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Hanau, 13. August 2014
Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge geplant
Weiss-Thiel: Betreuungskonzept gemeinsam mit dem Runden Tisch Asyl

Das Flüchtlingsdrama im nahen und mittleren Osten und in Afrika zeigt auch in der Brüder-Grimm-Stadt Wirkung. Die Zahl der ausländischen Flüchtlinge, die Hanau nach dem Landesaufnahmesetz vom Main-Kinzig-Kreis zugewiesen werden, ist in zwei Jahren um 151 Prozent gestiegen. „Bislang konnten wir unter großen Kraftanstrengungen unser Ziel umsetzen, Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterbringen“, betont Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel. „Doch mittlerweile sind unsere Kapazitäten nahezu erschöpft.“ Eine interne Arbeitsgruppe der Stadt hat unter Einbeziehung des Main-Kinzig-Kreises mehrere Unterkunftsvarianten als Erstaufnahmeeinrichtung vorrangig auf Konversionsgelände geprüft. Für Magistrat und Stadtverordnetenversammlung wird nun dazu eine Vorlage zur Diskussion und Beschlussfassung vorbereitet. „Als bestmöglicher Standort hat sich auch nach Diskussion in der Koalitionsrunde Sportsfield Housing zwischen der Innenstadt und dem Stadtteil Wolfgang herauskristallisiert“, so Weiss-Thiel.

Geplant ist eine Erstaufnahmeeinrichtung für zunächst 170 Flüchtlinge, die möglichst flexibel den tatsächlichen Bedarfen angepasst werden könnte. „Niemand kann vorhersehen“, sagt der Sozialdezernent, „ob sich die Krisensituationen und die humanitäre Lage südlich von Europa und im Mittelmeer weiter verschärfen oder zum Besseren wenden.“ Die Stadt Hanau ist gesetzlich verpflichtet, Asylsuchende aufzunehmen und mit Obdach zu versorgen. Sie werden über Bundes- und Landeseinrichtungen den Landkreisen zugewiesen und von dort weiter an die einzelnen Städte und Gemeinden. Der Verteilungsschlüssel orientiert sich an der Bevölkerungszahl. Bis Jahresende wird der Main-Kinzig-Kreis der Stadt Hanau 485 Personen zugewiesen haben. Aktuell leben 356 ausländische Flüchtlinge aus Afghanistan (39 Prozent), Somalia (24 Prozent), Eritrea (11 Prozent), Pakistan (9 Prozent) und Iran (8 Prozent) im Stadtgebiet, der Großteil von ihnen in Mietwohnungen der Baugesellschaft und der Nassauischen Heimstätte. Angebote von Privatleuten sind nach Aussage von Axel Weiss-Thiel „leider überschaubar“.

Der Druck auf preisgünstigen Wohnraum steige in Hanau wie im gesamten Ballungsraum Rhein-Main. Trotz der erfreulichen Kooperationsbereitschaft der Wohnungsbaugesellschaften, Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, seien auch sie an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen. „Wir möchten sie in ihrem normalen Vermietungsgeschäft nicht mehr über Gebühr belasten“, betont der Sozialdezernent. „Mit einer Erstaufnahmeeinrichtung hätten wir einen Puffer, der uns Zeit gibt, für die Flüchtlinge dezentral Wohnraum zu suchen.“ Diese nach Ansicht Weiss-Thiels  nach wie vor nur „zweitbeste Lösung“ sei immer noch besser als Container oder Zelte aufzustellen. „Das wollen wir den ohnehin schon traumatisierten Menschen, vor allem den Familien, nicht zumuten.“ Die geplante Erstaufnahmestelle solle keine Dauereinrichtung werden, sondern vor allem der  vorübergehenden Entspannung auf dem Wohnungsmarkt dienen, bekräftigt er. Sportsfield Housing müsse durch seine Nähe zu Bahnlinie, Bundesstraße und Industrie aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen für dauerhaftes „klassisches Wohnen“ ausgeschlossen werden. Eine zeitlich begrenzte Unterbringung von  Asylbewerbern könne jedoch genehmigt werden.

Die Arbeitsgruppe aus Fachleuten des Stadtplanungsamtes, des Fachbereichs Bildung, Soziale Dienste und Integration und des Main-Kinzig-Kreises habe lange um die Variante  Erstaufnahmeeinrichtung gerungen, berichtet der Sozialdezernent. „Wir hatten die schwierige Aufgabe, wirtschaftliche Aspekte und eine menschenwürdige, integrationsfördernde  Unterbringung unter einen Hut zu bringen.“

Die Wohnblocks und die Versorgungsleitungen in  Sportsfield Housing seien in einem so guten Zustand, dass  die Investitionskosten  mit rund einer Million Euro  vertretbar seien, so Weiss-Thiel. Sportfields- Housing südlich der Aschaffenburger Straße gehört zum Gesamtkomplex Pionieer-Kaserne, den die Stadt kaufen will, um dort unter anderem Wohnbebauung zu entwickeln. Auch die Underwood-Kaserne in Großauheim sei als einer von mehreren möglichen Standorten geprüft, allerdings aufgrund geschätzter Investitionskosten von rund vier Millionen Euro verworfen worden.

Die Nähe von Sportsfield Housing zur Innenstadt erleichtert nach Einschätzung des Stadtrats den Zugang zur städtischen Infrastruktur. Wesentlicher Baustein im Kontext einer Erstaufnahmeeinrichtung sei die Förderung des sozialen Zusammenhalts und einer Willkommenskultur. „Wir werden in Zusammenarbeit mit dem Kreis und freien Trägern ein Konzept entwickeln, um die Flüchtlinge dabei zu unterstützen, ihren Alltag zu organisieren. Dazu zählen die Säulen Sprache und Bildung sowie soziale Integration durch Sport und andere Freizeitangebote.“ Dem Runden Tisch Asyl komme hierbei eine bedeutende Rolle zu, so der Stadtrat. Er wird die Mitglieder, darunter vor allem Vertreterinnen und Vertreter von Sozialverbänden und Kirchengemeinden, nach den Sommerferien über die neuesten Entwicklungen und Pläne der Stadt informieren und um ihre Mitarbeit bitten. Den Main-Kinzig-Kreis will er ebenfalls mit an den Tisch bitten.  Die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler habe bereits ihre Unterstützung zugesagt.



Pressekontakt: Stadt Hanau, Andrea Freund, Telefon 06181/295-488


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