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Margot Spielmann-Preis 2018

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30. November 2018
Margot Spielmann-Preis 2018
Jüdisches Museum Westfalen ehrt Preisträger des Jugendgeschichtspreises
Dorsten.

Die Entscheidung ist gefallen. Nach Sichtung aller Arbeiten hat die Jury eine Entscheidung getroffen. Eine Preisträgerin kommt vom St. Ursula-Gymnasium in Attendorn, die zweite vom Theodor-Heuss-Gymnasium in Recklinghausen. Beide Arbeiten befassen sich mit „Stolpersteine“ als eine Form des Gedenkens. Enya Sommer aus Attendorn und Claudia Roggenbuck aus Recklinghausen, gehen jeweils der Frage nach, ob Stolpersteine eine angemessene und auch aufmerksamkeitswirksame Form des Gedenkens darstellen.

Der Jugendgeschichtspreis fand in diesem Jahr zum zehnten Mal statt. Eingereicht werden konnten wieder Facharbeiten zur jüdischen Geschichte, Religion und Gegenwart sowie zur NS-Geschichte von Schülerinnen und Schüler der Oberstufen aus NRW. Auch Arbeiten aus dem Deutschunterricht, die sich mit thematisch passenden Romanen befassen, waren willkommen. Daneben konnten Projektarbeiten von Schülergruppen eingereicht werden.

Claudia Roggenbuck analysiert das Projekt Stolpersteinverlegung in Recklinghausen am Beispiel der Familie Marcus. Die Eheleute Robert und Selma fielen im Herbst 1942 und Frühjahr 1943 im Getto Riga den dort herrschenden grauenhaften Verhältnissen zum Opfer. Die Töchter Ilse und Ruth wurden nach einer Odyssee durch mehrere Vernichtungslager wahrscheinlich im Herbst 1944 in Stutthoff bei Danzig ermordet. Im März 2015 konnten vier Stolpersteine für die Familie Marcus verlegt werden. Die Schülerin lässt in ihrer Arbeit sowohl die Kritiker wie auch die Befürworter zu Wort kommen. Sie verweist auf ein bereits vorhandenes Mahnmal, das den Opfern der Schoa gewidmet ist. Claudia Roggenbuck spricht sich in ihrem Fazit für Stolpersteine aus, weil sie eine individuelle Form des Gedenkens darstellen und weil hinter jedem Stein, der verlegt wird, meist auch eine Gruppe von Personen steht, die die Verlegung geplant und vorbereitet hat.

Enya Sommer befasst sich in ihrer Arbeit ebenfalls mit der Fragestellung, ob Stolpersteine ein geeignetes Element gelebter Erinnerungskultur sind. Sie weist den langen Weg auf, beschreibt die Widerstände, die es in Attendorn gab und stellt die Protagonisten vor, die es schließlich schafften, dass für zwölf ermordete jüdische Bürger Stolpersteine verlegt wurden. Am Beispiel der Familie Ursell schreibt sie das Schicksal der jüdischen Attendorner und Attendornerinnen. Auch für Enya Sommer ist die Individualität jedes Stolpersteins ein wichtiges Kriterium für ihre Zustimmung. Aber sie diskutiert nicht nur die meist vorgetragenen Kriterien für eine Zustimmung, sondern befasst sich intensive auch mit den Argumenten der Kritiker. Wichtig in ihrem Fazit ist, dass Nachfahren der Ermordeten, so es sie gibt, möglichst in den Entscheidungsprozess mit einbezogen werden.

Mit dem Margot Spielmann-Preis für Projekte werden in diesem Jahr drei Schulen in Borken, Duisburg und Recklinghausen ausgezeichnet.

Der 80. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November war Anlass für die Jodokus Nünning Gesamtschule in Borken ein Projekt zu starten. Die Schülerinnen und Schüler der 7. und 10. Jahrgänge haben sich auf unterschiedliche Weise dem Thema genähert. Präsentiert wurden die Ergebnisse in einer kleinen Ausstellung. Darüber hinaus gab es einen öffentlichen Rundgang auf jüdischen Spuren durch den Ortsteil Gemen und eine Führung in einem Ritualbad (Mikwe).

