Westfälische Salzwelten Bad Sassendorf

12.09.2017 | Bad Sassendorf

Westfälische Salzwelten stellen geometrische Abstraktion aus

Künstler K.G. Schmidt starb vor 30 Jahren in Bad Sassendorf

Vom 8. September bis 19. November 2017 zeigt das Erlebnismuseum Westfälische Salzwelten eine Auswahl der geometrischen Abstraktion des Künstlers K.G. Schmidt, Dieser gestaltete sein Spätwerk in Bad Sassendorf und prägte maßgeblich das Kunstleben in Soest und Dortmund mit. Um ihn herum entstand die Künstlergruppe "Hellweg konkret", die sich mit abstrakter und - wie sie es selbst nannte - "konkreter Kunst" befasste.

07.09.2017 | Bad Sassendorf

Neue Ausstellung in den Salzwelten über die kristalline Welt des K. G. Schmidt

Vom 8. September bis zum 19. November 2017 zeigt das Erlebnismuseum in den Westfälischen Salzwelten eine Sonderausstellung anlässlich des 30. Todestages des Künstlers K. G. Schmidt. Am 5. September um 15.30 Uhr erhalten Sie exklusiv einen ersten Einblick in die Ausstellung „Die kristalline Welt des K.G. Schmidt“, die eindrucksvoll einen Brückenschlag zwischen abstrakter Kunst, exakter Form und dem naturwissenschaftlichen Stoff Salz schafft.

Der 1977 in Dresden geborene Künstler Karl Georg Schmidt prägte nach seinem Umzug in die Kaiserstraße 34a  maßgeblich die Bad Sassendorfer und Soester Kunstszene. Mit über fünfzig, teils großformatigen Arbeiten auf mehreren Ebenen zeigen die Westfälischen Salzwelten sein Spätwerk in der Vielfalt seiner Materialien und Techniken – vom Siebdruck über seine farbigen Collagen bis hin zu großformatige Acryl-Arbeiten.

Die Ausstellung beginnt im Erdgeschoss der Salzwelten und lässt die Besucherinnen und Besucher das komplexe Zusammenspiel zwischen K.G. Schmidts Kunst und der Dauerausstellung der Salzwelten auf drei Ebenen ergründen. Höhepunkt ist dann der Blick von der Empore auf den Südgiebel des Ausstellungshauses. Die Ausstellung setzt sich dann im Museumsbistro fort, in dem die kraftvoll-farbigen Werke mit späteren Collagen kontrastiert werden.

Die Ausstellung wird begleitet von einem Rahmenprogramm mit Veranstaltungen im Oktober und November. Informationsmaterial übersenden wir Ihnen gerne, wenn Sie sich dahingehend mit uns in Verbindung setzen. Am 23.09. erscheint der Katalog zur parallel stattfindenden Ausstellung „Gäste konkret“ im Museum Wilhelm Morgner in Soest, die zeitgleich beendet wird.

Im folgenden finden Sie Informationen zu Künstler und Ausstellungsinhalten:

Die kristalline Welt des K. G. Schmidt in den

Westfälischen Salzwelten, Bad Sassendorf 

Das Museum Westfälische Salzwelten entstand als Projekt der Regionale 2013 Südwestfalen. Das Haus beschäftigt sich mit der Geschichte der Stoffe Salz, Sole und Moor in der Hellweg-Region sowie deren Bedeutung für die gesellschaftlichen Felder der Innovationsgeschichte und Technik, Gesundheit und Ernährung. Dabei wählt das Museum einen eindeutig interaktiv-multimedialen und szenografisch-narrativen Zugang zu seinem Gegenstand. Im Kern dieser Erzählung steht der Weg von der Salzindustrie zum Solebad.

Die Westfälischen Salzwelten begreifen sich zudem als eine Institution, die sich mit der Geschichte und der Kultur Bad Sassendorfs und seiner Umgebung in Ausstellungen und Forschung auseinandersetzt. Neben den historischen und naturwissenschaftlichen Bedeutungsebenen erfasst dies auch örtlich bedeutsame Künstler und deren Werke. Nach einer ersten Ausstellung über den Landschaftsmaler Albert Otto im Winter 2016/17 folgt nun mit K. G. Schmidt ein Künstler, der sich in der Bundesrepublik mit seinem Kunstverständnis dezidiert von der gegenständlichen Kunst zur Zeit des Nationalsozialismus absetzte.

