Mit Schließdienst auf dem Hauptfriedhof unterwegs
-Hanau tut einiges für die Sicherheit auf den städtischen Gräberfeldern
Die Dunkelheit bricht herein über dem Hanauer Hauptfriedhof. Wer jetzt mitten auf dem 14 Hektar großen Gelände unterwegs ist und dieses bei einbrechender Nacht nicht kennt, nimmt zunächst nur wenige Lichtquellen wahr - entfernt, jenseits der Umfriedung. „Das Auge stellt sich schnell auf die Dunkelheit ein“, beruhigt Thomas Asbach. Der Friedhofseinsatzleiter vom Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) versieht an diesem Abend wieder den Schließdienst – auf dem Fahrrad und ohne Scheinwerfer. Diese Kontrolle gehört ebenso zu den regelmäßigen Vorkehrungen von HIS unliebsame Besucher aufzuspüren, wie Gänge tagsüber und regelmäßige Streifenfahrten von Stadtpolizei und staatlicher Polizei.
Gegen 16.45 Uhr sperrt die Friedhofsverwaltung die Tore an der Birkenhainer Straße zu, am Industrieweg und an der Ehrensäule, wo sich der Haupteingang befindet. Plötzlich sind die Scheinwerfer eines Polizeiautos in der Birkenhainer Straße zu sehen. Asbach erkennt das Fahrzeug aus Erfahrung auch im Dunkeln und auch aus der Ferne. „Die rufen morgen bestimmt an und fragen, warum das Tor dort diesmal später als üblich verschlossen worden ist“, vermutet er. Die Uhr zeigt schon einige Minuten nach Fünf.
Die Querachse zwischen nördlichem und südlichem Seiteneingang ist bei Fußgängern beliebt als Abkürzung zwischen Hauptbahnhof und Dunlop-Viertel. Nach Fünf dürfte dort eigentlich niemand mehr unterwegs sein, das ist an diesem Abend aber doch der Fall. Auf dem Weg zum Eingang am Industrieweg ist schemenhaft ein Passant zu sehen, aber auf dem schnell per Rad zurückgelegten Weg bis zum Tor nicht mehr ausfindig zu machen. „Vielleicht ist er zurück gelaufen“, vermutet Asbach. Unerkannt zwischen den Gräbern zu bleiben, wäre nur schlüssig, wenn es sich um einen Dieb handelte. Aber am nächsten Tag sind keine Verluste zu verzeichnen.
Wenn es im Frühling und Sommer abends länger hell ist und noch jemand schnell am Grab von Anverwandten gießen will, dann drückt Asbach schon mal ein Auge zu und zögert die Schließzeit um einige Minuten hinaus. „Dann sage ich, ich sperre erst auf der anderen Seite zu und komme dann zurück“, erklärt er. Bis dahin müssen die Last-Minute-Besucher das Gelände wieder verlassen haben.
Einen zusätzlichen Ausgang auf der Südseite des Hauptfriedhofs hält HIS dauerhaft versperrt, um bei einem Überfall diese zusätzliche Fluchtmöglichkeit zu nehmen. Damit reagierte der städtische Eigenbetrieb auf die jüngsten beiden Raubüberfälle im November 2013, deren Opfer jeweils ältere Frauen waren. Freilich beruhigt Stadtrat Andreas Kowol, zuständig auch für Hanaus Grünflächen: „Statistisch gesehen ist der Hauptfriedhof trotz seiner Weitläufigkeit kein besonderen Schwerpunkt von Diebstählen. Vielmehr ist eine hohe Sicherheit gegeben.“
Die Opfer der Überfälle waren jeweils ältere Frauen. Ihnen wurde die Handtasche gestohlen. Wer einen Grabbesuch abstatte, findet HIS-Fachmann Asbach, solle die Handtasche „besser erst gar nicht mitnehmen und gegebenenfalls im Auto lassen“. Er habe schon beobachtet, wie eine mit Grabpflege Beschäftigte ihre Handtasche „einige Meter weit entfernt auf einer Hecke abgelegt“ habe. Diese Gelegenheit zum Diebstahl sollte gar nicht erst entstehen, rät er. – Die Kriminalpolizei gibt übrigens ähnliche Tipps: Handtaschen seien zu vermeiden und gegebenenfalls eine Bauchtasche zu bevorzugen
Räuberische Übergriffe seien keineswegs ein Spezifikum der Dämmer- und Abendzeit, erzählt Asbach, während er die öffentliche Toilette am Baumgräberfeld kontrolliert und abschließt. Dies wiederholt er im WC des Verwaltungsgebäudes und schließt als letztes das Haupttor.
Was es heißt, Opfer eines Überfalls zu werden, bekam eine Beschäftigte der städtischen Friedhofsverwaltung Ende vergangenen Jahres auf einem Gräberfeld in einem Stadtteil am eigenen Leib zu spüren. Der Täter, mittlerweile in psychiatrischer Behandlung, ergriff ihre Handgelenke und riss sie zu Boden. „Als ich laut wurde, ließ er von mir ab. Mit meinem massiven Auftreten hatte er nicht gerechnet“, erzählt sie. Sie zeigte den Mann an.
Ihr Handeln entspricht dem, was die Kripo rät: Aufmerksamkeit erwecken und mit einem Überraschungseffekt den Täter verblüffen. Gegebenenfalls sogar mit einer zum Einsatz kommenden Trillerpfeife aus der Hosentasche.
Stadtrat Kowol findet: „Wer all die Hinweise zur Vorbeugung beachtet, sollte auf dem Hanauer Hauptfriedhof keine Angst haben.“
Pressekontakt: Stadt Hanau, Joachim Haas-Feldmann, Telefon 06181/295-266
Zu dieser Meldung können wir Ihnen folgende Medien anbieten:
Schließgang 1
Thomas Asbach schließt die Eingangstore des Hanauer Hauptfriedhofs, nachdem die Dunkelheit eingebrochen ist.
Schließgang 2
Auch die öffentlichen Toiletten gehören während des Schließgangs zu den Kontrollpunkten von Asbach.
Schließgang 3
In den Wintermonaten ist der Friefhof schon vor 17 Uhr geschlossen.
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