Hofgeismar/Region Kassel. Elche sind auch nur Menschen: Für die Eingewöhnung in ihr neues rund 53.000 Quadratmeter großes Gehege im Tierpark Sababurg benötigten die vier Neuzugänge aus drei anderen Tierparken in Deutschland etwas Zeit. „Wir freuen uns, dass die Tiere den Transport gut überstanden und die neue Umgebung gut angenommen haben“, berichtet Vizelandrätin Susanne Selbert. Der Dank Selberts geht an die Tierpfleger im Tierpark, die sich in der Eingewöhnungszeit „aufopferungsvoll um die Elche gekümmert haben“. Der Transport der Elche wurde durch einen anerkannten Tier-Transporteur aus Walsrode durchgeführt.
Die vier Elche – 3 Kühe und ein Bulle – stammen aus dem Wildpark Potzberg (Rheinland-Pfalz), dem Wisentgehege Springe und dem Wildpark Hundshaupten (bei Forchheim/Bayern) und sind zwischen ein und zwei Jahren alt. Ihr Gewicht liegt zwischen 250 und 300 Kilo. Jedes Tier benötigt pro Tag eine Futterration von über neun Kilo.
„Die ersten beiden Elchkühe sind bereits am 9. Oktober angekommen“, informiert Selbert. Allerdings hatte eine zweijährige Kuh Probleme, die mit dem Umzug verbundene Aufregung zu verarbeiten. Selbert: „Wir wollten das Tier nicht noch zusätzlichem Stress aussetzen und haben daher versucht, die Elche in Ruhe ankommen zu lassen“. Alle Tiere stehen unter tierärztlicher Begutachtung und wurden von den Tierpflegern besonders betreut. „Elche sind Einzelgänger und Veränderungen bedeuten für sie immer zusätzlichen Stress“, ergänzt Uwe Pietsch, Leiter des Eigenbetriebs Jugend- und Freizeit des Landkreises Kassel, zu dem auch der Tierpark Sababurg gehört.
Das Tierparkteam sei glücklich, dass die Eingewöhnungszeit jetzt vorbei ist und die Tiere den Besuchern auch ohne Probleme präsentiert werden können.
Die Entscheidung, Elche im Tierpark aufzunehmen, war bereits 2009 gefallen. „In der Fortschreibung unserer Tierparkkonzeption haben wir den Elch damals als zukünftige Attraktion aufgenommen“, Selbert weiter. Der Elch gehörte bereits zu den Tierarten, die Landgraf Wilhelm IV. zu seinen Lebzeiten bei der Einrichtung des Tierparks unterhalb der Sababurg heimisch werden ließ. Selbert: „Der Elch hat also eine Tierparktradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht – damals wurden bis fünf Tiere gehalten“. Bis zur Neuansiedlung der Tiere mussten eine Reihe von Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehörte die Auswahl eines passenden Geländes und die Konzeptionierung des Geheges. Das Elchgehege ist Bestandteil des Tierparkkonzepts „Tiere ohne Grenzen“, mit dem den Besuchern ein noch direkteres und unmittelbares Erleben der Tiere ermöglicht werden soll. Das neue Gehege liegt im „wunderschönen, naturbelassenen hinteren Bereich des Tierparks“, so Selbert weiter, mit Blick über das gesamte Areal. Selbert: „Dies haben wir bewusst so gewählt, um auch diese abgelegenen Flächen des herrlichen Tierparkgeländes, attraktiver zu gestalten und unseren Besuchern näher zu bringen“.
Das Elchgehege liegt in der Nähe des Rentiergeheges und ist mit diesem über einen „Pirschpfad“ verbunden. „Dieser Pfad beginnt am Rondell und ermöglicht außergewöhnliche Einblicke in den Lebensraum von Elchen und Rentieren“, informiert Eigengenbetriebsleiter Pietsch.
Den Mittelpunkt der neuen Anlage bildet das Besucherhaus – die neue Elch-Lodge. Pietsch: „Von der Terrasse der Lodge kann man nach der Eröffnung die Tiere aus nächster Nähe ohne störenden Zaun in voller Größe sehen“. Die Besucher werden die Elche bei der Nahrungsaufnahme betrachten können. Dabei werde auch darauf geachtet, dass sich die Tiere von den Besuchern nicht gestört fühlen.
Außerdem bietet die Elch-Lodge Wetterschutz. Bei angenehmeren Temperaturen können die Tierparkbesucher hier auch picknicken. „Die Dimension der Elch-Lodge ist groß genug, um hier auch Seminare, Feierlichkeiten oder Sonderveranstaltungen durchzuführen“, erläutert Tierparkchef Pietsch.
Deshalb sei auch eine Toilettenanlage angegliedert. Die Elch-Lodge soll zukünftig auch von der Tierparkbahn angefahren werden.
Das Gehege selbst ist in vier Abteilungen untergliedert: das Hauptgehege, ein Nachgehege, ein Absperrgehege, in dem die Elche während der Eingewöhnungszeit untergebracht waren und ein Vorgehege. Außerdem gehört ein Tierhaus zur Anlage.
Hintergrund:
Der Elch ist die größte heute vorkommende Hirschart. Sein Lebensraum erstreckt sich über Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika. Ausgewachsene Tiere können bis zu 600 Kilo schwer werden. Im Sommer werden die Elche mit leichtverdaulicher nährstoffreicher Nahrung wie zum Beispiel Knospen, Blätter, Beeren und Wasserpflanzen gefüttert, im Winter erhalten sie Koniferenrinde, Birke, Föhre, Blaubeeressig, Erika und Kieferntriebe. Zusätzlich werden Luzerne und Heu, Äste und im Sommer Gras verfüttert. Im Tierpark erhalten die Tiere zwei Mal täglich eine Ration.
Die Gesamtkosten für Gehege und Lodge belaufen sich auf rund 700.000 Euro. Der Eigenbetrieb hat einen 50prozentigen Zuschuss des Landes Hessen für die Baumaßnahme erhalten.
Pressekontakt: Pressestelle LANDKREIS KASSEL, Harald Kühlborn
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