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Hanau, 10. Februar 2017
Platz an der Wallonisch-Niederländischen Kirche: Lokale Akteure diskutieren Vorentwurf

Er ist einer der letzten großen Bausteine des Stadtumbaus in Hanau: Der Platz an der Wallonisch-Niederländischen Kirche. Wie dieser umgestaltet werden soll, diese Diskussion der städtischen Fachleute mit lokalen Akteuren wie Anwohnern, Gastronomen und Einzelhandel hat jetzt begonnen. Grundlage dafür ist ein Vorentwurf mit verschiedenen Planungsvarianten des Büros „Die Landschaftsarchitekten“, das sich im Vergabeverfahren durchsetzte. Stadtrat Andreas Kowol betonte bei der Veranstaltung in der Wallonisch-Niederländischen Kirche, dass es in dem gerade begonnen Prozess um das Abwägen verschiedener Belange gehe: der südlichen  Innenstadt mit offenkundigem Defizit an Grünflächen mehr Aufenthaltsqualität zu geben und den Platz als solchen gestalterisch aufzuwerten; ebenso die Auswirkungen möglicherweise wegfallender ebenerdiger Parkplätze für Gastronomie, Einzelhandel und Wochenmarkt nicht aus dem Auge zu verlieren.

Martin Bieberle als Rathaus-Fachbereichsleiter Planen, Bauen, Umwelt  betonte, dass Stadtentwicklung „immer eine maximal öffentliche Angelegenheit“ sei. Deshalb sei es auch ausdrücklich Wunsch der politisch Verantwortlichen hier „wie beim  Stadtumbau bisher schon  gerade den kritischen Diskurs einzufordern“.  Dies dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass „am Ende eine Entscheidung keinesfalls alle Interessen gleichermaßen befrieden wird“.  

Hans-Ulrich Weicker, Leiter des Stadtplanungsamts, arbeitete in der Veranstaltung die historische Bedeutung der fünf Innenstadt-Plätze vom Schlossplatz bis zur Wallonisch-Niederländischen Kirche heraus. Ein solcher Stadtgrundriss     

sei „zumindest in Deutschland einzigartig“. Mit Fotos und Plänen aus mehreren Jahrhunderten führte er vor Augen, wie die Wallonisch-Niederländische Kirche vor der Zerstörung Hanaus 1945 durch U-förmig umliegende Baumreihen zur Geltung kam.

Dieses historische Vorbild nahm Petra Bittkau vom Büro „Die Landschaftsarchitekten“. Ihre Planentwürfe für einen autofreien Platz haben verschiedene Varianten. Sieunterscheiden sich in der unterschiedlichen Zahl von Bäumen um das Kirchendenkmal, im Anteil an gepflasterter Fläche vornehmlich auf der Nordseite des Platzes und in unterschiedlich großen Rasenflächen vornehmlich im Süden.

In allen Planentwürfen ist ein Schwerpunkt, das Denkmal des Neustadtgründers Graf-Philipp Ludwig II. und ein neu hinzukommendes Stadtrelief des Bildhauers Claus Bury besonders herauszuarbeiten. Dieses begehbare  Kunstwerk ist dem Neustadt-Grundriss von 1597 nachempfunden und mit Sitzgelegenheiten analog der alten Stadtmauern umfasst. Dazu sagte Kultur-Fachbereichsleiter Martin Hoppe, Bury begrüße es, dass dieser haptisch erfahrbare  Stadtplan mir umgebendem Rasengrün noch besser zur Geltung kommen würde. Ähnlich lauteten die Argumente von lokalen Akteuren, was die bessere städtebauliche Betonung des Kirchendenkmals angeht.

Kontrovers diskutiert wurde den in den Planentwürfen vorgesehene Wegfall der 120 beliebten Parkplätze um die Wallonisch-Niederländische  Kirche. Grundlage dafür war auch ein vom städtischen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) Erhebung des ruhenden Verkehrs, mit der die Durth Roos Cosulting GmbH beauftragt war. Deren Vertreter Hans-Joachim Fischer kommt zum Ergebnis, dass mittwochs und samstags zum Wochenmarkt 70 Kurzzeit-Parkplätze offenkundig auch von Wochenmarkt-Besuchenden genutzt würden; die anderen 50 Plätze von Anwohnenden und Langzeitparkern.

Stadtentwickler Martin Bieberle sagte, diese Zahl hätte er zwar höher erwartet. Aber für den Hanauer Einzelhandel, die Gastronomen und insbesondere den Wochenmarkt als  „Flagschiff des  Einkaufsstandortes, die er als Geschäftsführer der Hanauer Marketing GmbH auch im Auge haben müsse, sei es ein Unterschied, ob die Kunden an der Wallonisch-Niederländischen Kirche oder beispielsweise in den Forum-Parkbauten ihre Autos abstellen  sollten. Diese Alternative hatte Fischer beispielhaft als Alternative zum Platz am Kirchendenkmal genannt.

Stadtrat Kowol und HIS-Betriebsleiter Markus Henrich stellten heraus, dass auch bei einem autofreien Platz an der Wallonisch-Niederländischen Kirche in den Straßen drumherum – je nach Planungsvariante – einige  Dutzend Stellplätze zu erwarten wären. Hinzu komme, dass der Anteil der Anwohner-Parker abnehme, wenn weitere  Wohnhäuser erneuert würden  und dabei eine Tiefgarage entstehe.

Anwohner aus der südlichen Innenstadt beklagten, dass der Parksuchverkehr mit Ziel Wallonisch-Niederländische Kirche eine alttägliche starke Belastung sei. Weitere gaben zu bedenken, dass es insbesondere für Kinder und Familien in diesem Quartier viel zu wenige Grünflächen gebe.

Schließlich merkte ein Teilnehmer an, künftig seien durch veränderte Einstellungen der Menschen in den Innenstädten allgemein weniger Autos unterwegs. Dem pflichtete Stadtentwickler Bieberle nur teilweise bei: „In Metropolregionen wie der unseren werden wir künftig nicht mehr wertvollen öffentlichen Raum mit Autos zustellen.“ Nicht zu übersehen sei aber auch, dass die Fragestellung in der Gegenwart noch eine andere sei.

Einvernehmen gab es darin, dass es keinen Sinn machen würde, den jetzigen Parkplatz mit viel Aufwand zu einem neuen Parkplatz umzubauen. So gesehen ist  nach Auffassung von Martin Bieberle das Beibehalten des jetzigen Zustandes, ergänzt um einige überschaubare gestalterische Verbesserungen, „auch eine Variante“.  Stadtrat Kowol bedankte sich ausdrücklich für den „offenen, auch kontroversen, aber sehr sachorientierten Austausch“ und kündigte an, dass in den nächsten Monaten die Bürger ausführliche Mitsprachegelegenheit im gerade erst begonnen Planungsprozess hätten. So ist für Juni oder Juli ein erstes Bürgerwochenende vorgesehen. Nach den Sommerferien kommen die Lokalen Akteure wieder zu Wort. Die städtischen Gremien entscheiden nach bisherigem Planungsstand Ende 2017 über die Zukunft des Platzes an der Wallonisch-Niederländischen Kirche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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