Jugendverkehrsschule in Hanau mit neuem Transporter
Fast 95 Prozent aller Kinder in vierten Klassen nehmen jedes Jahr an der Radfahrausbildung in der Grundschule teil und sind stolz auf ihr Teilnahme-Zertifikat - einen Fahrradpass, einen Wimpel oder eine andere Anerkennung. Die Prüfungen und das intensive Üben vorab leisten Mitarbeitende der Jugendverkehrsschule (JVS) an den Grundschulen der Stadt Hanau mit Hilfe eines Einsatzfahrzeuges, in dem unter anderem Schilder sowie Fahrräder untergebracht sind. Ein neues Fahrzeug für die Jugendverkehrsschule des Polizeipräsidiums Südosthessen hat Oberbürgermeister Claus Kaminsky nun offiziell an Polizei-Vizepräsidentin Anja Wetz übergeben.
Das neue Fahrzeug kostete mit dem dazu gehörenden Equipment insgesamt etwa 47.000 Euro. Es wird von der Jugendverkehrsschule im Rahmen der Verkehrsausbildung intensiv eingesetzt. Der Transporter ersetzt ein 16 Jahre altes Modell, das durch den Dauergebrauch bereits erhebliche Verschleißerscheinungen aufwies. „Deshalb hat sich die Stadt entschlossen, ein neues Fahrzeug bereitzustellen“, betonte der Oberbürgermeister. Darin können auch Fahrräder transportiert werden, die bei der Ausbildung der Grundschülerinnen und -schüler Verwendung finden. Kaminsky: „Allerdings ist es wünschenswert, dass die Kinder – soweit möglich – mit eigenen Fahrrädern an der Ausbildung teilnehmen, da sie ihre eigenen Räder gewohnt sind und sich darauf grundsätzlich sicherer fühlen.“
Ziel der Verkehrsausbildung ist neben dem primären Vermitteln der Verhaltensregeln im Straßenverkehr die Unfallprävention und somit das Senken der Unfallzahlen. „Die Ausbildungseinheiten der Jugendverkehrsschule, für die in der Stadt zwei Mitarbeiterinnen unterwegs sind, finden jeweils in den 4. Klassen der Grundschulen sowie den Kindergärten innerhalb der Kernstadt und der Stadtteile statt“, machte Polizeivizepräsidentin Wetz deutlich. Im vorigen Schuljahr waren die Polizisten der Jugendverkehrsschule in Hanau an 21 Schulen und in 52 Klassen tätig. Dabei wurden insgesamt 1011 Schüler darin unterrichtet, wie sie sicher durch den Straßenverkehr kommen. In 25 Hanauer Kinderbetreuungseinrichtungen erhielten 434 Vorschüler bei 77 Schulungseinheiten Unterricht in Theorie und Praxis.
Bei den Kindergarten-Kindern wird das sichere Verhalten als Fußgänger im Straßenverkehr vermittelt und eingeübt. Hingegen zielt die Ausbildung der Grundschüler darauf ab, sich sicher im fließenden Straßenverkehr zu bewegen, die Verkehrsregeln zu kennen und eventuelle Gefahrenlagen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.
Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Mangelnde Erfahrung und ein anderes Einschätzungsvermögen als Erwachsene führen zu einer besonderen Gefährdung der jüngsten Verkehrsteilnehmer. 2012 verunglückten laut Statistischem Bundesamt 29.321 Kinder, davon 73 tödlich. In Hanau waren im vergangenen Jahr sieben Kinder im Alter bis 13 Jahre als Fußgänger in Unfälle verwickelt; als Radfahrer verunglückte die gleiche Anzahl von ihnen. „Tödliche Unfälle mussten wir in dieser Altersgruppe glücklicherweise nicht registrieren, aber auch so ist jedes Unglück eines zu viel“, so Polizei-Vizepräsidentin Wetz.
Die statistischen Zahlen belegen zudem, dass Kinder bis zu ihrer Einschulung als Mitfahrende in einem Auto am meisten gefährdet sind, Grundschüler als Fußgänger und Kinder ab 10 Jahren als Radfahrer. Bei den 6- bis 14-Jährigen, die im Straßenverkehr auf dem Fahrrad oder als Fußgänger verunglückten, ergeben sich im Tagesverlauf und zu bestimmten Uhrzeiten klare Häufungen: So kamen statistisch gesehen die meisten Kinder in der Zeit zu Schaden, in der sie sich normalerweise auf dem Weg zur Schule oder zurück befinden. Als häufigste Unfallursache bei den 6- bis 14-jährigen Radfahrern, die an Unfällen mit Personenschaden beteiligt waren, wurde falsche Straßenbenutzung (22,7 Prozent) festgestellt, hier insbesondere die Nutzung der falschen Fahrbahn. Den gleichaltrigen Fußgängern wurde zum Verhängnis, dass sie beim Überschreiten der Fahrbahn nicht auf den Verkehr geachtet hatten (49,5 Prozent).
„Und genau hier setzt die Jugendverkehrsschule an“, erklärte Wetz. „Sie will die Kinder für diese Gefahren sensibilisieren und zeigen, wie sie in ganz bestimmten Verkehrssituationen richtig reagieren.“ Sie forderte in diesem Zusammenhang vor allem die Erwachsenen zur verstärkten Rücksicht auf. Autofahrer und Eltern sollten noch aufmerksamer im Straßenverkehr sein, denn immer noch entstünden die meisten Unfälle aufgrund von Unachtsamkeit und überhöhtem Tempo. Auch die Eltern sollten ihre Kinder über mögliche Gefahren aufklären.
Langfristig betrachtet verlieren glücklicherweise immer weniger Kinder ihr Leben im Straßenverkehr. Wurden in den 1950er Jahren noch mehr als 1000 im Straßenverkehr ums Leben gekommene Kinder pro Jahr gezählt, sank diese Zahl in den 1990er Jahren auf unter 500 und liegt seit 2010 kontinuierlich unter 100. „Dieser Rückgang ist sicher auch der guten Arbeit der Jugendverkehrsschulen zu verdanken“, so Oberbürgermeister Kaminsky. Das Geld für den neuen Transporter sei insofern „gut angelegt“.
Der neue JVS-Transporter wurde in der Gebeschusschule vorgestellt. Deren Leiterin Anne-Dorothea Stübing hob hervor, dass ihre Schule eine lange Tradition in der Verkehrs- und Mobilitätserziehung habe. So sei sie schon 1958 federführend darin gewesen Schülerlotsen auszubilden. Sylvia Ruppel, Leiterin des Staatlichen Schulamts, hielt der Stadt Hanau zugute, dass sie einen „ganz erheblichen Beitrag“ für die Verkehrserziehung der Kinder leiste.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Joachim Haas-Feldmann, Telefon 06181/295-266
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Jugendverkehrsschule
Schulleiterin Stübing, Oberbürgermeister Kaminsky, Schulamtsleiterin Ruppel, Polizei-Vizepräsidentin Wetz und Hanaus Stadtrat Weiss-Thiel (von links) überzeugen sich von den Ergebnissen der Verkehrserziehung, welche die Jugendverkehrsschule mit ihrem neuen Fahrzeug (im Hintergrund) leistet.
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