Hanau schließt Hubschrauber-Einsätze gegen Stechmücken in diesem Jahr nicht aus
Neue Kartierung zeigt Verbreitung der plagenden Insekten
„Wir lassen Hanaus Bürgerinnen und Bürger nicht allein, wenn die gegen Stechmücken kämpfen. Das gilt erst recht, wenn in diesem Jahr wieder eine Schnakenplage einsetzen sollte wie im Juni 2013“, verspricht Oberbürgermeister Claus Kaminsky. In einer Pressekonferenz stellte die Stadt Hanau ein Kartierungsgutachten vor, mit dem sie den Diplom-Biologen Dirk Reichle von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. (KABS) betraut hatte.
Aufgrund dieser Ergebnisse schließen Kaminsky und Umweltdezernent Andreas Kowol nicht aus, dass bei ähnlicher Hochwasserlage wie im Juni 2013 Hubschraubereinsätze zum Bekämpfen der Schnaken nötig werden. Daher ist Reichle bereits beauftragt ein einige Wochen dauerndes Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium vorzubereiten. Das ist nötig, damit vor allem in den vielen Hanauer Naturschutzgebieten die Brutstätten aus der Luft bekämpft werden können. „Bei starkem Aufkommen der hoch produktiven Schnaken ist der Hubschraubereinsatz dort das einzig wirksame Mittel“, begründet Kowol diese einige zehntausend Euro teure Methode.
Denn das Kartierungsgutachten hat gezeigt, dass die Brutgebiete so zersiedelt sind, dass sie am besten aus der Luft wirksam bekämpft werden können. Da diese feuchten Zonen auch in Nachbarkommunen hinein ragen, ist der Einsatz nach Ansicht der Fachleute über die Grenzen der Brüder-Grimm-Stadt hinaus sinnvoll. „Sonst würden wir nur auf Hanauer Gebiet handeln und Gefahr laufen, dass dann Schnaken von außerhalb der Stadtgrenze zu uns vordringen“, begründet Kowol.
Die Kartierung hat auch gezeigt, dass viele alte Bombentrichter aus dem Zweiten Weltkrieg ebenso zu den bevorzugten Brutstätten der Schnaken gehören wie die Natur- und Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Schutzgebiete. Reichle ist nun mit der Einsatzplanung beauftragt, wann welche Gebiete gegebenenfalls beflogen werden sollen.
„Ich hoffe, die nächsten Wochen bescheren uns kein Hochwasser wie 2013“, bekennt OB Kaminsky, denn das „würde unseren Haushalt schonen“. Seien aber Hubschraubereinsätze vonnöten, stellt er zugleich unmissverständlich klar, dann würden sie auch stattfinden.
Voraussetzung sei eine Genehmigung des Regierungspräsidenten, der zuvor die Naturschutzverbände anhören müsse. Einzuschalten sei auch Hessen-Forst, denn in der Bulau würden bei starkem Schnakenbefall ebenfalls Einsätze aus der Luft nötig. Mit seinen Bürgermeisterkollegen in Maintal, Bruchköbel, Erlensee und Großkrotzenburg will Kaminsky Kontakt aufnehmen, um eventuelle nötig Hubschrauberflüge über dem Gebiet der Nachbarkommunen zu ermöglichen.
Gutachter Reichle zeigte in der Pressekonferenz, wie er bei der mit der Stadt abgestimmten Kartierung vorgegangen ist. Als erste Grundlagen dienten Karten und Luftbilder, anhand derer die KABS-Fachleute ins Gelände gingen, um die Brutstätten erfassen und durch Schöpfproben Schnakenlarven erfassen zu können.
Zu kartieren waren fast 192 Hektar, davon sind etwas mehr als 79 Hektar Natur- und annährend 20 Hektar FFH-Schutzgebiete. Hinzu kamen immerhin 319 erfasste Bombentrichter. Reichle untersuchte Erlenbruchwälder, bruchwaldähnliche Biotope wie beispielsweise in der Nähe des Golfplatzes Wilhelmsbad, Auenbereiche an Flüssen und Bächen, Entwässerungsgräben und Senken mit Druckwasser. Er wies vier unterschiedliche Larvenarten nach, erfasste deren Wachstumszustand und Dichte pro Liter.
Daraus ergab sich folgende Einschätzung: „Hoch potente“ Brutgebiete von Waldmücken schreibt er dem Norden Hanaus uns dem Naturschutzgebiet (NSG) Untere Fasanerie zu, ebenso dem NSG Rote Lache bei Wolfgang und der Schifflache bei Großauheim. Ein „Hausmücken-Problem“ sieht er in zahlreichen Schrebergärten, wenn nach Hochwässern Restwasserflächen entstehen und sich Regentonnen gefüllt haben.
Reichle schlägt vor auf insgesamt rund 128 Hektar Fläche biologisch Stechmücken zu bekämpfen. Davon liegen 97 Hektar in Hanau und 31 Hektar auf dem Gebiet von Nachbarkommunen.
Tabletten mit dem biologischen Wirkstoff Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) an die Bürger auszuteilen, die diese in Regenwassertonnen und Gartenteichen gegen die Schnaken einsetzen können, gehört zu seinen Vorschlägen. Die hatte die Stadt Hanau 2013 schon ausgegeben, das Angebot wurde vielfach angenommen. „Solche Tabs bieten wir auch in diesem Jahr allemal an, egal ob ein Hochwasser droht oder nicht“, stellte OB Kaminsky bei der Pressekonferenz in Aussicht.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Joachim Haas-Feldmann, Telefon 06181/295-266
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