
Kreis Steinfurt. Der gerade erschienene nationale Bildungsbericht bescheinigt Kindern in Kitas gute Bildungschancen. „Deshalb ist es wichtig, dass immer mehr Kinder dort früh einen Platz bekommen“, ist Dr. Peter Lüttmann, Sozial- und Jugenddezernent des Kreises Steinfurt, überzeugt. Hier wurde in den vergangenen Jahren Gewaltiges geleistet – nicht nur im Kreis Steinfurt.
Der Turbo-Ausbau in deutschen Kindergärten hat die Betreuungsquote für unter Dreijährige hochschnellen lassen, auf durchschnittlich 24 Prozent in West- und auf 50 Prozent in Ostdeutschland, mit stetig wachsender Tendenz. Und das gilt auch für das Jugendamt des Kreises Steinfurt. „Wir liegen mit unserer Ausbauquote voll im Trend“, freut sich Dr. Lüttmann über die guten Noten des Bildungsberichts. Der Vergleich der Zahlen macht den Erfolg deutlich: „Bei uns stehen heute für 44 Prozent aller unter Dreijährigen Plätze zur Verfügung. Vor vier Jahren waren es noch 14,7 Prozent.“
Der von einer Autorengruppe aus renommierten Instituten verfasste Bericht, der von der Bundesregierung und der Kultusministerkonferenz gefördert wird, gibt den deutschen Jugendämtern Bestnoten für den Betreuungsausbau.
Eine Schieflage bleibt noch: Kinder aus bildungsfernen Familien und Migrantenkinder - also gerade die, die besonders von früher Bildung in Kitas profitieren könnten - kommen im Schnitt erst ein Jahr später in die Kita als andere Kinder. „Das gilt auch für unsere Region, und wir müssen die Zugänge für diese Zielgruppe verbessern“, ist die erste Reaktion von Tilman Fuchs, Leiter des Kreisjugendamtes, der den Bildungsbericht als gute Vorlage für die regionale Entwicklung der Jugendhilfe sieht.
Dem quantitativen Ausbau müsse nun auch eine qualitative Weiterentwicklung folgen. „Die Zeitanteile, die ein Kind bis zur Einschulung zu Hause oder in einer Institution verbringt, haben sich deutlich verschoben“, folgert Fuchs und sieht in dieser Entwicklung einen wichtigen Grund mehr für gute Qualität in Kitas. „Wenn wir wollen, dass Kinder bestmöglich und früh gefördert werden, dann ist die staatliche Verantwortung mit dieser Entwicklung gewachsen“, nimmt sich der Jugendamtsleiter selbst in die Pflicht.
Damit sich kleine Kinder gut entwickeln können, brauche es viel Fachkunde, kleine Gruppen und vor allem Zeit. „Und diese Qualität kostet Geld“, hofft Dr. Lüttmann auf die gesellschaftliche Akzeptanz für diese Zukunftsaufgabe der Jugendämter, die vor einer Bildungs- und Qualitätsoffensive aus Sicht der kindlichen Bedürfnisse stünden.
Besonders in den Bereichen Bildung/Sprache und Bewegung/Ernährung sehen Dr. Lüttmann und Tilmann Fuchs Schwerpunkte, die bereits jetzt einen hohen Stellenwert im Kreis Steinfurt haben und weiter im Blick zu halten sind. „Neben dem durch die Zusammenarbeit im regionalen Bildungsnetzwerk gut organisierten Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Schule sind vor allem die Angebote der Bewegungskindergärten und der Einrichtungen mit dem Schwerpunkt einer gesunden Ernährung in der Region schon vorbildlich“, so Dr. Lüttmann, „hier gilt es, weiter konsequent am Ball zu bleiben.“