Meldungsdatum: 09.07.2026
Die soziale Sicherheit in Deutschland ist wichtig. Genau deswegen ist es dringend geboten, dass Leistungen dort ankommen, wo sie tatsächlich benötigt werden. Um organisiertem Sozialleistungsmissbrauch wirksam entgegenzutreten, führt der Märkische Kreis das Kooperationsmodell „Missimo“ ein. Als erste Kommune beteiligt sich die Stadt Altena an dem Projekt.
„Missimo“ steht für Sozialleistungsmissbrauch im Zusammenhang mit Problemimmobilien und vernetzt unterschiedliche Behörden und Institutionen eng miteinander, um Verdachtsfälle zu prüfen und Missbrauch frühzeitig aufzudecken. Das Modellprojekt wurde vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen entwickelt und hat sich bereits in mehreren Kommunen bewährt. Statt isolierter Einzelprüfungen werden Informationen verschiedener Behörden innerhalb der geltenden rechtlichen Vorgaben zusammengeführt. Beteiligt sind unter anderem Polizei, Jobcenter, Einwohnermeldeamt, Gesundheitsamt, Jugendamt sowie Schulen. Auf dieser Grundlage können Auffälligkeiten überprüft werden, zum Beispiel dann, wenn Personen Leistungen beziehen, tatsächlich aber nicht mehr unter ihrer gemeldeten Anschrift wohnen oder sich Hinweise auf organisierte Strukturen ergeben.
Im Fokus stehen dabei oft sogenannte „Schrottimmobilien“, in denen Menschen unter prekären Bedingungen leben und teilweise gezielt zur missbräuchlichen Beantragung staatlicher Leistungen ausgenutzt werden. Gleichzeitig können im Rahmen gemeinsamer Kontrollen weitere Missstände sichtbar werden, etwa Verstöße gegen die Schulpflicht, melderechtliche Auffälligkeiten oder unzumutbare Wohnverhältnisse.
Altena erster Projektstandort
Landrat Ralf Schwarzkopf betont: „Wer Sozialleistungen bewusst oder organisiert missbraucht, schadet den Menschen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind, und untergräbt das Vertrauen in staatliches Handeln. Wir setzen nicht auf spektakuläre Einzelaktionen, sondern auf eine intelligente und dauerhafte Zusammenarbeit der Behörden. Wir wollen außerdem verhindern, dass kriminelle Clans aus dem Ruhrgebiet, aufgrund des dort zunehmenden Verfolgungsdrucks, in unsere Region kommen.“ Die Vorbereitungen für den Projektstart laufen bereits. Der Märkische Kreis koordiniert die Zusammenarbeit der beteiligten Behörden. Altena wurde als erster Projektstandort ausgewählt.
„Missimo ist ein gutes Beispiel dafür, wie moderne Verwaltung funktioniert: Behörden tauschen ihr Wissen aus, handeln abgestimmt und können dadurch schneller reagieren. Für Altena ist es wichtig, frühzeitig auf Entwicklungen zu reagieren, statt erst dann zu handeln, wenn Probleme bereits verfestigt sind. Dass unsere Stadt als erster Standort im Märkischen Kreis startet, zeigt unsere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und kluge Wege der Zusammenarbeit mitzugehen“, teilt Guido Thal als Bürgermeister der Stadt Altena mit.
Verdachtslagen früh erkennen
Aus Sicht der Polizei liegt der Mehrwert des Projekts allen voran in der systematischen Vernetzung der beteiligten Stellen. „Organisierter Sozialleistungsmissbrauch ist selten ein isoliertes Delikt“, berichtet Kriminaldirektor Stefan Winkler als Leiter der Direktion Kriminalität im Märkischen Kreis. „Oft stoßen wir auf Strukturen, in denen Menschen ausgebeutet werden und verschiedene Rechtsverstöße miteinander verknüpft sind. Genau deshalb ist der Informationsaustausch zwischen Kreis, Kommunen, Polizei und weiteren Behörden so wichtig. Missimo ermöglicht es, Verdachtslagen frühzeitig zu erkennen und konsequent zu handeln.“
Auch das Jobcenter Märkischer Kreis sieht in dem Projekt einen wichtigen Schritt. „Unser Auftrag ist es, Menschen zu unterstützen, die Anspruch auf Leistungen haben“, sagt Anna Markmann, Geschäftsführerin des Jobcenters Märkischer Kreis. „Ebenso gehört es zu unserer Verantwortung, Missbrauch zu verhindern. Missimo schafft dafür eine hervorragende Grundlage, weil relevante Informationen rechtskonform zusammengeführt werden können. So lassen sich berechtigte Ansprüche sichern und unberechtigte Leistungsbezüge gezielter aufklären.“
Die ersten gemeinsamen Prüfungen in Altena werden in der zweiten Jahreshälfte beginnen. Missimo ist ausdrücklich als langfristiges Kooperationsmodell vorgesehen. Perspektivisch soll das Programm dann auf die anderen Städte und Gemeinden des Kreises übertragen werden.
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