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09. Februar 2021
„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“
Hanau handelt mit einem Plan für den Neustart: Umfangreiche Maßnahmen für Handel, Gastronomie und Veranstaltungen ausgearbeitet
„Wir sind gerüstet für den Moment, wenn das öffentliche Leben langsam wieder hochgefahren wird, und die derzeitigen Corona-Auflagen gelockert werden.“ Mit diesen Worten unterstreicht Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky, dass „Hanau einen Plan für den Neustart hat“. Die einzelnen Maßnahmen, die insbesondere zur Unterstützung von Handel, Gastronomie und Veranstaltungen dienen sollen, wurden am Dienstagabend im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt. Kaminsky betont: „Die Herausforderungen sind für alle Städte enorm. Wir stellen uns dem und geben nicht auf.“ Bei aller gebotenen Vorsicht brauche es jetzt auch Zuversicht. „Denn wir können das normale Leben nicht auf Dauer aussetzen. Viele Teile der Wirtschaft, insbesondere Handel, Gastronomie und Dienstleister, überleben das sonst nicht“, mahnt der Oberbürgermeister. Hanau habe die Zeit des Lockdowns genutzt, um sich mit Konzepten für die Wiedereröffnung zu wappnen. „Wir haben uns dabei auch auf Tugenden des Stadtumbaus rückbesonnen: Das Unmögliche wagen, stets im Diskurs mit den Akteuren. Herausgekommen sind pragmatische und zielgerichtete Lösungsansätze. Sie sollen Zuversicht ausstrahlen.“
Ob Subventionen für Handel und Gastronomie, Konzepte für Veranstaltungen und Aktionen oder Strategien, die insbesondere einem Abwärtstrend in der Innenstadt entgegenwirken sollen – die Hanau Marketing GmbH (HMG), die den „Plan für den Neustart“ federführend entwickelt hat, hat ein ganzes Bündel an Maßnahmen zusammengestellt, das den Weg zurück in den (Ausnahme-)Alltag ebnen soll. Entwickelt wurde das Paket in Abstimmung mit dem Hanau Marketing Verein, der IHK und dem Einzelhandelsverband. Martin Bieberle, Stadtentwickler und Geschäftsführer der HMG, unterstreicht: „Die Probleme des Einzelhandels sind ja schon länger bekannt, sie wurden durch Corona aber verstärkt. Wir haben uns bereits Ende 2019 daran gemacht, unter dem Titel ‚Hanau aufLADEN‘ Konzepte zur Stärkung der Innenstadt zu entwickeln. Das hat uns jetzt enorm geholfen.“ Für ihn sei klar, dass die Innenstadt ihre Funktion als zentraler Versammlungsplatz und Bezugspunkt der Stadt, der Austausch und soziales Miteinander fördere, erhalten werde müsse. Bieberle: „Auch wenn sich die Nutzung verändert – die Innenstadt ist seit Jahrhunderten die Energiequelle einer Stadt. Das gilt es zu bewahren. Viele der jetzt geplanten Schritte sind deshalb auch eine Investition in die Zukunft.“ Dabei brauche es neue Ideen, denn der klassische Handel werde in seiner Bedeutung für die Innenstadt angesichts des drohenden Ladensterbens abnehmen, so der HMG-Geschäftsführer.
Im Zentrum des „Plans für den Neustart“ steht deshalb das Programm „Hanau aufLADEN“, in dem die Stadt ein ganzes Bündel an Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Innenstadt und auch der Stadtteilzentren zusammengefasst hat und das seinen Ursprung im Prozess „Zukunft Hanau“ mit dem Bürgerwochenende im März 2019 hat. „Mit den Vorkaufsrechtssatzungen haben wir uns Einfluss auf den Immobilienmarkt gesichert, jetzt gilt es, diesen für die Zukunft mit Ideen für Neuansiedlungen zu nutzen“, sagt der Oberbürgermeister. So wird es ein Förderprogramm („Newcomer-Starthilfe“) geben, in dessen Rahmen neue, innovative Geschäftskonzepte mit bis zu 10.000 Euro unterstützt werden sollen, auch in den Stadtteilen. Die Stadt will zudem den Kurs der Pop-up-Konzepte fortführen und Händlern weiter die Chance geben, sich mit kurzfristigen Mietverträgen im Markt auszuprobieren.
