Bürgermeister Klaus Zimmermann hat heute Boris Kacel und seine Familie im Alten Rathaus empfangen. Boris Kacel, geboren 1921, war im Zweiten Weltkrieg von den Nazis aus Lettland verschleppt und unter anderem als Zwangsarbeiter in den Polte-Werken eingesetzt worden. Während des Empfangs im Rathaus trugen er und seine beiden Kinder sich in das Gästebuch der Landeshauptstadt Magdeburg ein.
Boris Kacels Familie hatte seit 1941 im Ghetto von Riga leben müssen, das die deutschen Besatzungstruppen für die jüdische Bevölkerung errichtet hatten. Seine Mutter, seine zwei jüngeren Schwestern und ein jüngerer Bruder wurden bald in einen anderen Teil des Ghettos gebracht und kamen bei einer „Evakuierung“ ums Leben. Kurz darauf wurden Kacel und sein Vater von den Nazis in insgesamt sieben verschiedene Konzentrationslager in vier europäischen Ländern eingesperrt. Letzte Station ihrer Gefangenschaft waren 1944 die Polte-Werke in Magdeburg, in denen sie Zwangsarbeit verrichten musste. In den letzten Kriegstagen wurden Boris Kacel und sein Vater getrennt. Im Frühjahr 1945 befreiten US-amerikanischen Truppen die Zwangsarbeiter der Polte-Werke, allerdings war Boris Kacel die Flucht bereits vorher geglückt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb er in der Stadt und arbeitete als Übersetzer für die sowjetische Administration; zunächst bei der Polizei in Magdeburg, danach für die Stadtverwaltung in Egeln. Er lebte bis 1947 in Magdeburg. Als er von der sowjetischen Armee festgenommen werden sollte, flüchtete er nach Berlin und emigrierte dann in die USA, wo er seinen Vater wiederfand.
Boris Kacel hat über seine Erlebnisse während des Naziregimes ein Buch geschrieben, das er 1999 an den damaligen Oberbürgermeister, Dr. Willi Polte, schickte. Es heißt „From Hell zu Redemption: Erinnerungen an den Holocaust“. In seinem Brief an Dr. Polte schrieb er, dass er gern das neu erbaute Magdeburg wiedersehen würde. In einem weiteren Schreiben vom September 2014 an Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper kündigte Boris Kacel einen Besuch gemeinsam mit seiner Tochter Sharon und seinem Sohn Steven für den Sommer 2015 an.
Boris Kacel und seine Familie sind noch bis Samstag in Magdeburg. Auf ihrem Programm stehen u.a. die Besichtigung des Denkmals der ehemaligen Synagoge und ein Besuch am Denkmal für die Zwangsarbeiter der ehemaligen Polte-Werke.