Der Besuch einer KZ-Gedenkstätte war für Schülerinnen und Schüler des Abtei-Gymnasiums in Duisburg der Anlass, ein eigenes Projekt im Rahmen der Erinnerungskultur zu starten. Die Jugendlichen wollten aktiv erinnern und mahnen und nicht nur Erinnerung rezipieren. Eine Schülerin entwarf ein Mahnmal, das an verschiedenen Orten in Duisburg zu sehen ist bzw. sein wird. Über einen QR-Code können Informationen abgerufen werden.

An der Gesamtschule Recklinghausen Suderwich gibt es seit Jahren im Kursangebot der Jahrgangsstufe Q2 (13) einen Projektkurs „wider das Vergessen“. Neben einer inhaltlichen Auseinandersetzung gehört eine Exkursion nach Lublin mit Besuch und Recherche in den Gedenkstätten Majdanek und Belzec zum Kursprogramm. Die Schülerinnen und Schüler des letzten Kurses (2017/18) haben ihre Ergebnisse in einem Theaterstück zusammengefasst und öffentlich aufgeführt.

Die Preisträgerinnen und Preisträger werden am Dienstag, den 4. Dezember, ab 18:00 Uhr im Jüdischen Museum Westfalen geehrt. Neben einer Urkunde erhalten die Teilnehmer Büchergeschenke bzw. Gutscheine für Projekttage im Jüdischen Museum überreicht. Interessierte sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen. Dabei werden die Projekte von den jeweiligen Gruppen ausführlich vorgestellt.

 

Margot Spielmann-Preis für Facharbeiten

Enya Sommer, St. Ursula-Gymnasium Attendorn: Juden in Attendorn - Sind Stolpersteine ein geeignetes Element gelebter Erinnerungskultur?

Claudia Roggenbuck, Theodor-Heuss-Gymnasium Recklinghausen: Das Projekt Stolpersteine zur Aufarbeitung des Holocaust am Beispiel der Recklinghäuser Familie Markus.

 

Margot Spielmann-Preis für Projekte

Jüdisches Leben in Gemen. Annäherungen. Ein Projekt anlässlich des 80. Jahrestages des Novemberpogroms. Jodukus Nünning-Gesamtschule Borken.

„Das Abtei vergisst nicht!“ Ein Projekt zur Errichtung eines virtuellen Mahnmals. Abtei-Gymnasium Duisburg.

„Wider das Vergessen!“ Der Projektkurs der Gesamtschule Recklinghausen Suderwich mit einem Bühnenstück.

 

Wer war Margot Spielmann?

Margot war ein jüdisches Mädchen aus Gelsenkirchen, geboren am 21. Mai 1926. 1942 wohnte sie mit ihrer Mutter Luise Kopf, dem Stiefvater Curt Kopf und ihrer Großmutter Henriette Breuer in einem sogenannten Judenhaus in der Augustastraße 7 in Gelsenkirchen.

Luise und Curt Kopf versuchten zusammen mit ihrer Tochter Margot in das unbesetzte Frankreich zu fliehen, wurden aber auf der Flucht verhaftet. Das schwer zuckerkranke Mädchen erlitt einen Schock und kam in ein Krankenhaus in Mülhausen, während ihre Eltern getrennt und deportiert wurden. Ihre Mutter saß bis zu ihrer Deportation im Gefängnis in Münster ein. Margot verblieb im Krankenhaus in Mülhausen. Dort verstarb sie vermutlich im Spätherbst 1942. Die behandelnde Ärztin teilte später mit, dass Margot – vor ihrem Abtransport – in ein tiefes Koma gefallen sei. Man habe sich im Krankenhaus absichtlich nicht mehr um die Rettung bemüht, um ihr Deportation und Ermordung zu ersparen.

Das Jüdische Museum Westfalen stellt in seiner Dauerausstellung Leben und Schicksal von Margot Spielmann vor. Dazu gehört auch ein Poesiealbum von ihr. Unter den Eintragungen finden sich die Namen weiterer junger Mädchen, die ebenfalls deportiert und ermordet wurden. Mit der Benennung des Jugendgeschichtspreises nach Margot Spielmann möchten wir die Erinnerung an sie und viele andere Jugendliche aus der Region wachhalten.

 




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