„Neu in unserem Konzept ist, dass wir als HMG auch in die Rolle des Betreibers gehen wollen“, erläutert Bieberle. So will die HMG noch im Frühjahr einen „KunstKaufLADEN“ eröffnen, in dem Kunst für jedermann und für jeden Geldbeutel angeboten werden soll. Verkauft werden sollen dort Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus der Region. „Wir wollen Kunst dort aber nicht nur verkaufen, sondern auch erlebbar machen und den Austausch fördern“, umreißt Bieberle, der betont: „Wir planen keine Galerie, in der man Kunst nur anschauen kann, sondern eine Art Supermarkt mit hohem Erlebniswert.“
Unter der Überschrift „Hanau aufLADEN“ finden sich aber nicht nur Ideen für neue Einzelhandelskonzepte, sondern auch Hilfsangebote zur Unterstützung des Bestands. „Wir werden um jeden Einzelhändler, um jeden Gastronomen kämpfen“, betont Kaminsky. Klar sei dabei: Die Unternehmen müssten bereit sein, sich neu auszurichten. Das gilt insbesondere für das Thema Online. „Corona hat nochmal ganz deutlich gezeigt, dass Händler im Netz zu finden sein müssen und in der Lage sein müssen, über die neuen Medien mit ihren Kundinnen und Kunden zu kommunizieren“, erläutert Bieberle. Deshalb wird die HMG noch im Februar ein entsprechendes Unterstützungsprojekt starten. Im Rahmen eines „Online-Checks“ werden digitale Angebote interessierter Händler von Experten analysiert. Daraus werden Handlungsempfehlungen und Verbesserungsvorschläge abgeleitet. „Der Check ist für die Teilnehmer kostenlos, etwaige Maßnahmen zur Verbesserung des Online-Auftritts werden wir zudem finanziell unterstützen“, erklärt Bieberle. Die HMG will auf diesem Weg auch Bedarfe ermitteln und sich im zweiten Halbjahr mit der Frage beschäftigen, ob und wenn ja welche zentralen Plattformen sich die Hanauer Händler wünschen. „Unsere Maßnahmen sollen immer zielgerichtet sein“, unterstreicht der Oberbürgermeister.
Diese Zielgenauigkeit hat die Stadt im Herbst des vergangenen Jahres mit der Grimmscheck-Aktion unter Beweis gestellt, in deren Rahmen ein Umsatz von mindestens 12 Millionen Euro ausgelöst wurde. „Angesichts des großen Erfolgs dieser Aktion werden wir sie natürlich wiederholen“, betont Kaminsky. Der genaue Zeitpunkt sei noch offen, zunächst müssten die Öffnungsschritte abgewartet werden. „Wir wollen diese Aktion aber im Frühjahr neu auflegen“, kündigt der OB an.
Geplant sind auch zwei Sonder-Grimmschecks: für den Wochenmarkt und für die Gastronomie. „Insbesondere die Gastronomie ist schwer getroffen, Deshalb wollen wir sie besonders unterstützen“, sagt der Oberbürgermeister. Die Subventionierung baulicher Veränderungen, die im Zusammenhang mit den Corona-Auflagen stehen, werde ebenso fortgesetzt, wie der Erlass der Gebühren für die Außenflächen. Zudem stellt die Stadt einen Topf zur Verfügung, aus dem die Anschaffung der von Heraeus entwickelten Luftreiniger bezuschusst wird. „Heraeus wird für alle Hanauer Einzelhändler und Gastronomen Sonderkonditionen anbieten – wir werden die ersten 100 Betriebe aber nochmal zusätzlich unterstützen“, kündigt Kaminsky an. Zudem werde die Stadt über ihr Hygiene-Team natürlich alle intensiv beraten, welche Hygiene-Auflagen bei der Wiedereröffnung zu beachten sind. Denn die Pandemie werde auch in den kommenden Monaten das Leben begleiten. „Für das Jahr 2021 ist Zuversicht erlaubt, wir werden an unserer Grundhaltung, dass Hanau in der Mannschaft ‚FC Vorsicht‘ spielt, aber festhalten“, sagt der Oberbürgermeister.
