Vielfalt bereichert die Stadtgesellschaft
Hanauer Integrationspreis teilen sich sieben Vereine und Institutionen
Sie haben interkulturelles Miteinander in die Tat umgesetzt - die Preisträger des Ersten Hanauer Integrationspreises zu Ehren von Murat Köse. Das vom Ausländerbeirat der Stadt Hanau gestiftete Preisgeld von 5000 Euro teilen sich sieben Vereine und Institutionen. Über je 1000 Euro freuen sich die Stadtteilmütter Lamboy-Tümpelgarten, das Familiennetzwerk Hanau und die Initiative Jugendliche ohne Grenzen. Je 500 Euro erhalten der Verein Culture to Culture (C2C), das Freizeit- und Lernzentrum Hanau, der Muslimische Arbeitskreis Hanau und der Kultur- und Sportverein Bosnien und Herzegowina Hanau.
In Stadt Hanau leben mehr als 91.000 Menschen aus 136 Nationen, jeder vierte hat ausländische Wurzeln. „Diese Vielfalt ist eine Bereicherung unserer Stadtgesellschaft“, rief der Vorsitzende des Ausländerbeirats, Atilla Ilkhan, dem Publikum bei der Preisverleihung in der Steinheimer Kulturhalle zu. Offenheit, Toleranz, Solidarität und gegenseitiges Verständnis seien fest verankert. Einer, der sich diesen Werten verschrieben hatte, war Murat Köse. Dem im Januar 2012 mit nur 39 Jahren plötzlich verstorbenen ehemaligen Ausländerbeiratsvorsitzende ist der Integrationspreis gewidmet. Der an Muskeldystrophie Erkrankte, der im Rollstuhl saß, kämpfte für Integration und Teilhabe, mischte sich ein die Stadtpolitik, war eine Stimme, die gehört wurde. Integration sei für ihn keine Worthülse gewesen ist Ilkan überzeugt.
An vielen Stellen in der Brüder-Grimm-Stadt biete die ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt einen nahezu unerschöpflichen Fundus an interessanten und abwechslungsreichen Geschichten gelungener Integrationsarbeit, das werde bei der Verleihung des Integrationspreises deutlich, betonte Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel. „Diese Vielfalt sollten wir als Chance annehmen.“ Die Stadt Hanau habe das getan. Mit dem Integrationskonzept und der Teilnahme an der Modellregion Integration in den vergangenen drei Jahren seien Programme zur interkulturellen Öffnung der Verwaltung und der Vereine angestoßen worden. „Doch nicht so sehr die große Politik, sondern der einzelne Mensch trägt letztlich in seinem unmittelbaren Lebensumfeld dazu bei, dass Integration gelingt und gelebt wird." Die Frage der Integration der Menschen mit ausländischen Wurzeln entscheide mit über die Zukunftsfähigkeit Hanaus. „Das großartige und vielfältige bürgerschaftliche Engagement, das in den Projekten sichtbar wird, verdient unsere besondere Anerkennung und unseren Respekt."
Die Jury sei sich einig gewesen, dass alle 18 eingereichten Projekte preiswürdig seien. Rüdiger Arlt (TG Hanau), Nils Galle (Sparkasse Hanau), Thomas Göbel (Förderverein Kultur in Großauheim), Peter Oppelt (Internationaler Bund), Gabi Schaar-von Römer (Umweltzentrum Stadt Hanau), Atilla Ilkhan und Ercan Celik (Ausländerbeirat) sowie Stadtrat Weiss-Thiel entschieden deshalb, das Preisgeld unter sieben Bewerbern aufzuteilen und die anderen Elf mit Urkunden zu bedenken.
Die Stadtteilmütter sind ein Kooperationsprojekt der Stadt Hanau mit dem Familien- und Jugendhilfeverein Sprungbrett, der sie qualifiziert hat und fachlich begleitet. Die fünf Frauen mit ausländischen Wurzeln wirken seit 2011 im Stadtteil Lamboy-Tümpelgarten als Brückenbauerinnen in die soziale Infrastruktur, klären unter anderem über Bildungswege, Gesundheitsvorsorge, Erziehung und Ernährung auf.
Das Familiennetzwerk Hanau erhielt das Preisgeld für das Integrationsprojekt „Gemeinsam in die Zukunft“ mit der Alevitischen Gemeinde Hanau. Erste Kontakte knüpften sie in den Workshops Interkulturelle Kommunikation und Vereinscoaching im Rahmen der Modellregion Integration. An ihrem großen gemeinsamen Zirkusprojekt im August dieses Jahres nahmen 64 Kinder aus zehn Nationen teil.
Über 1000 Euro freut sich auch „Jugendliche ohne Grenzen Hanau“, eine Initiative von jugendlichen Flüchtlingen, die von Abschiebung bedroht waren oder sind. Die Gruppe wurden 2006 in der Brüder-Grimm-Stadt gegründet, ist an den Internationalen Bund angedockt und setzt sich für das Recht auf Bildung und gesellschaftliche Teilhabe ein.
Nicht minder glücklich über das Preisgeld von 500 Euro ist der Verein zur Förderung von internationaler Kultur und Völkerverständigung C2C (Culture to Culture), der in Kooperation mit dem Kinopolis bereits die zweiten Internationalen Hanauer Filmtage veranstaltete und durch Filme Brücken zwischen den Kulturen bauen will. Das Freizeit- und Lernzentrum Hanau wurde für sein Mentorenprojekt ausgezeichnet, bei dem Studenten Schülerinnen und Schülern mit gleichem kulturellem und sozialem Hintergrund auf ihrem Weg begleiten, motivieren und unterstützen. Der Muslimische Arbeitskreis Hanau (MAH) überzeugte mit seiner Weiterbildung für Pflegekräfte im kultursensiblen Umgang mit Menschen in Pflegeeinrichtungen und Kliniken. Der Kultur- und Sportverein (KSV) Bosnien und Herzegowina 1994 Hanau baut auf interkulturelle Begegnungen auf sportlicher Ebene. Die Vorstände des KSV und des VfR Kesselstadt haben ebenfalls beim Vereinscoaching der Modellregion Integration zusammengefunden und organisieren unter anderem gemeinsam Fußballturniere. Mit Urkunden bedacht wurden der FC 1893 Hanau in Kooperation mit Hilalspor, der Verein Freundschaft mit Nilüfer, der deutsch-russische Verein KID (Kooperative zur Integration in Deutschland), der Islamische Verein, der Internationale Bund, die Pfarrei Heilig Geist mit den Lamboykids und RSV Hilalspor in Kooperation mit dem 1. FC Hanau.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Andrea Freund, Telefon 06181/295-488
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Die Preisträger auf der Bühne der Kulturhalle Steinheim. Foto: Stadt Hanau
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