Zum 30. Todestag des 1977 nach Bad Sassendorf gezogenen Künstlers Karl Georg Schmidt erinnert das Museum Westfälische Salzwelten nun an sein Spätwerk, das maßgeblich hier entstand. Das K. G. Schmidt-Archiv in Bad Sassendorf hat es sich zur Aufgabe gemacht, das künstlerische Werk von K. G. Schmidt zu sichten, zu bewahren und der Öffentlichkeit vorzustellen. Dies führt das Archiv in enger Zusammenarbeit mit der von Carl-Jürgen Schroth ins Leben gerufenen Soester Stiftung für konzeptuelle Kunst durch.  

K. G. Schmidt, der in Dresden geboren und aufgewachsen ist, war bis zu seiner Pensionierung als Gebrauchsgrafiker, zuletzt als Art-Direktor, bei der Hoesch AG in Dortmund tätig. Zum Ende seines Berufslebens suchte das Ehepaar Karl Georg und Anni Schmidt in der Soester Börde nach einer Atelierwohnung und wurde in Bad Sassendorf in der Kaiserstraße 34a fündig. In direkter Nachbarschaft zur Villa Lohöfer fand K. G. Schmidt optimale Bedingungen für seine künstlerischen Ambitionen vor: ein eigenes Wohnatelier und Zeit zum Malen, Zeichnen und Experimentieren. Aus seinem Spätwerk zeigt das Museum Westfälische Salzwelten auf mehreren Ebenen über fünfzig Arbeiten. Darunter befinden sich einige großformatige Werke in Acryl, mehrere unikate Papierarbeiten wie z. B. Collagen und viele farbige Originalgrafiken.

Seinen Dortmunder Künstlerfreunden blieb K. G. Schmidt auch nach seinem Wegzug treu verbunden. Er war weiterhin aktives Mitglied des Dortmunder Künstlerbundes und trat dem BBK Nordrhein-Westfalen bei. Außerdem brachte er sich in die Soester und Bad Sassendorfer Kulturszene ein. K. G. Schmidt beteiligte sich an den legendären Kunstaktionen einer ersten Initiative von Kunstschaffenden und Kunstförderern zur Errichtung eines Kulturzentrums mit dem Namen „Alte Fabrik“, die in einer ehemaligen Kornbrennerei im Grandweg stattfanden. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des 1981 auf den Weg gebrachten „Kunstverein Kreis Soest e. V.“. In Bad Sassendorf stellte er in der dortigen Sparkasse auf Betreiben des damaligen Zweigstellenleiters, Herrn Herbe, aus. Im Haus des Gastes bot er auf Anregung des Kurdirektors, Herrn Hilger, fortlaufend kreative Kurse für Kurgäste an.

Für Künstler in der Nachkriegszeit war die radikale Abkehr von der vom Nationalsozialismus propagierten gegenständlichen Kunst nahezu zwingend erforderlich. Man suchte den Anschluss an die Moderne westlicher Prägung. Zwei künstlerische Strömungen sind vorbildlich für diese Zeit zu nennen: die lyrische Abstraktion und das Informel. Beide Tendenzen, mit denen sich K. G. Schmidt bildnerisch auseinandersetzte, sind der gestischen Abstraktion zuzuordnen. Bei der Lyrischen Abstraktion stehen spontane Improvisationen und direkt künstlerisch umgesetzte Empfindungen im Vordergrund. Bei K. G. Schmidt wird die Farbe autonom und ist alleine für die Bildkomposition stilbildend. Mit dem Begriff Informel bezeichnet man eine künstlerische Haltung, die das klassische Form- und Kompositionsprinzip ablehnt. Bei K. G. Schmidt herrschen freie farbig unterlegte oder auch nur in schwarz-weiß gehaltene Gitter- und Balkenkonstrukte vor, Nach seiner Eruierung visuell-gestalterischer Gesetzmäßigkeiten, die ohne eine verbindliche Formensprache auszukommen scheinen, wandte sich K. G. Schmidt zum Befremden seiner Dortmunder Künstlerfreunde der geometrischen Abstraktion zu. In dieser fand er letztlich seine Bestimmung.