„Wir werden Handel und Gastronomie in vielfacher Weise bei der Wiedereröffnung unterstützen“, verspricht HMG-Geschäftsführer Bieberle, betont dabei aber auch: „Im Sinne der Nachhaltigkeit für den Standort erwarten wir von jenen, die Subventionen bekommen, aber auch, dass sie an den Aktionen der Stadt teilnehmen, dass sie Grimmscheck-Partner werden und dass sie die Kernöffnungszeiten einhalten.“ Man werde diese Voraussetzungen künftig in den Fördergeld-Anträgen verankern, kündigt Bieberle an, stellt dabei aber klar: „Die Teilnahmen werden den Antragsteller natürlich nichts kosten.“
Dass die Rückkehr zu mehr Normalität im Veranstaltungsbereich noch etwas länger auf sich warten lassen wird, ist für die Stadt sicher. Aber auch für diesen Bereich sind die Planungen bereits weit vorangeschritten. „Klar ist: Noch ein Jahr, in dem wir alle Veranstaltungen absagen, wird es nicht geben“, verspricht der Oberbürgermeister. Wenn es die Corona-Lage nicht zulasse, Veranstaltungen vor Publikum durchzuführen, werde man in jedem Fall prüfen, inwieweit sie online realisierbar seien. „Wir haben mit der Marke und dem Konzept von ‚Hanau Daheim‘ ein Angebot geschaffen, das bundesweit Beachtung findet und das wir auf jeden Fall beibehalten werden“, so der OB. Er gibt sich gleichfalls zuversichtlich: „Mitte Mai sollen die Brüder Grimm Festspiele beginnen – und welche Veranstaltung ist besser dazu geeignet, ein Signal der Hoffnung zu setzen? Deshalb haben wir den Vorverkauf gestartet - auch wenn zunächst nur 250 Plätze zur Verfügung stehen werden.“
Ein besonderes Hilfsprogramm mit dem Titel „Hanau macht Musik“ ist auch für Musikerinnen und Musiker in Planung – denn, so Kaminsky, auch diese Branche leide immens unter dem Lockdown. Die Stadt will deshalb eine gewisse Zahl an Musikern für eine gewisse Zahl an Konzerten verpflichten und ihnen, auch mit Vorauszahlungen, etwas mehr Planungssicherheit bieten. Die Künstler sollen dann im Rahmen der städtischen Aktionen und Veranstaltungen auftreten – oder bei interessierten Einzelhändlern und Gastronomen. „Unser musikalischer Adventskalender hat gezeigt, dass der Solidaritätsgedanke zwischen Handel und Musik ausgeprägt ist – darauf wollen wir aufsetzen“, erläutert Bieberle.
Da abzusehen ist, dass zumindest die großen Feste und Veranstaltungen im ersten Halbjahr kaum durchführbar sein werden, will sich die Stadt zudem um mobile und dezentrale Angebote kümmern. So soll mit einem Bauwagen eine „mobile Veranstaltungsstätte“ angeschafft werden, die von Vereinen und Initiativen genutzt werden kann, damit sie ihre Feste durchführen können. Zudem prüft die Stadt gerade intensiv, wo im Stadtgebiet Outdoor-Veranstaltungsflächen geschaffen oder unterstützt werden können. „Wir werden dabei helfen, dass kleine Formate realisiert werden können“, betont Bieberle. Dies gelte natürlich auch für die Erstellung von Hygienekonzepten. „Unser Hygiene-Team wird jeden dabei unterstützen, der es möchte.“
Für die umfangreichen Maßnahmen sind im städtischen Haushalt bereits 1,2 Millionen Euro bereit gestellt worden, weitere Finanzmittel sollen aus den Budgets der jeweiligen Fachbereiche organisiert werden. „Und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir auch Fördergelder von Bund und Land bekommen“, erklärt der Oberbürgermeister. Sowohl in Berlin als und in Wiesbaden seien in den vergangenen Wochen millionenschwere Hilfsprogramme für die Innenstädte angekündigt worden. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Hanau handelt. Mit einem detaillierten Plan für den Neustart“, so Kaminsky, der sich auch für die parteienübergreifende Unterstützung in Magistrat und Stadtverordnetenversammlung bedankt. „Die Menschen erwarten in Zeiten wie diesen zurecht gemeinsames Arbeiten“, erklärt der Oberbürgermeister. Und Handel und Gastronomie erwarteten – ebenfalls zurecht – dass die zugesagten Hilfsgelder auch flössen. Kaminsky: „Die Hilfen, die Bund und Länder zugesichert haben, müssen endlich bei den Betroffenen ankommen – schnell und unbürokratisch. Weitere Hängepartien werden viele nicht überleben. Und es wird nicht dauerhaft vermittelbar sein, dass organisatorische und politische Defizite bei der Beschaffung und Bereitstellung von Impfstoffen zu Lasten ganzer Bereiche der Volkswirtschaft gehen.“
Pressekontakt: Stadt Hanau, Pressestelle, Telefon 06181/295-929
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