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27. Mai 2019

Kopie nach Peter Paul Rubens im Museum Schloss Philippsruhe

- Neue Impulse zur Erforschung der Gemäldesammlung

Das Ölgemälde, „Susanna und die beiden Alten“ im Hanauer Schloss Philippsruhe stand in den vergangenen Monaten im Mittelpunkt eines großen öffentlichen Interesses. Die bekannte Kunsthistorikerin Dr. Katharina Bott hatte im November 2018 die Vermutung ausgesprochen, das Ölgemälde (Inv. Nr. HMH B 6094, 138 cm x 106,5 cm) könne von dem berühmten Maler des Barock, Peter Paul Rubens (1577-1640) stammen. Doch nun haben vielfältige Recherchen in Zusammenarbeit mit Experten in Deutschland, Belgien und Österreich bestätigt, dass es sich bei dem Gemälde um eine zeitgenössische Kopie nach Peter Paul Rubens handelt.

Dr. Bott untersucht derzeit Gemälde im Historischen Museum Hanau Schloss Philippsruhe, die sich bis 1936 in der Hanauer Zeichenakademie befanden. 1936 rettete Dr. Hugo Birkner die Gemäldesammlung, die unter nationalsozialistischer Leitung von Akademiedirektor Emil Lettré vernichtet werden sollte. Die Gipssammlung des 18. Jahrhunderts war bereits zerstört worden. Birkner überführte die bedeutenden Gemälde in die Sammlungen des Hanauer Geschichtsvereins, der seit 1967 Mitträger des Museums in Schloss Philippsruhe ist. „Man kann Hugo Birkners Verdienste für das kulturelle Erbe Hanaus nicht hoch genug würdigen“, sind sich der Vorsitzende des Hanauer Geschichtsvereins, Michael H. Sprenger, und der Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hanau, Martin Hoppe, einig.

Das Ölgemälde, „Susanna und die beiden Alten“, eine Erzählung aus dem Alten Testament, löste ein besonderes Interesse bei der Kunsthistorikerin aus. Es stammt vermutlich aus der landgräflichen Sammlung in Kassel. Erbprinz Wilhelm IX., der spätere Landgraf und Kurfürst Wilhelm I. (1743-1821), schenkte das Gemälde der 1772 gegründeten Hanauer Zeichenakademie.

Ein Kupferstich des Motivs im Rubens-Werkkatalog verriet, dass das Original verschollen ist. Bott nahm im Dezember 2018 Kontakt zum Centrum Rubenianum in Antwerpen auf und erhielt einen ausführlichen Bericht vom Chairman Arnoult Balis, der viele Hinweise gab und neue Fragen stellte. Das Original entstand wohl um 1617/18 und wurde von Rubens Sir Dudley Carlton, dem englischen Gesandten im Haag angeboten. Danach verliert sich seine Spur.

Das Historische Museum Hanau Schloss Philippsruhe unter Leitung von Dr. Katharina Bechler erhielt von Bert Watteeuw, ebenfalls Wissenschaftler am weltberühmten Rubens-Institut in Antwerpen, weitere Informationen: Eine originale Zeichnung nach Peter Paul Rubens besitzt das British Museum in London von Lucas Vorsterman (1595-1675), einem Zeitgenossen von Peter Paul Rubens (37,7 x 27,7 cm). Vorsterman produzierte 1620 nach seiner Zeichnung den Kupferstich, ein Exemplar (38,5 cm x 28 cm) besitzt das Rijksmuseum in Amsterdam.

Der Kupferstich und das Hanauer Gemälde zeigen Susanna und die beiden Alten in identischer Haltung. Beide sind seitenverkehrt zur Originalzeichnung. Watteeuw ordnet daher das Hanauer Gemälde „Susanna und die beiden Alten“ der Gruppe von Kopien nach einem Stich von Vorsterman zu. Bisher sind 12 Kopien des verschollenen Gemäldes bekannt.

Dieser kunsthistorischen Expertise folgte im April 2019 eine naturwissenschaftliche Untersuchung, eine Röntgen-Aufnahme im Frankfurter Städel zur Erforschung von Unterzeichnungen. Die Röntgen-Untersuchung ergab keine Abweichungen von der Oberflächenmalschicht. Prof. Dr. Jochen Sander, stellvertretender Direktor des Städel und Kurator der Ausstellung „Rubens. Kraft der Verwandlung“ im Jahr 2018, bewertet das Gemälde als eine Kopie des 18. Jahrhunderts.

Für Oberbürgermeister Claus Kaminsky steht fest, dass „Dr. Katharina Bott, mit ihrem Ehemann Professor Dr. Gerhard Bott 2010/2011 die ersten Stadthistoriker Hanaus, einen sehr wichtigen Impuls zur Sammlungsgeschichte des Historischen Museums Hanau Schloss Philippsruhe gesetzt hat. Neues Wissen und spannende Forschungsfragen sind entstanden, die zu neuen Ergebnissen führen und weitere Recherchen anregen.“

Zweifellos ist das Gemälde ein wichtiges Zeugnis der Kunstgeschichte des 17./18. Jahrhunderts und kann in der Dauerausstellung in der historischen Bibliothek von Schloss Philippsruhe im ersten Stock besichtigt werden. Es fand hier seinen Platz nach dem Brand des Schlosses 1984.

Pressekontakt:
Stadt Hanau, Ute Wolf, Telefon 06181/295-664



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Susanna und die beiden Alten, Öl auf Leinwand, nach Peter Paul Rubens, Historisches Museum Hanau Schloss Philippsruhe, Inv. Nr. HMH B 6094, 138 cm x 106,5 cm © Roland von Gottschalck, Medienzentrum – Bildarchiv Stadt Hanau

Susanna und die beiden Alten

Lucas Vorsterman nach Peter Paul Rubens, Susanna und die Beiden Alten, Zeichnung auf Papier, British Museum, Inv. Nr. 1895,0915.1056, 37,7 cm x 27,7 cm © The Trustees British Museum

Susanna im Bade

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