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Inklusion beginnt im Alltag, beim gemeinsamen Spielen, beim Sprechen und Zuhören. Wie dieser Anspruch in den 56 Kindertageseinrichtungen im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes weiter gestärkt werden kann, stand im Mittelpunkt des Fachtags „Kita inklusiv: Grundlagen - Perspektiven - Praxis“. Dazu hatte das Kreisjugendamt eingeladen.
Zahlreiche Fachkräfte nahmen an der Veranstaltung im Sitzungssaal des Kreishauses Lüdenscheid teil, um sich auszutauschen und neue Impulse für ihre Arbeit mitzunehmen. Eine im Jahr 2025 durchgeführte Umfrage in allen Kitas im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes hatte gezeigt: Der Wunsch nach fachlicher Vertiefung, Fortbildung und kollegialem Austausch ist groß. Der Fachtag griff diesen Bedarf gezielt auf und stieß damit auf großes Interesse bei den Fachkräften.
In seinem Grußwort betonte Landrat Ralf Schwarzkopf die gesellschaftliche Bedeutung des Themas: „Inklusion ist kein Zusatzauftrag, sondern Ausdruck unseres gemeinsamen Werteverständnisses. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe und individuelle Förderung. Mit dem Fachtag setzen wir ein klares Zeichen, dass wir diesen Weg im Märkischen Kreis konsequent weitergehen.“ Inklusion sei ein Entwicklungsprozess, der Zeit, Expertise und Vernetzung braucht. Der Fachtag soll ein gemeinsames Fundament schaffen und die Handlungssicherheit der Fachkräfte im Märkischen Kreis weiter stärken.
Fachliche Impulse aus Wissenschaft und Praxis
Der Vormittag stand im Zeichen von drei Impulsvorträgen, die unterschiedliche Perspektiven auf inklusive Kita-Entwicklung eröffneten. Prof. Dr. Timm Albers widmete sich den Grundlagen einer inklusiven Einrichtungsentwicklung im Kontext Kita. Er zeigte auf, woran eine inklusive Einrichtung erkennbar ist und welche Schritte notwendig sind, um diesen Prozess systematisch zu gestalten. „Inklusion ist kein Zustand, den man erreicht und dann abhakt“, machte Albers deutlich. „Sie ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess, der von einer klaren Haltung, strukturellen Rahmenbedingungen und einer reflektierten Praxis lebt.“
Eine weitere Perspektive brachte Prof. Dr. Tobias Bernasconi in seinem digital zugeschalteten Vortrag ein. Er stellte Möglichkeiten sprachlicher Förderung durch unterstützte Kommunikation vor. Sein zentrales Anliegen: Kommunikation ist der Schlüssel zur Teilhabe. Den Blick auf psychiatrische Auffälligkeiten im Vorschulalter richtete Dr. Morsi Abdallah. Er sprach über Zuständigkeiten, Verfahrensabläufe und therapeutische Modalitäten. Ziel sei es, Unsicherheiten abzubauen und Orientierung zu geben, um früh zu unterstützen und die Chancen für eine positive Entwicklung zu erhöhen.
Workshops und praxisnahe Vertiefung
Am Nachmittag wurden die fachlichen Impulse in sechs thematisch unterschiedlichen Workshops praxisnah vertieft. Von der inklusiven Konzeptionsentwicklung über den alltagstauglichen Einsatz unterstützter Kommunikation bis hin zu einer Methodenwerkstatt zur Gestaltung von Teilhabe im Kita-Alltag: Der Austausch mit den Referenten und die Gruppenarbeit ermöglichte konkrete Einblicke in unterschiedliche Themen und gab den Fachkräften hilfreiche Tools für den pädagogischen Alltag in den Kitas an die Hand. Ein Graphic-Recording dokumentierte außerdem die zentralen Inhalte des Tages visuell und verband die unterschiedlichen Perspektiven miteinander. Mit den farbenfrohen Zeichnungen lud das Bord die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch in den Pausen dazu ein, sich noch einmal über die Fachvorträge auszutauschen. Im Abschlussplenum wurden Eindrücke zusammengeführt und in den weiteren Entwicklungsprozess der Kitalandschaft im Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes eingeordnet.
Inklusion als gemeinsamer Weg
Der Fachtag „Kita inklusiv“ machte deutlich, dass Inklusion mehr ist, als ein Leitbild. Sie ist eine gelebte Praxis, die Engagement, Fachwissen und Zusammenarbeit erfordert. Mit der Vernetzung der Fachkräfte, neue Perspektiven sowie erste wichtige Praxisimpulse ist ein wichtiger Schritt getan: Hin zu einer Kinderbetreuungslandschaft, in der Vielfalt selbstverständlich ist und jedes Kind die Unterstützung erhält, die es braucht.
Hintergrund
Das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz von 2021 hat den Auftrag zur inklusiven Weiterentwicklung der Kinderbetreuungslandschaft deutlich gestärkt. Ziel ist es, allen Kindern, mit und ohne Beeinträchtigungen, ein wohnortnahes, gemeinsames Betreuungsangebot in einer Kindertageseinrichtung zu ermöglichen.
Pressekontakt: Märkischer Kreis, Katharina Buschmann, 02351 / 966 6158
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