu versetzen. Nicht zuletzt waren sehr spezielle genehmigungsrechtliche Fragen und Zuständigkeiten zu klären. Auch darüber wurde zwischen den Beteiligten ein Konsens hergestellt.
Mit der Wiederinbetriebnahme des Schiffshebewerks Magdeburg-Rothensee trägt die Stadt Magdeburg mit Unterstützung ihrer Partner aktiv zum Erhalt und Ausbau einer wassertouristischen Infrastruktur bei, die nicht nur für Stadt und Region, sondern auch für das Land Sachsen-Anhalt und darüber hinaus eine erhebliche Bedeutung hat.
Das Schiffshebewerk in Magdeburg-Rothensee ist aufgrund seiner Technik und seiner Geschichte ein einzigartiges Denkmal. Es ist eine geniale Konstruktion, seine Errichtung war eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Von seiner Inbetriebnahme 1938 bis zur Stilllegung 2006 hat das Hebewerk nahezu störungsfrei funktioniert.
Darüber hinaus war das Bauwerk für die Ausflugsschifffahrt ein wichtiger Bestandteil der Routenplanung und hatte bald auch entscheidende Bedeutung für die Freizeitschifffahrt. Zusammen mit dem Wasserstraßenkreuz ist das Schiffshebewerk ein großer Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Jährlich zählen die Anlagen rund 100.000 Besucher.
1938 erbaut, überwindet das Schiffshebewerk ein Gefälle von maximal 18,5 Metern Wasserstand. Der Trog wiegt mit Wasserlast 5.400 Tonnen. Er ist 85 Meter lang, 12 Meter breit und hat eine Wassertiefe von 2,5 Metern. Den Gewichtsausgleich bewältigen zwei Stahlschwimmer mit einem Durchmesser von 10 Metern und einer Höhe von 35 Metern. Die Schwimmer befinden sich in Betonschächten mit 11 Metern Durchmesser.
Die Schachtung im Grundwasserbereich erfolgte im Gefrierverfahren. Die Schwimmer sind in drei Kammern unterteilt, die – der Tiefe entsprechend – mit Kompressoren unter Überdruck gehalten werden. Das bewegte System wird in senkrechter Richtung mit 4 Spindeln von 42 Zentimetern Durchmesser und 27 Metern Länge geführt, die auf Spezialdrehbänken hergestellt worden sind. Der Antrieb erfolgt mit acht 44-Kilowatt-Elektromotoren. Die Leistung betrug rund 2.000 Schiffe pro Monat bei einer Schleusungszeit von jeweils rund 20 Minuten.