Mit dem Lied „Stille Nacht“ erinnert das Glockenspiel des Magdeburger Alten Rathauses an den historischen Weihnachtsfrieden auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges im Jahr 1914. Damit schließt sich der Magdeburger Glockenspieler (Carillonneur) Frank Müller dem weltweiten Aufruf der Carillonneure an, dieses in die Geschichte eingegangene Ereignis zu würdigen.
So spielt das Magdeburger Carillon Heiligabend und am 1. Weihnachtsfeiertag zur symbolischen Uhrzeit 19.14 Uhr eines der bekanntesten Weihnachtslieder überhaupt: „Stille Nacht“. Es wurde 1914 zur gleichen Zeit in den Schützengräben des 1. Weltkriegs in drei verschiedenen Sprachen gesungen (deutsch, französisch und englisch). Zur Erinnerung an diesen bemerkenswerten Augenblick der Hoffnung und der Menschlichkeit wird weltweit ein Carillon-Konzert veranstaltet, welches auf dem Friedens-Carillon im belgischen Mesen beginnen wird, da die Stadt im Mittelpunkt des Weihnachtsfriedens von 1914 stand.
Neben deutschen Glockenspielen werden auch unzählige Carillons in Belgien, Frankreich und Irland erklingen. Sogar Carillonneure aus Japan und den USA haben ihre Teilnahme an dem Gedenken zugesagt.
Historische Anmerkung
Am Weihnachtsabend 1914, als sich die Dunkelheit über eine brutale Landschaft von Schützengräben und Stacheldraht, aufgewühlte Erde und Leichen gefallener Soldaten senkte, ersetzten plötzlich Musik und Lieder das tödliche Getöse der Geschosse und Granaten entlang der Westfront. Der Klang von Weihnachtsliedern, welcher von den deutschen Linien kam, ließ neugierige britische, belgische und französische Soldaten über die Brüstungen der Schützengräben aufschauen. In der Ferne konnten sie den Schein von Kerzen auf kleinen Weihnachtsbäumen sehen. Das Gleiche taten die deutschen Soldaten. Keine Schüsse fielen. Ergriffen hoben einige Soldaten ihre Köpfe höher. Die Männer tauschten Begrüßungen aus. Feinde krochen aufeinander zu und erreichten sich schließlich. Sie schüttelten sich die Hände und vereinbarten einen Waffenstillstand für den folgenden Tag.
Am Morgen des Weihnachtsfestes trafen sie sich wieder. Sie hielten gemeinsame Gottesdienste und halfen sich gegenseitig ihre Toten zu begraben. Im Laufe des Tages teilten sie Tee und Kaffee, Wein, Bier und Cognac, Schokolade und Lebensmittel aus. Sie tauschten Kappen, Abzeichen und Knöpfe und zeigten sich Fotos von ihren Familien und Angehörigen. Sie haben sogar gemeinsame Fotos gemacht. Sie spielten Fußball und veranstalteten Radrennen. Der britische Historiker Piers Brendon nannte es "das außergewöhnlichste Weihnachtsfest seit jenem bemerkenswerten Geschehen in Bethlehem."