Für ihn war es im höchsten Maße konsequent, sich radikal von der gestischen Abstraktion, die ihm – wie er oftmals betonte – viel zu leicht von der Hand ging, abzurücken und einen neuen künstlerischen Pfad zu beschreiten. Dazu war es notwendig, sich von der erkennbar eigenständigen Handschrift in seinen Werken zu verabschieden und sich einer Formensprache zu nähern, deren kompositorische Vielfalt auf mathematische Systeme zurückgeht, die von einfachen Flächenberechnungen bis hin zu komplexen optischen Visualisierungen reichen. Dabei knüpft die geometrische Abstraktion an den Traditionen des von den Nationalsozialisten verpönten und verbotenen Dessauer und Weimarer Bauhauses an und setzt dies mit veränderten Akzentsetzungen fort.  

Professor Will Grohmann, K. G. Schmidts Lehrer während seiner Dresdener Zeit, war ein Freund Paul Klees und Autor dessen Biographie. Von daher war es naheliegend, dass sich K. G. Schmidt intensiv mit dem Bauhausmeister Paul Klee auseinandersetzte. Im Nachlass von K.G. Schmidt findet sich nicht nur die oben erwähnte Biographie wieder, sondern auch einige wenige Arbeiten, die dem Werk von Paul Klee nahestehen.

Die dabei von ihm bevorzugten Formen sind bereits geometrischer Natur. Neben Paul Klee hat sich K. G. Schmidt mit der Farbenlehre von Johannes Itten, einem weiteren Bauhausmeister befasst. Johannes Itten versäumt es nicht, bei der Vermittlung seiner Farbenlehre darauf zu verweisen, dass die Harmonie zwischen Farben nicht vorhersehbar ist, sondern sich viel mehr nur durch Ausprobieren und Betrachtung durch ein geschultes Auge ergibt. Neben der Geometrie wird die Musik wie auch die Dichtung zu K. G. Schmidts zentralen Impulsgebern. Die Kunst der Bachschen Fugen – er hörte in seinen kreativen Phasen fast ausschließlich klassische Musik – inspirierte ihn zu einer eigenen Formen- und Farbsprache. K.G. Schmidt hat sich Zeit seines Lebens immer wieder mit einer japanischen Dichtform, dem Haiku beschäftigt. Unverzichtbar für Haiku sind Konkretheit und ein Bezug zur Gegenwart.                                                                                                                        

Das Zusammenwirken von Farben und Formen erfolgte bei K. G. Schmidt im Sinne eines systematisch-erforschenden Auslotens und Nach-Vorne-Gehens. Seine vielfältigen Collagen-Studien vermitteln einen umfassenden Eindruck von seinen intensiven Suchbewegungen, in denen er immer wieder neue Konstellationen seiner Bilderwelten zu entwickeln wusste. Das akkurate Spiel mit Form, Farbe und Linie wurde so zu seinem Lebensinhalt, wie die Ausstellung in den Westfälischen Salzwelten eindringlich belegt. K. G. Schmidt arbeitete oftmals mit einer Formensprache, die in ihren Mustern mithin unterschiedlichste, kristalline Körper zugrunde legte – nicht zuletzt die Kuben spielten dabei eine besondere Rolle. Bei der Titelgebung seiner Werke hat sich K. G. Schmidt oft an dem Mineralienbereich orientiert. Titel wie Skorodit, Allanit, Erythin, Almandin etc. lassen sich geologischen Welten zuordnen. Sie bezeichnen Kristalle, die prismatische Zustände zeigen und symmetrische Eigenschaften besitzen.

Der Brückenschlag zwischen abstrakter Kunst, exakter Form und dem historisch-naturwissenschaftlichen Stoff „Salz“ muss daher im Spätwerk Schmidts nicht herbeikonstruiert werden – die Vielfalt seiner Materialien und Techniken findet ihren Widerhall in der Mannigfaltigkeit kristalliner Gestalten. In seinen allerletzten Schaffensjahren geht er über die Formen Kreis, Quadrat, Rechteck, Kuben, Rhomben etc. hinaus. Damit verbindet sich jedoch keineswegs eine Abkehr von der geometrischen Abstraktion, sondern es beginnt vielmehr ein neues Spiel mit Form und Farbe. Mit Faltungen, seinem letzten Sujet setzt er konsequent seine einmal begonnenen Suchbewegungen fort

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